Universitätsprofessur BWL: VHB-Ranking, Publikationsstrategie und Berufungsverfahren

Karriere Professur Aktualisiert: 26. Juni 2026

Die Betriebswirtschaftslehre ist das am stärksten internationalisierte Fach in der deutschen Universitätslandschaft. Nirgendwo sonst orientieren sich Berufungsverfahren so konsequent an internationalen Publikationsstandards, nirgendwo sonst wird die Forschungsleistung so explizit über Journal-Rankings gemessen wie in der BWL. Wer hier eine Professur anstrebt, muss sich früh auf eine Publikationsstrategie festlegen, die sich an den Erwartungen des VHB-JourQual-Rankings und der internationalen FT50-Liste orientiert. Die gute Nachricht: Die BWL bietet mit mehreren tausend Professuren an deutschen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften ein vergleichsweise breites Stellenangebot — allerdings bei gleichzeitig hoher Konkurrenz um die forschungsstarken Standorte.

Das VHB-JourQual-Rating: Die Währung der BWL-Karriere

Das VHB-Rating (früher VHB-JourQual) des Verbands der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft ist das zentrale Bewertungsinstrument für Publikationsleistungen in der deutschsprachigen BWL. Die aktuelle Version — das VHB Rating 2024 — hat das frühere VHB-JourQual3 abgelöst und umfasst 18 Teilrankings, die den 18 Wissenschaftlichen Kommissionen des VHB entsprechen (Marketing, Finance, Organisation, Rechnungswesen, Wirtschaftsinformatik etc.).

Die Bewertungsstufen lauten:

StufeBedeutungBeispiele
A+Herausragendes Journal, weltweit führendJournal of Finance, Journal of Marketing, Management Science
AFührendes Journal des FachgebietsJournal of Consumer Research, Strategic Management Journal, Review of Financial Studies
BWichtiges und anerkanntes JournalJournal of Banking & Finance, Marketing Science, Organization Science
CAnerkanntes JournalViele spezialisierte Fachzeitschriften
DWissenschaftliche ZeitschriftRegionale oder stark spezialisierte Journals

In Berufungsverfahren an forschungsstarken Universitäten gilt als Faustregel: Für einen Ruf auf eine W3-Professur sollten Sie mindestens 3–5 Publikationen in A+/A-Journalen vorweisen können, ergänzt durch weitere B-Publikationen. Für W2-Berufungen oder Standorte mit stärkerem Lehrschwerpunkt genügen teilweise auch 2–3 A-Publikationen plus ein solides B-Portfolio. An kleineren Universitäten und an HAWs spielen VHB-Ratings eine geringere Rolle.

Achtung: VHB ist nicht alles Das VHB-Rating ist ein deutsches Instrument. Wenn Sie sich international positionieren wollen — und das sollten Sie in der BWL — ist die FT50-Liste (Financial Times Top 50 Journals) mindestens ebenso relevant. Sie enthält die 50 Zeitschriften, die für die Business-School-Rankings der Financial Times zählen. Wer in FT50-Journals publiziert, signalisiert internationale Wettbewerbsfähigkeit und wird auch von ausländischen Gutachtern in Berufungsverfahren anerkannt.

Top-Journals nach Teilgebiet

Die BWL ist ein extrem ausdifferenziertes Fach. Jedes Teilgebiet hat seine eigene Journalhierarchie, und Berufungskommissionen erwarten, dass Sie in den für Ihre Denomination relevanten Top-Journals publizieren. Ein Überblick:

TeilgebietTop-Journals (A+/A)Besonderheiten
MarketingJournal of Marketing (JM), Journal of Marketing Research (JMR), Journal of Consumer Research (JCR), Marketing ScienceSehr kompetitiv, experimentelle und quantitative Methoden dominieren
FinanceJournal of Finance (JF), Review of Financial Studies (RFS), Journal of Financial Economics (JFE)Die „Top 3“ gelten weltweit, extrem selektiv
Management / OrganisationAcademy of Management Journal (AMJ), Strategic Management Journal (SMJ), Administrative Science Quarterly (ASQ)Qualitative und Mixed-Methods zunehmend akzeptiert
AccountingThe Accounting Review (AR), Journal of Accounting & Economics (JAE), Journal of Accounting Research (JAR)Stark US-dominiert, empirisch-quantitativ
Operations / SCMManagement Science (MS), Operations Research (OR), Manufacturing & Service Operations Management (MSOM)Mathematisch-modellbasiert, auch algorithmische Arbeiten
WirtschaftsinformatikMIS Quarterly, Information Systems Research, Journal of MISBrückenfach zwischen BWL und Informatik, Design Science verbreitet

Kumulative Habilitation: Der Standard in der BWL

Die Habilitation ist in der BWL nach wie vor ein gängiger Qualifikationsweg, hat sich aber in ihrer Form grundlegend gewandelt. Die klassische Habilitationsschrift als eigenständige Monographie ist in den meisten BWL-Teilgebieten durch die kumulative Habilitation ersetzt worden: Statt eines Buches legen Sie drei bis fünf zusammenhängende Zeitschriftenaufsätze vor, die von der Fakultät als habilitationswürdig bewertet werden.

Die Anforderungen an die kumulative Habilitation variieren erheblich zwischen Fakultäten. An manchen Standorten genügen drei Aufsätze in B-Journals, andere verlangen mindestens einen A+/A-Beitrag. In der Praxis gilt: Je höher die Journalqualität Ihrer kumulativen Habilitation, desto besser sind Ihre Chancen im späteren Berufungsverfahren.

Habilitationsaequivalenz

Immer mehr BWL-Fakultäten akzeptieren eine Habilitationsaequivalenz anstelle einer formalen Habilitation. Das bedeutet: Wer ein hinreichend starkes Publikationsprofil vorweisen kann — typischerweise fünf oder mehr Aufsätze in A+/A/B-Journals — wird als berufungsfähig angesehen, ohne den formalen Habilitationsprozess mit Probevorlesung und Habilitationsschrift durchlaufen zu haben. Dieser Weg ist besonders für Kandidaten interessant, die über eine Juniorprofessur oder einen Auslandsaufenthalt qualifiziert sind.

Juniorprofessur und Tenure Track in der BWL

Die Juniorprofessur mit Tenure Track gewinnt auch in der BWL an Bedeutung. Im Rahmen des Bund-Länder-Tenure-Track-Programms entfiel ein erheblicher Anteil der geförderten Stellen auf Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Juniorprofessur bietet in der BWL einen klaren Vorteil: Frühe Eigenständigkeit in Forschung und Lehre, eigene Doktorandenbetreuung und die Möglichkeit, sich frühzeitig ein eigenes Forschungsprofil aufzubauen.

Allerdings gibt es eine Hürde, die spezifisch für die BWL ist: Die Begutachtungszeiten in den Top-Journals sind lang. Vom Einreichen bis zur Veröffentlichung eines Artikels vergehen in Marketing, Finance oder Management häufig 2–4 Jahre (inklusive Revise & Resubmit). Das bedeutet, dass Sie Artikel, die für Ihre Tenure-Evaluierung zählen sollen, bereits im ersten oder zweiten Jahr Ihrer Juniorprofessur eingereicht haben müssen — am besten noch früher. Wer erst während der Juniorprofessur mit der Forschung beginnt, hat ein ernstes Timing-Problem.

Realistischer Zeitrahmen Wenn Sie im Alter von 32 eine Juniorprofessur mit Tenure Track antreten, brauchen Sie für die Evaluierung nach sechs Jahren (also mit 38) mindestens drei bis vier veröffentlichte oder zur Veröffentlichung angenommene Aufsätze in angesehenen Journals. Da der Begutachtungsprozess allein zwei bis drei Jahre dauern kann, müssen einige dieser Arbeiten bereits aus der Promotionsphase stammen oder unmittelbar danach eingereicht worden sein.

Sprache und Internationalisierung

Englisch ist in der BWL die dominierende Publikationssprache — und das seit Jahrzehnten. Deutschsprachige Zeitschriften wie die Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB) oder Die Betriebswirtschaft (DBW) spielen für Berufungsverfahren an forschungsstarken Universitäten kaum noch eine Rolle. Berufungskommissionen erwarten, dass Ihre Forschung im internationalen Diskurs sichtbar ist, und das bedeutet: englischsprachige Publikationen in referierten Journals mit internationaler Leserschaft.

Zur Internationalisierung gehören auch:

  • Internationale Konferenzen: Die Academy of Management Annual Meeting (AOM), die Strategic Management Society Conference (SMS), das INFORMS Annual Meeting oder die European Finance Association Conference gehören zu den Pflichtveranstaltungen. Hier präsentieren Sie Ihre Forschung, vernetzen sich und werden von potenziellen Gutachtern wahrgenommen.
  • Forschungsaufenthalte im Ausland: Ein Aufenthalt von mindestens sechs Monaten, besser ein bis zwei Jahren, an einer angesehenen Business School im Ausland ist für Berufungen an Top-Universitäten praktisch verpflichtend. Beliebte Ziele sind US-Business-Schools (Wharton, Kellogg, Booth, MIT Sloan), das INSEAD in Fontainebleau/Singapur, die London Business School oder die Rotterdam School of Management.
  • Internationale Co-Autoren: Gemeinschaftspublikationen mit Forschern an ausländischen Universitäten zeigen, dass Sie international vernetzt sind.
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Rankings und Sichtbarkeit: Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Neben dem VHB-Rating spielen zwei Forschungsrankings eine besondere Rolle in der deutschen BWL:

  • Handelsblatt-BWL-Ranking: Erstellt von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, misst es die Publikationsleistung aller BWL-Professorinnen und -Professoren im deutschsprachigen Raum anhand gewichteter Zeitschriftenpublikationen. Das Ranking wird von Berufungskommissionen regelmäßig konsultiert und dient als schnelle Orientierungshilfe bei der Vorauswahl von Bewerbungen.
  • WirtschaftsWoche-Ranking: Ähnlich aufgebaut, mit leicht unterschiedlicher Methodik. Die Universität Mannheim, die TU München, die LMU München, die Universität Köln und die Universität Hamburg gehören regelmäßig zu den forschungsstärksten BWL-Fakultäten in Deutschland.

Für Nachwuchswissenschaftler bedeutet das: Ihre Position in diesen Rankings wird ab dem Moment relevant, in dem Sie Ihre ersten Publikationen haben. Berufungskommissionen schauen nicht nur auf die absolute Zahl der Publikationen, sondern auch auf deren Gewichtung im Ranking — ein einzelner A+-Artikel wiegt mehr als fünf C-Artikel.

Forschungsstarke vs. lehrorientierte Universitäten

Ein wesentlicher Unterschied, den viele Nachwuchswissenschaftler in der BWL unterschätzen: Nicht alle BWL-Fakultäten in Deutschland sind gleich. Es gibt eine klare Hierarchie zwischen forschungsstarken Standorten und Universitäten mit stärkerem Lehrschwerpunkt:

  • Forschungsstarke Standorte (z. B. Mannheim, LMU München, TU München, Köln, Frankfurt, Bonn) erwarten ein internationales Publikationsprofil mit A+/A-Journalen, Auslandsaufenthalte und Drittmitteleinwerbung. Das Lehrdeputat liegt bei 8–9 SWS, und die Ausstattung (Mitarbeiterstellen, Sachmittel) ist vergleichsweise gut.
  • Lehrorientierte Standorte (kleinere Universitäten, oft in strukturschwachen Regionen) akzeptieren auch schwächere Publikationsprofile, legen aber mehr Wert auf Lehrerfahrung, Praxisbezug und die Bereitschaft, sich in der akademischen Selbstverwaltung zu engagieren. Die Ausstattung ist oft bescheidener, dafür sind die Chancen auf eine Berufung höher, weil die Zahl der Bewerbungen pro Stelle geringer ist.

Quantitative vs. qualitative Forschung: Karriereimplikationen

In der BWL gibt es einen methodischen Graben, der erhebliche Karrierekonsequenzen hat. Quantitative Forscher — also solche, die mit großen Datensätzen, Experimenten, ökonometrischen Modellen oder Simulationen arbeiten — haben es in Berufungsverfahren tendenziell leichter als qualitative Forscher (Fallstudien, Ethnografien, hermeneutische Ansätze). Das liegt nicht daran, dass qualitative Forschung weniger wertvoll wäre, sondern daran, dass die meisten Top-Journals in der BWL quantitative Arbeiten bevorzugen und die Bewertungssysteme (VHB, Handelsblatt) auf Zeitschriftenpublikationen ausgerichtet sind, in denen quantitative Arbeiten dominieren.

Qualitative Forscher können in bestimmten Teilgebieten (Management, Organisation, Entrepreneurship) dennoch erfolgreich sein, wenn sie in Journals wie Administrative Science Quarterly, Academy of Management Journal oder Organization Studies publizieren, die auch qualitative Arbeiten akzeptieren. Insgesamt ist die Karriereplanung für qualitative BWL-Forscher aber anspruchsvoller.

Data Science und Analytics: Das wachsende Feld

Die Digitalisierung hat die BWL-Forschung grundlegend verändert. In nahezu allen Teilgebieten gewinnen datengetriebene Methoden an Bedeutung: Machine Learning für Marketinganalysen, Natural Language Processing für die Auswertung von Geschäftsberichten, Netzwerkanalysen in der Organisationsforschung, algorithmisches Trading in Finance. Universitäten schaffen zunehmend Professuren an der Schnittstelle von BWL und Datenwissenschaft — etwa für „Business Analytics“, „Digital Marketing“ oder „Computational Finance“. Für Nachwuchswissenschaftler mit starken methodischen Fähigkeiten in Programmierung, Machine Learning und Statistik eröffnen sich hier überdurchschnittlich gute Berufungschancen, weil die Nachfrage nach diesen Profilen das Angebot übersteigt.

Was Berufungskommissionen in der BWL zuerst anschauen

Die Praxis in BWL-Berufungsverfahren ist vergleichsweise standardisiert:

  1. Publikationsliste: Wie viele A+/A/B-Publikationen? In welchen Journals? Welche Journals passen zur ausgeschriebenen Denomination? Eine einzige Publikation im Journal of Finance wiegt für eine Finance-Professur mehr als zehn Aufsätze in C-Journals.
  2. Handelsblatt-/WirtschaftsWoche-Ranking: Viele Kommissionsmitglieder schauen zuerst nach, wo der Bewerber im Ranking steht. Das ist nicht fair, aber Realität.
  3. Drittmittel: DFG-Projekte, EU-Förderung oder Stiftungsmittel zeigen Forschungsfähigkeit jenseits der Publikationen.
  4. Thematische Passung: Passt das Forschungsprofil zur ausgeschriebenen Denomination? Berufungskommissionen suchen jemanden, der ein bestimmtes Lehr- und Forschungsgebiet abdecken kann.
  5. Lehrerfahrung und Lehrkonzept: Wird geprüft, steht aber selten an erster Stelle.
  6. Externe Gutachten: Für die Listenkandidaten werden in der Regel drei bis vier Gutachten eingeholt, oft von renommierten Professoren aus dem In- und Ausland.
Listenplätze in der BWL Die Berufungsliste enthält typischerweise drei Plätze. Platz 1 (primo loco) erhält zuerst den Ruf. Lehnt diese Person ab, kommt Platz 2 zum Zuge, dann Platz 3. In der BWL kommt es häufiger als in anderen Fächern vor, dass Listenplatz 1 ablehnt — etwa weil ein Gegenangebot der aktuellen Universität (Bleibeverhandlung) oder ein Ruf von einem prestigeächtigeren Standort vorliegt. Für Bewerber bedeutet das: Auch Listenplatz 2 oder 3 ist keine Niederlage, sondern eine realistische Chance.

Typischer Zeitplan: Vom Studium zur BWL-Professur

PhaseDauerKumuliertes Alter (ca.)
Studium (Bachelor + Master)5–6 Jahre23–25
Promotion (strukturiert oder Lehrstuhl)3–5 Jahre26–30
Postdoc / Habilitation / Juniorprofessur3–6 Jahre29–36
Ggf. weitere Postdoc-Phase oder Ausland1–3 Jahre30–39
Erster Ruf (W2 oder W3)33–42

Im Vergleich zu den MINT-Fächern dauert die Qualifikationsphase in der BWL tendenziell etwas länger, vor allem wegen der langen Begutachtungszeiten bei Top-Journals. Andererseits sind BWL-Professoren bei Erstberufung deutlich jünger als Kollegen in den Geisteswissenschaften, wo die Habilitation als Monographie häufig zehn Jahre und mehr in Anspruch nimmt.

Drittmittel in der BWL

Die Drittmittelerwartungen in der BWL sind geringer als in den MINT-Fächern, aber keineswegs vernachlässigbar. Berufungskommissionen an forschungsstarken Standorten erwarten in der Regel mindestens einen eigenständig eingeworbenen DFG-Antrag (Sachbeihilfe oder Teilprojekt in einem Schwerpunktprogramm). Die typischen Drittmittelquellen in der BWL:

  • DFG-Sachbeihilfe: Der Standardnachweis. Besonders positiv bewertet, wenn Sie als Hauptantragsteller auftreten.
  • DFG-Schwerpunktprogramme und SFBs: Zeigen Vernetzungskompetenz.
  • EU-Projekte (Horizon Europe): Seltener in der BWL als in MINT, aber zunehmend möglich, insbesondere in der Wirtschaftsinformatik oder im Operations Research.
  • Stiftungsförderung: VolkswagenStiftung, Fritz Thyssen Stiftung, Gerda Henkel Stiftung fördern auch BWL-nahe Projekte.
  • Industrie- und Praxiskooperationen: Drittmittel von Unternehmen oder Unternehmensberatungen werden akzeptiert, stehen aber im Prestige hinter öffentlichen Fördermitteln zurück.

Häufige Fehler auf dem Weg zur BWL-Professur

  • Nur in deutschsprachigen Journals publizieren: Wer ausschließlich in ZfB, BFuP oder DBW veröffentlicht, wird an forschungsstarken Standorten nicht berücksichtigt.
  • Zu breite Forschungsagenda: Berufungskommissionen suchen Spezialisten, keine Generalisten. Ein klares, fokussiertes Forschungsprofil ist essenziell.
  • Die Lehrstuhlkultur unterschätzen: In der BWL ist die Promotion am Lehrstuhl nach wie vor verbreitet. Die Wahl des Doktorvaters/der Doktormutter bestimmt Ihr Netzwerk, Ihre methodische Ausrichtung und Ihre Publikationschancen erheblich. Wählen Sie Ihren Lehrstuhl sorgfältig.
  • Zeitmanagement bei Journal-Submissions: Ein eingereichter Artikel ist kein veröffentlichter Artikel. Planen Sie zwei bis vier Jahre Begutachtungszeit ein und reichen Sie früh ein.
  • Netzwerken vernachlässigen: In der BWL sind Konferenzen nicht nur für den Lebenslauf wichtig. Hier werden die Kontakte geknüpft, die später zu Co-Autorschaften, Gutachtenaufträgen und Berufungsempfehlungen führen.

Häufige Fragen

Was ist das VHB-Rating?

Das VHB-Rating (früher VHB-JourQual) ist das zentrale Bewertungsinstrument für Publikationsleistungen in der deutschsprachigen BWL. Die aktuelle Version, das VHB Rating 2024, hat das frühere VHB-JourQual3 abgelöst und umfasst 18 Teilrankings.

Was bedeutet die kumulative Habilitation in der BWL?

In den meisten BWL-Teilgebieten ist die klassische Habilitationsschrift als Monographie durch die kumulative Habilitation ersetzt worden: Statt eines Buches werden drei bis fünf zusammenhängende Zeitschriftenaufsätze vorgelegt, die von der Fakultät als habilitationswürdig bewertet werden.

Welche Rolle spielt die Publikationssprache in der BWL?

Englisch ist in der BWL seit Jahrzehnten die dominierende Publikationssprache. Deutschsprachige Zeitschriften wie die ZfB oder die DBW spielen für Berufungsverfahren an forschungsstarken Universitäten kaum noch eine Rolle.

Worin unterscheiden sich forschungsstarke und lehrorientierte Universitäten?

Forschungsstarke Standorte erwarten ein internationales Publikationsprofil mit A+/A-Journalen, Auslandsaufenthalte und Drittmitteleinwerbung. Lehrorientierte Standorte akzeptieren auch schwächere Publikationsprofile und legen mehr Wert auf Lehrerfahrung, Praxisbezug und Engagement in der akademischen Selbstverwaltung.

Was ist eine Habilitationsaequivalenz?

Immer mehr BWL-Fakultäten akzeptieren eine Habilitationsaequivalenz anstelle einer formalen Habilitation. Wer ein hinreichend starkes Publikationsprofil vorweisen kann — typischerweise fünf oder mehr Aufsätze in A+/A/B-Journals — wird als berufungsfähig angesehen, ohne den formalen Habilitationsprozess durchlaufen zu haben.

Was schauen sich Berufungskommissionen in der BWL zuerst an?

Die Praxis ist vergleichsweise standardisiert: Betrachtet werden unter anderem die Publikationsliste, die Position im Handelsblatt- oder WirtschaftsWoche-Ranking, Drittmittel, die thematische Passung zur Denomination sowie Lehrerfahrung und externe Gutachten.

Praxis-Tipp: Der erste Schritt Wenn Sie über eine BWL-Professur nachdenken, beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Haben Sie ein Thema, zu dem Sie drei bis fünf Artikel in A+/A-Journals publizieren können? Haben Sie Zugang zu Daten oder Methoden, die diese Publikationen ermöglichen? Haben Sie einen Doktorvater oder eine Doktormutter, der/die in diesen Journals publiziert und Sie dorthin führen kann? Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, ist eine akademische Karriere in der BWL realistisch. Wenn nicht, sollten Sie überlegen, ob eine HAW-Professur oder eine Karriere außerhalb der Universität der bessere Weg für Sie ist.
Quellen und Arbeitsstand Stand: 26. Juni 2026. Fachspezifische Statistiken sind auf Ebene der herausgebenden Institutionen belegt; konkrete Einzelwerte sind dort tagesaktuell zu prüfen. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Orientierung und ersetzt keine individuelle Karriereberatung.

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