HAW-Professur: Voraussetzungen, Berufung und warum sie nicht „weniger“ ist

Karriere Professur Aktualisiert: März 2026

Die Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW, früher: Fachhochschule/FH) ist ein eigenständiger Karriereweg, der sich grundlegend von der Universitätsprofessur unterscheidet. Keine Habilitation erforderlich, dafür mindestens fünf Jahre Berufserfahrung außerhalb der Hochschule. Kein Forschungsschwerpunkt auf Grundlagenforschung, dafür enge Verzahnung mit der Praxis. Und ein Lehrdeputat von 18 SWS, das doppelt so hoch liegt wie an Universitäten.

Deutschland zählt laut Statistischem Bundesamt rund 22.000 Professuren an über 200 Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Stand 2024). Das sind fast so viele wie an den Universitäten (rund 27.000). Die HAW-Professur ist also kein Nischenprodukt, sondern ein massiver Bestandteil des deutschen Hochschulsystems. Und sie hat ein Problem, das die Universitäten so nicht kennen: In vielen Fächern finden sich zu wenige qualifizierte Bewerber.

Die gesetzlichen Voraussetzungen im Detail

Die Anforderungen für eine HAW-Professur sind in den Hochschulgesetzen der Länder geregelt und im Kern bundesweit einheitlich. Sie müssen alle folgenden Kriterien erfüllen:

1. Abgeschlossene Promotion

Eine Promotion ist zwingend erforderlich. In welchem Fach und an welcher Universität ist formal egal, solange ein inhaltlicher Bezug zur ausgeschriebenen Professur besteht. Eine „Promotion im relevanten Fachgebiet oder einem verwandten Gebiet“ steht in fast jeder Ausschreibung. Im Unterschied zur Uni-Professur wird an HAWs nicht erwartet, dass Sie an einer Top-Universität promoviert haben — die Qualität der Arbeit zählt, nicht das Prestige der Institution.

2. Mindestens fünf Jahre berufliche Praxis

Das ist die entscheidende Hürde, die die HAW-Professur von der Universitätsprofessur trennt. Die fünf Jahre Berufserfahrung müssen folgende Bedingungen erfüllen:

  • Hauptberuflich: Nur Tätigkeiten mit mindestens 50 % der regulären Arbeitszeit zählen. Teilzeitarbeit wird anteilig angerechnet — wer drei Jahre lang zu 50 % arbeitet, hat eineinhalb Jahre anrechenbare Praxis.
  • Ab dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss: Die Zählung beginnt nicht erst nach der Promotion, sondern bereits nach dem Bachelor-, Master- oder Diplomabschluss. Das ist ein häufig übersehener Vorteil: Wer vor der Promotion in der Industrie gearbeitet hat, kann sich diese Zeit anrechnen lassen.
  • Davon mindestens drei Jahre außerhalb der Hochschule: Dieser Punkt ist entscheidend und wird oft missverstanden. Mindestens drei der fünf Jahre müssen außerhalb des Hochschulbereichs erbracht worden sein — also in der Industrie, in einer Behörde, in einer NGO, als Freiberufler oder in einer anderen nicht-hochschulischen Einrichtung. Reine Universitätskarrieren (Promotion + Postdoc) erfüllen diese Voraussetzung nicht.
  • Promotionszeit: In den meisten Bundesländern können bis zu 2 Jahre der Promotionszeit auf die fünfjährige Berufserfahrung angerechnet werden, sofern die Promotion in einem relevanten Fachgebiet erfolgte. Die genaue Regelung variiert je nach Landesrecht.
Praxis-Beispiel: Wer die Voraussetzungen erfüllt Eine Ingenieurin promoviert mit 30 an der TU München (3,5 Jahre Promotionszeit, davon 2 anrechenbar). Sie arbeitet dann 4 Jahre bei Siemens als Projektleiterin. Summe: 2 + 4 = 6 Jahre Berufserfahrung, davon 4 außerhalb der Hochschule. Voraussetzung erfüllt mit 34 — sie kann sich auf HAW-Professuren bewerben.

3. Pädagogische Eignung

HAWs legen großen Wert auf die Fähigkeit, Studierende praxisnah zu lehren. Die pädagogische Eignung kann auf verschiedene Weisen nachgewiesen werden:

  • Lehraufträge an Hochschulen (der häufigste Nachweis)
  • Schulungen, Seminare oder Workshops in Unternehmen
  • Tutoring, Coaching oder Mentoring-Tätigkeiten
  • Ausbildertätigkeit
  • Hochschuldidaktische Zertifikate

In der Praxis ist der Lehrauftrag an einer Hochschule der stärkste Nachweis und gleichzeitig die wichtigste Vorbereitung auf die Probelehrveranstaltung im Berufungsverfahren. Viele spätere HAW-Professoren beginnen neben ihrer Industrietätigkeit mit einem Lehrauftrag (2–4 SWS), um Lehrerfahrung zu sammeln und sich im Hochschulumfeld sichtbar zu machen.

4. Besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit

Diese Anforderung wird in der Regel durch die Promotion nachgewiesen. In manchen Ausschreibungen werden zusätzlich Publikationen, Konferenzbeiträge oder angewandte Forschungsprojekte erwartet — das hängt stark vom Profil der jeweiligen HAW ab (dazu unten mehr).

Keine Habilitation erforderlich: Der fundamentale Unterschied

Der größte strukturelle Unterschied zur Universitätsprofessur: Für die HAW-Professur wird keine Habilitation verlangt — weder formal noch informell. Das bedeutet, dass der Weg zur HAW-Professur deutlich kürzer und planbarer ist als der Weg zur Uni-Professur. Allerdings ist er nicht einfacher, denn er verlangt eine andere Art von Qualifikation: Statt jahrelanger Grundlagenforschung müssen Sie nachweisen, dass Sie in der außeruniversitären Berufswelt erfolgreich waren und diese Erfahrung in die Lehre einbringen können.

Zwei Typen von HAWs: Forschungsstark vs. praxisorientiert

Nicht alle Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind gleich. In der Praxis gibt es ein breites Spektrum zwischen zwei Polen, und es ist entscheidend, diesen Unterschied zu verstehen, bevor Sie sich bewerben:

Typ 1: Die forschungsstarke HAW

Einige HAWs — etwa die Hochschule München, die Frankfurt University of Applied Sciences, die HTW Berlin oder die HAW Hamburg — haben ein ausgeprägtes Forschungsprofil. Diese Hochschulen erwarten auch von neuen Professorinnen und Professoren, dass sie neben der Lehre aktiv forschen, Drittmittel einwerben und publizieren. In Berufungsverfahren an solchen Standorten werden Publikationen, Patente und Forschungskooperationen mit der Industrie positiv bewertet. Teilweise werden hier explizit „Forschungsprofessuren“ mit reduziertem Lehrdeputat angeboten.

Typ 2: Die lehrorientierte HAW

Andere HAWs legen den Schwerpunkt klar auf exzellente Lehre und Praxisnähe. Hier wird weniger nach Publikationen gefragt und mehr danach, ob Sie ein Netzwerk in der regionalen Wirtschaft mitbringen, ob Sie Studierende für Praxisprojekte und Kooperationen begeistern können und ob Sie Lehrerfahrung haben. Führungserfahrung in der Industrie, Projektleitungskompetenz und ein starkes Praxisnetzwerk sind hier wertvoller als ein hoher h-Index.

So lesen Sie Stellenanzeigen richtig Sie können anhand der Ausschreibung erkennen, welchen Typ HAW Sie vor sich haben. Achten Sie auf folgende Formulierungen:

Forschungsstark: „Forschungserfahrung in...“, „Einwerbung von Drittmitteln erwünscht“, „Erfahrung in angewandter Forschung“, „Publikationstätigkeit“, „Kooperation mit Forschungspartnern“.
Praxisorientiert: „Umfangreiche Industrieerfahrung“, „Führungserfahrung“, „Netzwerk in der regionalen Wirtschaft“, „Transferkompetenz“, „Begeisterung für die Lehre“.

Die Berufungslücke: Zu wenige Bewerber in MINT und Informatik

Während an Universitäten regelmäßig 50 bis 200 Bewerbungen pro Professur eingehen, ist die Situation an HAWs in vielen Fächern dramatisch anders. Daten der HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen zeigen, dass sich zwischen 2016 und 2024 im Durchschnitt nur 17,3 Personen auf eine Professur bewarben — und davon erfüllten im Schnitt nur 3,6 Bewerber alle Voraussetzungen, um überhaupt zur Probelehrveranstaltung eingeladen zu werden.

In technischen Fächern ist die Lage teilweise noch angäspannter:

  • Informatik: Viele HAW-Professuren bleiben über mehrere Ausschreibungsrunden unbesetzt, weil promovierte Informatiker mit fünf Jahren Berufserfahrung in der Industrie oft 120.000–180.000 € und mehr verdienen — deutlich über der W2-Besoldung.
  • Ingenieurwissenschaften: Ähnliches Problem. Ein Maschinenbauingenieur mit Promotion und Führungsverantwortung bei BMW oder Bosch verdient oft das Doppelte eines HAW-Professors.
  • Wirtschaftsinformatik und Data Science: Besonders akuter Mangel, da diese Profile sowohl an HAWs als auch in der Industrie extrem gefragt sind.

In anderen Fächern — etwa Soziale Arbeit, BWL oder Design — ist die Bewerberlage dagegen oft besser, weil die Gehaltsunterschiede zur freien Wirtschaft geringer sind und die HAW-Professur attraktiver erscheint.

Das ideale HAW-Profil

Der perfekte Kandidat für eine HAW-Professur vereint Qualifikationen, die in dieser Kombination selten sind:

  • Promotion in einem relevanten Fachgebiet
  • Mindestens 5 Jahre Berufserfahrung (davon 3 außerhalb der Hochschule), idealerweise in verantwortungsvoller Position
  • Führungserfahrung: Teamleitung, Projektverantwortung, Budgetverantwortung
  • Lehrerfahrung: Lehraufträge, Schulungen, Workshops
  • Angewandte Forschung: Patente, Transferprojekte, Industriekooperationen, anwendungsbezogene Publikationen
  • Industrienetzwerk: Kontakte zu Unternehmen, die für Praxisprojekte, Abschlussarbeiten und Kooperationen relevant sind

Kein Bewerber bringt all diese Qualifikationen in Perfektion mit. Berufungskommissionen gewichten je nach Hochschultyp und ausgeschriebenem Profil unterschiedlich. Aber wer in mindestens vier dieser sechs Bereiche überzeugt, hat realistische Chancen.

Der Lehrauftrag als Sprungbrett

Der wichtigste strategische Schritt auf dem Weg zur HAW-Professur ist der Lehrauftrag. Er dient gleich mehreren Zwecken:

  • Nachweis der pädagogischen Eignung: Ohne Lehrerfahrung ist eine erfolgreiche Bewerbung fast unmöglich.
  • Vorbereitung auf die Probelehrveranstaltung: In Berufungsverfahren an HAWs müssen Sie eine Probelehrveranstaltung vor der Berufungskommission und Studierenden halten. Wer das zum ersten Mal macht, scheitert häufig.
  • Netzwerkaufbau an der Hochschule: Als Lehrbeauftragter lernen Sie das Kollegium kennen und werden bei Neuausschreibungen früh informiert.
  • Realitätscheck: Ein Lehrauftrag zeigt Ihnen, ob Ihnen die Arbeit an einer HAW tatsächlich liegt — 18 SWS sind eine erhebliche Belastung.
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Forschung an HAWs: Mehr als ein Nebenaspekt

Die Rolle der Forschung an HAWs hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Was früher eine reine Lehreinrichtung war, hat sich zu einem eigenständigen Forschungsstandort entwickelt:

  • Promotionsrecht: Immer mehr Bundesländer gewähren forschungsstarken HAWs das Recht, eigenständig Doktoranden zu betreuen und Promotionen durchzuführen. Das Hochschulinnovationsgesetz verankert die Forschung explizit als Aufgabe der HAWs.
  • Forschungsprofessuren: Einige HAWs bieten Professuren mit reduziertem Lehrdeputat (z. B. 9–12 SWS statt 18 SWS) an, die durch Forschungsprojekte oder Zielvereinbarungen finanziert werden.
  • Forschungsdrittmittel: HAWs werben zunehmend BMBF-Mittel, EU-Gelder und Industriedrittmittel ein. Das Bundesförderprogramm „FH-Personal“ modernisiert gezielt die Personalgewinnung an 98 HAWs und fördert Tandemprogramme sowie Talentmanagement.

Tandem-Professur und Qualifizierungsprogramme

Ein innovatives Instrument zur Lösung der Berufungslücke ist die Tandem-Professur. Sie richtet sich an Personen, die zwar promoviert sind, aber noch nicht alle Voraussetzungen für eine volle Professur erfüllen — typischerweise fehlt die außeruniversitäre Berufserfahrung. Bei einer Tandem-Professur arbeiten Sie zu 50 % an der HAW und zu 50 % in einem Unternehmen, um die fehlende Praxiserfahrung zu sammeln.

Die Dauer variiert je nach Bundesland:

  • Bayern und Baden-Württemberg: 3–6 Jahre
  • Hessen, Sachsen, Brandenburg: bis zu 4 Jahre
  • Rheinland-Pfalz und Saarland: maximal 3 Jahre

Darüber hinaus gibt es länderspezifische Programme wie „HannoTalents“ (Hochschule Hannover), „Zukunft FH-PROF“ (HAWK Hildesheim) oder die Programme der bayerischen Landeskonferenz, die gezielt Nachwuchskräfte für HAW-Professuren qualifizieren.

Vergleichstabelle: HAW-Professur vs. Universitätsprofessur

KriteriumHAW-ProfessurUniversitätsprofessur
Habilitation erforderlichNeinMeist ja (oder äquivalent)
Berufserfahrung außerhalb HochschuleMind. 3 JahreNicht erforderlich
Lehrdeputat18 SWS8–9 SWS
BesoldungW2 (teilweise W3)W2 oder W3
ForschungsausstattungBegrenzt, drittmittelabhängigGrundausstattung + Drittmittel
PromotionsrechtZunehmend (kooperativ oder eigenst.)Ja
Durchschnittl. Bewerberzahl10–3050–200
SchwerpunktLehre und angewandte ForschungGrundlagenforschung und Lehre
VerbeamtungJa (Altersgrenze beachten)Ja

Verbeamtung und Altersgrenzen nach Bundesland

HAW-Professoren werden in der Regel als Beamte auf Lebenszeit eingestellt. Allerdings gibt es Altersobergrenzen für die Verbeamtung, die je nach Bundesland unterschiedlich sind. Wer die Altersgrenze überschreitet, wird als Angestellter eingestellt — mit niedrigerem Nettoeinkommen und ohne Beamtenpension.

BundeslandAltersgrenze Verbeamtung
Baden-Württemberg50 Jahre (Ausnahmen möglich)
Bayern52 Jahre
BerlinKeine feste Grenze (Einzelfallprüfung)
Brandenburg50 Jahre
BremenKeine feste Grenze
Hamburg45 Jahre
Hessen50 Jahre
Mecklenburg-VorpommernKeine feste Grenze
Niedersachsen50 Jahre
Nordrhein-Westfalen50 Jahre
Rheinland-Pfalz50 Jahre
Saarland50 Jahre
SachsenKeine feste Grenze
Sachsen-AnhaltKeine feste Grenze
Schleswig-Holstein55 Jahre
ThüringenKeine feste Grenze
Wichtig Die Altersgrenzen werden gelegentlich angepasst, und in vielen Ländern gibt es Ausnahmeregelungen (z. B. bei Kindererziehungszeiten oder besonderer Qualifikation). Prüfen Sie im konkreten Fall immer die aktuelle Rechtslage des jeweiligen Bundeslandes. Hamburg ist mit 45 Jahren besonders restriktiv, während Bayern mit 52 Jahren die höchste feste Altersgrenze hat.

Gehalt: Was verdienen HAW-Professoren?

HAW-Professoren werden nach W2-Besoldung bezahlt, an einigen Hochschulen gibt es auch W3-Stellen. Die Grundgehälter liegen je nach Bundesland und Erfahrungsstufe zwischen rund 6.000 und 8.000 € brutto pro Monat. Hinzu kommen mögliche Leistungsbezüge, Familienzuschlag und gegebenenfalls Zulagen.

Für viele Interessenten aus der Industrie ist das Gehalt der kritische Punkt: Ein Teamleiter bei einem großen Industrieunternehmen verdient in technischen Fächern häufig 100.000–150.000 € und mehr. Warum also auf eine HAW-Professur mit 70.000–95.000 € brutto wechseln? Die Antwort liegt jenseits des Gehalts:

  • Sicherheit: Verbeamtung auf Lebenszeit mit unkündbarem Status und Pension
  • Freiheit: Freiheit von Forschung und Lehre, keine Vorgesetzten im klassischen Sinne
  • Sinnstiftung: Direkte Wirkung auf die nächste Generation von Fachkräften
  • Flexibilität: Vorlesungsfreie Zeiten, Möglichkeit zu Nebentätigkeiten (Beratung, Gutachten)
  • Work-Life-Balance: Planbarer als viele Industriepositionen, trotz hohem Lehrdeputat

Warum HAW nicht „weniger“ ist

Es gibt ein hartnäckiges Vorurteil, das die HAW-Professur als „Professur zweiter Klasse“ abtut. Das ist falsch und zeigt ein grundlegendes Missverständnis. Die HAW-Professur und die Universitätsprofessur sind unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Anforderungen:

  • Ein HAW-Professor muss exzellent lehren können — 18 SWS Lehre pro Semester sind eine enorme Leistung, die didaktische Kompetenz, Belastbarkeit und Begeisterungsfähigkeit verlangt.
  • Ein HAW-Professor muss die Praxis kennen — nicht abstrakt, sondern aus eigener mehrjähriger Erfahrung. Diese Brücke zwischen Theorie und Praxis ist das, was HAW-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt so wettbewerbsfähig macht.
  • Ein HAW-Professor prägt die Ausbildung von über der Hälfte aller Studierenden in Deutschland — mehr als eine Million Menschen studieren an HAWs.

Die HAW-Professur ist nicht weniger, sie ist anders. Und für Menschen, die gerne lehren, Praxisbezug schätzen und nicht zehn Jahre in der Unsicherheit einer Habilitationsphase verbringen möchten, ist sie oft der bessere Weg.

Häufige Fehler auf dem Weg zur HAW-Professur

  • Sich zu spät informieren: Viele erfahren erst mit 45, dass eine HAW-Professur eine Option wäre — und stellen dann fest, dass ihnen Lehrerfahrung oder der richtige Praxiszeitraum fehlt. Beginnen Sie früh mit der Planung.
  • Keinen Lehrauftrag übernehmen: Ohne nachgewiesene Lehrerfahrung werden Sie im Berufungsverfahren nicht überzeugen. Nehmen Sie parallel zu Ihrer Industrietätigkeit einen Lehrauftrag an.
  • Die Probelehrveranstaltung unterschätzen: Die Probelehrveranstaltung ist im HAW-Berufungsverfahren entscheidend. Üben Sie Ihre Präsentation mehrfach, idealerweise vor kritischem Publikum.
  • Sich nur auf Top-Standorte bewerben: Die Konkurrenz an HAWs in München, Hamburg oder Berlin ist deutlich höher als an Standorten in ländlicheren Regionen. Seien Sie flexibel beim Standort.
  • Die Altersgrenze für Verbeamtung ignorieren: Wenn Sie mit 51 berufen werden und das Bundesland eine Altersgrenze von 50 hat, werden Sie nicht verbeamt. Das macht finanziell einen erheblichen Unterschied — prüfen Sie das vorher.
Praxis-Tipp: Ihre persönliche Checkliste Wenn Sie über eine HAW-Professur nachdenken, prüfen Sie diese Punkte:
— Haben Sie eine Promotion (oder steht sie kurz bevor)?
— Haben Sie mindestens 3 Jahre Berufserfahrung außerhalb der Hochschule?
— Haben Sie Lehrerfahrung (Lehrauftrag, Schulungen, Workshops)?
— Können Sie sich vorstellen, 18 SWS pro Semester zu lehren?
— Liegt Ihr Alter unter der Verbeamtungsgrenze Ihres Zielbundeslandes?

Wenn Sie alle Fragen mit Ja beantworten, stehen Ihre Chancen gut — besonders in technischen Fächern, wo qualifizierte Bewerber Mangelware sind.

Häufige Fragen

Welche Voraussetzungen gelten für eine HAW-Professur?

Erforderlich sind eine abgeschlossene Promotion, mindestens fünf Jahre berufliche Praxis (davon mindestens drei Jahre außerhalb der Hochschule), der Nachweis pädagogischer Eignung sowie eine besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der Regel durch die Promotion belegt wird.

Ist für eine HAW-Professur eine Habilitation nötig?

Nein, für die HAW-Professur wird keine Habilitation verlangt, weder formal noch informell; der Weg ist dadurch kürzer und planbarer, verlangt aber den Nachweis erfolgreicher außeruniversitärer Berufserfahrung.

Wie hoch ist das Lehrdeputat an einer HAW?

Das Lehrdeputat liegt bei 18 SWS und damit doppelt so hoch wie an Universitäten mit 8 bis 9 SWS.

Welche Rolle spielt ein Lehrauftrag auf dem Weg zur HAW-Professur?

Der Lehrauftrag dient dem Nachweis der pädagogischen Eignung, der Vorbereitung auf die Probelehrveranstaltung, dem Netzwerkaufbau an der Hochschule und als Realitätscheck für den Lehralltag.

Was verdienen HAW-Professoren?

HAW-Professuren werden nach W2-Besoldung bezahlt, an einigen Hochschulen auch nach W3; die Grundgehälter liegen je nach Bundesland und Erfahrungsstufe zwischen rund 6.000 und 8.000 Euro brutto pro Monat, hinzu kommen mögliche Leistungsbezüge, Familienzuschlag und Zulagen.

Werden HAW-Professoren verbeamtet?

In der Regel werden sie als Beamte auf Lebenszeit eingestellt; es gelten jedoch je nach Bundesland unterschiedliche Altersgrenzen für die Verbeamtung, bei deren Überschreitung eine Anstellung als Angestellter ohne Beamtenpension erfolgt.

Was verdienen HAW-Professoren? W2-Besoldung nach Bundesland berechnen

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