Wie werde ich Professor? Der Weg zur Professur in Deutschland

Karriere Professur Aktualisiert: 26. Juni 2026

Eine Professur gehört zu den begehrtesten und zugleich schwierigsten Karrierezielen im deutschen Bildungssystem. Nur mehrere zehntausend Professorinnen und Professoren lehren und forschen an deutschen Hochschulen — gemessen an der Gesamtbevölkerung eine verschwindend kleine Gruppe (Zahlen: Statistisches Bundesamt). Wer diesen Weg einschlagen will, braucht nicht nur fachliche Exzellenz, sondern auch strategisches Denken, Durchhaltevermögen und eine realistische Einschätzung der eigenen Chancen.

Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick über die verschiedenen Wege zur Professur. Er richtet sich an Promovierende und Postdocs, die ernsthaft über eine akademische Karriere nachdenken, und erklärt schonungslos, was Sie erwartet — zeitlich, finanziell und persönlich.

Praxis-Gastbeitrag & Tipps
Wie wird man Professor für Wirtschaftspsychologie an einer HAW in Bayern? — Prof. Dr. Tobias Nickel erklärt aus der Praxis die Voraussetzungen (BayHIG), passende Hochschulen und das Berufungsverfahren.

Die Grundentscheidung: Universität oder Hochschule für angewandte Wissenschaften?

Bevor Sie sich in Details vertiefen, steht eine fundamentale Weichenstellung an: Wollen Sie an eine Universität oder an eine Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW, früher Fachhochschule)? Diese beiden Hochschultypen unterscheiden sich grundlegend in ihren Anforderungen, im Arbeitsalltag und im Karriereweg dorthin.

Die Universitätsprofessur

An Universitäten steht die Forschung im Zentrum. Das Lehrdeputat liegt typischerweise bei 8 bis 9 Semesterwochenstunden (SWS), was verglichen mit anderen Ländern moderat ist und bewusst Raum für Forschung lässt. Der klassische Qualifikationsweg führt über die Promotion, eine mehrjährige Postdoc-Phase und in vielen Fächern über die Habilitation oder eine Juniorprofessur. Vom Studienbeginn bis zum ersten Ruf vergehen in der Regel weit über zehn Jahre — nicht selten mehr.

Universitätsprofessuren werden überwiegend nach W3 besoldet, in einigen Fächern auch nach W2. Die Grundgehälter (Stufe 1) liegen je nach Bundesland bei rund 6.000–7.500 Euro (W2) bzw. 7.250–8.450 Euro (W3) — Details unter Gehalt Professoren; hinzu kommen Leistungsbezüge, die das Gehalt erheblich aufstocken können.

Die HAW-Professur

Hochschulen für angewandte Wissenschaften setzen einen gänzlich anderen Schwerpunkt. Mit 18 SWS Lehrdeputat — also dem Doppelten einer Universität — ist der Alltag primär durch Lehre geprägt. Die zentrale Zugangsvoraussetzung neben der Promotion ist eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung außerhalb der Hochschule, davon mindestens drei Jahre außerhalb des akademischen Betriebs. Eine Habilitation ist nicht erforderlich.

HAW-Professuren werden in der Regel nach W2 besoldet. Die Besoldung ist damit niedriger als bei W3, allerdings kommen viele Berufene aus Positionen in der Wirtschaft, in denen sie deutlich mehr verdient haben — die Motivation liegt hier häufig in der Sinnhaftigkeit der Lehrtätigkeit und der Arbeitsplatzsicherheit als Beamter auf Lebenszeit.

Wussten Sie? Die HAW haben zunehmend Schwierigkeiten, Professuren zu besetzen. In technischen Fächern wie Informatik oder Maschinenbau bleiben Ausschreibungen teilweise über mehrere Runden ohne geeignete Bewerbungen, weil die Gehaltsunterschiede zur Industrie zu groß sind. In den Sozialwissenschaften hingegen gibt es regelmäßig 80 bis 150 Bewerbungen pro Stelle.

Was immer gilt: Die universellen Voraussetzungen

Unabhängig davon, ob Sie eine Uni- oder HAW-Professur anstreben, gibt es Anforderungen, die überall gelten:

  • Promotion: Ohne Doktortitel geht gar nichts. Die Promotion ist die absolute Mindestvoraussetzung für jede Professur in Deutschland. Dabei zählt zunehmend auch die Qualität: An Universitäten wird oft ein magna cum laude oder besser erwartet, an HAW ist das formale Prädikat weniger entscheidend.
  • Pädagogische Eignung: Alle Hochschulgesetze der Länder verlangen den Nachweis pädagogischer Eignung. Was das konkret bedeutet, variiert: An Universitäten reichen oft Lehrveranstaltungen während der Postdoc-Phase, an HAW wird teilweise ein hochschuldidaktisches Zertifikat erwartet.
  • Probelehrveranstaltung: Im Berufungsverfahren müssen Kandidaten typischerweise eine Lehrprobe vor der Berufungskommission und Studierenden halten. Das ist kein Formalakt — mangelnde Lehrkompetenz kann an dieser Stelle eine ansonsten starke Bewerbung zunichtemachen.
  • Hausberufungsverbot: In den meisten Bundesländern dürfen Hochschulen keine Kandidaten berufen, die unmittelbar vor der Berufung an derselben Einrichtung tätig waren. Die Regelungen variieren, aber die Grundidee ist klar: Professuren sollen im offenen Wettbewerb vergeben werden, nicht an den hauseigenen Nachwuchs.

Die Professur in Zahlen: Aktuelle Statistiken

Um die Chancen realistisch einzuschätzen, helfen einige Kennzahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs:

KennzahlWertQuelle / Anmerkung
Professorinnen und Professoren insgesamtmehrere zehntausendStatistisches Bundesamt 2024
Davon an UniversitätenMehrheitInkl. Kunst- und Musikhochschulen
Davon an HAWwachsender AnteilTendenz steigend
Neuberufungen pro Jahrmehrere tausend/JahrInkl. Nachbesetzungen und neue Stellen
Durchschnittsalter bei Erstberufung (Uni)Anfang 40Frauen durchschnittlich etwas jünger
Durchschnittsalter bei Erstberufung (HAW)Mitte 40Bedingt durch Berufspraxisanforderung
Frauenanteil an Professurensteigendnoch weit von Parität entfernt (Statistisches Bundesamt)
Bewerbungen pro Uni-ProfessurvieleStark fachabhängig
Bewerbungen pro HAW-Professurstark schwankendTechnische Fächer oft unter 20
Erfolgsquote Postdoc → ProfessurMinderheitstark fachabhängig (Schätzung BuWiN)
Die ehrliche Rechnung Von allen Promovierenden, die eine Universitätsprofessur anstreben, erreicht nur eine kleine Minderheit dieses Ziel — in manchen geisteswissenschaftlichen Fächern ist die Chance noch geringer (Größenordnung: Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs). Das bedeutet nicht, dass der Versuch sinnlos ist — aber es bedeutet, dass Sie immer einen Plan B haben sollten. Wer mit Mitte 30 habilitiert ist und keinen Ruf erhält, steht vor einer schwierigen beruflichen Neuorientierung.

Die Wege im Vergleich: Universität vs. HAW

KriteriumUniversitätsprofessurHAW-Professur
SchwerpunktForschung und LehreLehre mit angewandter Forschung
Lehrdeputat8–9 SWS18 SWS
Promotion erforderlich?Ja, in der Regel mit AuszeichnungJa
Habilitation erforderlich?Fachabhängig, oft jaNein
Berufserfahrung außerhalb HochschuleNicht formal erforderlichMindestens 5 Jahre, davon 3 außerhalb Hochschule
Typische Qualifikationsdauerüber zehn Jahrerund zehn Jahre
BesoldungW2 oder W3W2 (selten W3)
VerbeamtungÜberwiegend jaÜberwiegend ja
DrittmittelerwartungHoch (oft entscheidend für Karriere)Gering bis moderat
PersonalführungArbeitsgruppe mit Doktoranden und PostdocsKaum eigenes Personal
WettbewerbSehr hochFachabhängig, teils niedrig
Deutschlands Stellenbörse für die Wissenschaft
Offene Stellen
7.409
Zu den Stellen
Stellen für Wiss. Mitarbeiter,
Doktoranden und Postdocs
1.950
Wiss. Mitarbeiter
Professuren
534
Professuren

Der Weg im Detail: Fachspezifische Besonderheiten

Die konkreten Anforderungen an eine Professur unterscheiden sich erheblich zwischen den Fachkulturen. Eine juristische Fakultät erwartet andere Qualifikationen als ein medizinischer Fachbereich, und die Chancen variieren je nach Fach dramatisch. In den folgenden Unterseiten erklären wir fachspezifisch, was Sie mitbringen müssen, wie der typische Zeitplan aussieht und wo die größten Fallstricke liegen.

Das Berufungsverfahren: Vom Antrag bis zum Ruf

Unabhängig vom Fach durchlaufen alle Kandidaten ein Berufungsverfahren, das in Deutschland strengen Regeln folgt. Der typische Ablauf umfasst die Ausschreibung der Stelle, die Sichtung der Bewerbungen durch eine Berufungskommission, externe Gutachten, Probevorträge, die Erstellung einer Berufungsliste (Dreier- oder Vierer-Liste) und die anschließende Berufungsverhandlung mit der Hochschulleitung.

Dieser Prozess dauert typischerweise 12 bis 18 Monate — manchmal deutlich länger. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zwischen der Ausschreibung einer Stelle und dem tatsächlichen Dienstantritt zwei Jahre vergehen. Für Kandidaten bedeutet das: Sie müssen oft mehrere Verfahren parallel laufen haben und mit Absagen rechnen. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie sich auf 20 bis 40 Stellen beworben haben, bevor der erste Ruf kam.

Tipp: Das Listenplatz-Paradox Auf einer Berufungsliste zu stehen, ist bereits ein Erfolg — selbst auf Platz 3. Denn Erstplatzierte lehnen Rufe regelmäßig ab oder nutzen sie für Bleibeverhandlungen an ihrer aktuellen Hochschule. Statistisch erhält ein erheblicher Anteil der Zweit- und Drittplatzierten am Ende den Ruf. Allerdings sollten Sie daraus keine falschen Hoffnungen ableiten: Auf der Liste zu stehen bedeutet nicht automatisch, den Ruf zu erhalten.

Gehalt und finanzielle Perspektiven

Professorinnen und Professoren werden in Deutschland nach der W-Besoldung bezahlt. Das Grundgehalt (Stufe 1) liegt je nach Bundesland bei rund 6.000–7.500 Euro (W2) bzw. 7.250–8.450 Euro (W3); die aktuellen Landeswerte stehen unter Gehalt Professoren und W2/W3-Besoldung. Hinzu kommen Leistungsbezüge für besondere Forschungsleistungen, Drittmitteleinwerbung oder besonderes Engagement in der Lehre.

In der Medizin und im juristischen Bereich können die Gesamtbezüge durch Nebentätigkeiten (Gutachten, Privatliquidation) deutlich höher liegen. In anderen Fächern bleibt das Professorengehalt hinter dem zurück, was vergleichbar qualifizierte Fachkräfte in der Privatwirtschaft verdienen — besonders in den MINT-Fächern und in BWL.

Nutzen Sie unseren Gehaltsrechner, um die konkreten Bezüge nach Bundesland und Besoldungsgruppe zu berechnen.

Die Schattenseiten ehrlich betrachtet

Es wäre unseriös, nur die Sonnenseiten zu beschreiben. Wer eine Professur anstrebt, sollte die folgenden Punkte nüchtern in die Entscheidung einbeziehen:

  • Jahrelange Unsicherheit: Die Qualifikationsphase bis zur Professur findet fast ausschließlich auf befristeten Stellen statt. Viele Postdocs hangeln sich von Zweijahresvertrag zu Zweijahresvertrag. Das WissZeitVG begrenzt die Befristung nach der Promotion auf sechs Jahre (in der Medizin neun) — danach muss entweder eine Dauerstelle oder der Ausstieg folgen.
  • Ortsbindung kaum möglich: Das Hausberufungsverbot und die geringe Zahl an Stellen bedeuten, dass Sie bereit sein müssen, für eine Professur umzuziehen — möglicherweise mehrfach. Für Familien mit zwei berufstätigen Partnern ist das eine erhebliche Belastung.
  • Keine Garantie trotz Qualifikation: Selbst eine abgeschlossene Habilitation garantiert keine Professur. In den Geisteswissenschaften und in Jura gibt es deutlich mehr Habilitierte als freie Stellen. Die Konsequenz: Manche hochqualifizierten Wissenschaftler landen dauerhaft in der Privatdozentur ohne feste Anstellung.
  • Späte Karrieresicherheit: Wer mit 42 erstmals berufen wird, hat vielleicht 20 Jahre finanzieller Unsicherheit hinter sich. Die Beamtenpension ist attraktiv, aber die Beitragsjahre zur gesetzlichen Rentenversicherung sind oft lückenhaft.

Alternativen und Parallelwege

Nicht jeder muss den klassischen Weg gehen. Es gibt mehrere alternative Karrierepfade:

  • Juniorprofessur mit Tenure Track: Das seit 2017 mit Bundesmitteln geförderte Programm hat zahlreiche Tenure-Track-Stellen geschaffen. Hier erhalten Sie frühzeitig eine unabhängige Position mit klarer Perspektive auf eine Lebenszeitprofessur — vorausgesetzt, Sie bestehen die Zwischenevaluation.
  • Nachwuchsgruppenleitung: Programme wie Emmy Noether oder Heisenberg der DFG bieten eine eigenständige Forschungsfinanzierung und gelten als starke Qualifikation für eine Berufung.
  • Industrieforschung und Rückkehr: In technischen Fächern kann ein Umweg über die Industrie die Chancen auf eine HAW-Professur verbessern — und hält gleichzeitig eine attraktive Rückfalloption offen.
Der Frauenanteil steigt — langsam Der Anteil von Professorinnen ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen, liegt aber weiter unter der Parität (Statistisches Bundesamt). Fächer wie die Erziehungswissenschaften haben einen überdurchschnittlichen Frauenanteil, Ingenieurwissenschaften und Informatik einen besonders niedrigen. Viele Hochschulen geben bei gleicher Qualifikation Frauen den Vorzug — ein Faktor, den Bewerberinnen kennen sollten.

Praktische Empfehlungen

Wenn Sie ernsthaft eine Professur anstreben, hier einige Empfehlungen aus der Praxis:

  1. Frühzeitig publizieren: In nahezu allen Fächern sind Publikationen die Währung der Wissenschaft. Beginnen Sie bereits während der Promotion damit, eigenständig zu veröffentlichen — nicht nur als Co-Autor.
  2. Lehrerfahrung sammeln: Nutzen Sie jede Gelegenheit, eigenständig zu lehren. Berufungskommissionen achten zunehmend auf die Lehrqualität.
  3. Netzwerk aufbauen: Besuchen Sie Konferenzen, nehmen Sie Gastdozenturen wahr, pflegen Sie Kontakte. Berufungsverfahren sind formaler als in anderen Ländern, aber informelle Netzwerke spielen dennoch eine erhebliche Rolle.
  4. Drittmittel einwerben: Eigenständig eingeworbene Forschungsmittel — besonders bei der DFG — sind ein starkes Signal wissenschaftlicher Selbstständigkeit.
  5. International sichtbar werden: Auslandsaufenthalte und internationale Publikationen werden in praktisch allen Berufungsverfahren erwartet.
  6. Plan B haben: Identifizieren Sie realistische Alternativen außerhalb der Professur. Das ist keine Schwäche, sondern professionelle Lebensplanung.

Häufige Fragen

Welche Voraussetzungen gelten für jede Professur in Deutschland?

Unabhängig vom Hochschultyp verlangen alle Wege eine Promotion, den Nachweis pädagogischer Eignung sowie in der Regel eine Probelehrveranstaltung im Berufungsverfahren; in den meisten Bundesländern gilt zudem ein Hausberufungsverbot.

Worin unterscheiden sich Universitäts- und HAW-Professur?

An Universitäten steht die Forschung im Zentrum, das Lehrdeputat liegt bei 8 bis 9 SWS und in vielen Fächern wird eine Habilitation erwartet. HAW-Professuren haben ein Lehrdeputat von 18 SWS und setzen statt einer Habilitation mindestens fünf Jahre Berufserfahrung außerhalb der Hochschule voraus, davon mindestens drei Jahre außerhalb des akademischen Betriebs.

Wie läuft ein Berufungsverfahren ab?

Es umfasst typischerweise die Ausschreibung der Stelle, die Sichtung der Bewerbungen durch eine Berufungskommission, externe Gutachten, Probevorträge, die Erstellung einer Berufungsliste und die anschließende Berufungsverhandlung mit der Hochschulleitung; der Prozess dauert in der Regel 12 bis 18 Monate.

Nach welcher Besoldung werden Professorinnen und Professoren bezahlt?

Sie werden nach der W-Besoldung bezahlt; das Grundgehalt der Stufe 1 liegt je nach Bundesland bei rund 6.000 bis 7.500 Euro (W2) bzw. 7.250 bis 8.450 Euro (W3), hinzu kommen Leistungsbezüge.

Welche Alternativen zum klassischen Weg gibt es?

Zu den alternativen Pfaden zählen die Juniorprofessur mit Tenure Track, die Leitung einer Nachwuchsgruppe etwa über das Emmy-Noether- oder Heisenberg-Programm der DFG sowie in technischen Fächern ein Umweg über die Industrie als Vorbereitung auf eine HAW-Professur.

Quellen und Arbeitsstand Stand: 26. Juni 2026. Statistik qualitativ (Issuer-Ebene). Keine Rechts-/Karriereberatung.