HAW-Professur vs. Uni-Professur: Alle Unterschiede im Vergleich

Karriere Professur Aktualisiert: 28. Juni 2026

Die Wahl zwischen einer Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW, ehem. Fachhochschule) und einer Universitätsprofessur ist eine der wichtigsten Karriereentscheidungen im akademischen Bereich. Beide Wege führen zum Professorentitel, unterscheiden sich aber grundlegend in Anforderungen, Aufgaben und Rahmenbedingungen.

Voraussetzungen im Vergleich

HAW-Professur

  • Promotion (keine Habilitation erforderlich)
  • Mindestens 5 Jahre Berufserfahrung außerhalb der Hochschule, davon mindestens 3 Jahre außerhalb des Hochschulbereichs (sog. Praxiserfahrung)
  • Pädagogische Eignung (oft durch Lehraufträge nachzuweisen)
  • Besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit (i.d.R. durch die Promotion belegt)

Uni-Professur

  • Promotion
  • Habilitation oder habilitationsäquivalente Leistungen (Juniorprofessur, Nachwuchsgruppenleitung, umfangreiche Publikationsliste)
  • Pädagogische Eignung
  • Herausragende wissenschaftliche Leistungen, dokumentiert durch internationale Publikationen
  • Berufserfahrung außerhalb der Hochschule ist erwünscht, aber keine formale Voraussetzung
Kernunterschied: Die HAW-Professur setzt Praxiserfahrung voraus, die Uni-Professur verlangt exzellente Forschungsleistungen (typischerweise Habilitation). Wer direkt nach der Promotion in die Industrie geht, qualifiziert sich eher für die HAW; wer an der Universität bleibt und forscht, zielt auf die Uni-Professur.

Lehrdeputat

Der auffälligste Unterschied im Arbeitsalltag ist die Lehrverpflichtung:

HochschultypLehrdeputatEntspricht ca.
HAW / FH18 SWS9 Veranstaltungen pro Woche
Universität8–9 SWS4–5 Veranstaltungen pro Woche

SWS steht für Semesterwochenstunden. Eine SWS entspricht 45 Minuten Lehre pro Woche während der Vorlesungszeit. Das HAW-Deputat ist also mehr als doppelt so hoch wie an Universitäten.

Ermäßigungen möglich: An HAWs kann das Lehrdeputat bei Übernahme von Forschungsprojekten, Selbstverwaltungsaufgaben oder Gleichstellungsarbeit auf bis zu 12–14 SWS reduziert werden. An Universitäten gibt es ähnliche Reduktionen, z. B. durch DFG-Projekte oder Forschungsfreisemester.

Forschung und Promotionsrecht

An der HAW

  • Forschung ist erwünscht, aber nicht die Hauptaufgabe
  • Fokus auf angewandte Forschung und Transferprojekte
  • Geringere Grundausstattung (oft keine eigenen Mitarbeiterstellen)
  • Drittmittel müssen aktiv eingeworben werden, häufig aus BMBF, Industrie oder HAW-Förderprogrammen
  • Promotionsrecht landesabhängig: häufig kooperative Promotionen, in mehreren Ländern inzwischen auch eigenständige oder hochschulübergreifende Promotionsrechte

An der Universität

  • Forschung ist Kernaufgabe neben der Lehre
  • Grundausstattung mit Mitarbeiterstellen (je nach Fach 1–5 Stellen)
  • Zugang zu DFG, ERC und großen Forschungsverbünden
  • Promotionsberechtigung als Erstgutachter
  • Erwartung: regelmäßige Publikationen in internationalen Fachzeitschriften

Gehalt: W2 vs. W3

HAW-Professuren werden in der Regel nach W2 besoldet, Universitätsprofessuren nach W3. Der Unterschied beim Grundgehalt beträgt rund 1.000–1.200 € monatlich. Hinzu kommen unterschiedlich hohe Leistungsbezüge.

GehaltsbestandteilHAW (W2)Uni (W3)
Grundgehalt (Schnitt)~6.250 €~7.400 €
Leistungsbezüge (Schnitt)~850 €~1.600 €
Brutto gesamt (Schnitt)~7.100 €~9.000 €

Karrierewege

Weg zur HAW-Professur

  1. Studium und Promotion
  2. Berufstätigkeit außerhalb der Hochschule (mindestens 5 Jahre, davon 3 außerhalb der Wissenschaft)
  3. Lehraufträge an einer HAW (empfohlen, nicht zwingend)
  4. Bewerbung auf ausgeschriebene HAW-Professuren
  5. Berufungsverfahren mit Probelehrveranstaltung

Weg zur Uni-Professur

  1. Studium und Promotion (möglichst an renommierter Universität)
  2. Postdoc-Phase: Habilitation oder Juniorprofessur oder Nachwuchsgruppenleitung
  3. Internationale Forschungsaufenthalte
  4. Umfangreiche Publikationsliste und Drittmitteleinwerbung
  5. Bewerbung auf W3-Professuren
  6. Berufungsverfahren mit Probevortrag und Begutachtung
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Vor- und Nachteile im Überblick

AspektHAW-ProfessurUni-Professur
ZugangPraxiserfahrung, keine HabilitationHabilitation/äquivalent
BerufungsalterOft 35–50 JahreOft 35–45 Jahre
LehreHohe Lehrlast, PraxisbezugWeniger Lehre, Forschungsfokus
ForschungAngewandt, weniger InfrastrukturGrundlagenforschung, gute Ausstattung
GehaltW2 (~7.100 € brutto)W3 (~9.000 € brutto)
Work-Life-BalancePlanbarerer AlltagHoher Forschungsdruck
PromotionsrechtLandesabhängig, oft kooperativ oder im VerbundRegulär vorhanden
ReputationPraxisnähe geschätztHöheres akademisches Prestige
Trend: Die Grenzen zwischen HAW und Universität verwischen zunehmend. Einige HAWs erhalten ein eigenständiges Promotionsrecht, und die angewandte Forschung an HAWs wird immer stärker gefördert. Gleichzeitig wird an Universitäten der Praxistransfer wichtiger.

Welcher Weg passt zu mir?

Die HAW-Professur eignet sich besonders für Personen, die:

  • eine erfolgreiche Karriere in der Praxis vorweisen können
  • gerne lehren und Wissen praxisnah vermitteln
  • anwendungsorientierte Forschung betreiben möchten
  • einen planbaren Arbeitsalltag schätzen

Die Uni-Professur ist der richtige Weg für Personen, die:

  • eine Leidenschaft für Grundlagenforschung haben
  • den akademischen Karriereweg konsequent verfolgt haben
  • ein Forschungsteam aufbauen und Promovierende betreuen möchten
  • internationale wissenschaftliche Sichtbarkeit anstreben

Was Bewerbungen an HAW und Universität unterscheidet

Universitätsberufungen gewichten häufig internationale Forschungssichtbarkeit, Publikationsprofil, Drittmittel, Promotionsbetreuung und Anschluss an Verbundforschung. HAW-Berufungen prüfen stärker, ob Bewerberinnen und Bewerber Lehre, Praxisbezug, Transfer, Studiengangsentwicklung und angewandte Forschung glaubwürdig verbinden. Das heißt nicht, dass HAW-Professuren forschungsfrei wären; es heißt, dass Forschung meist anders legitimiert wird: Anwendung, Kooperation, regionale Partner, Transfer und Studierendenbezug sind zentraler.

Berufspraxis als HAW-Schlüssel

Viele HAW-Professuren verlangen mehrjährige einschlägige Berufspraxis, davon regelmäßig einen erheblichen Teil außerhalb des Hochschulbereichs. Diese Praxis muss zur Denomination passen. Reine Projektarbeit innerhalb der Universität ersetzt sie nicht automatisch. Bewerberinnen sollten deshalb früh dokumentieren, welche Tätigkeiten fachlich einschlägig, eigenverantwortlich und außerhalb des Hochschulsystems erbracht wurden.

Entscheidungshilfe

  • Will ich primär Forschungsgruppen und Promotionsprojekte aufbauen?
  • Oder will ich stark lehren, Studiengänge gestalten und Praxispartner einbinden?
  • Habe ich die geforderte außerhochschulische Berufspraxis?
  • Ist mir ein höheres Lehrdeputat zugunsten direkter Studierendenarbeit recht?
  • Passt mein Publikations- und Drittmittelprofil eher zu Uni- oder HAW-Kriterien?

Promotionsrecht und kooperative Promotionen

Ein zentraler Unterschied liegt im Promotionsumfeld. Universitäten verfügen klassisch über das Promotionsrecht und können Promotionsverfahren in ihren Fakultäten unmittelbar führen. HAWs bauen je nach Bundesland eigene Promotionszentren auf oder promovieren kooperativ mit Universitäten. Für Bewerberinnen ist das wichtig, weil Promotionsbetreuung, Nachwuchsgruppen und Drittmittelstrategie anders organisiert sind. Wer eine HAW-Professur anstrebt, sollte deshalb zeigen, wie angewandte Forschung, Praxispartner und Nachwuchsfoerderung zusammenpassen und welche Promotionswege am Standort realistisch sind.

Quellen und Einordnung

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich die Voraussetzungen für HAW- und Uni-Professur?

Die HAW-Professur setzt eine Promotion und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung außerhalb der Hochschule voraus, davon mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs, aber keine Habilitation. Die Uni-Professur verlangt neben der Promotion eine Habilitation oder habilitationsäquivalente Leistungen sowie herausragende, durch internationale Publikationen dokumentierte Forschungsleistungen.

Wie unterscheidet sich das Lehrdeputat?

An HAWs beträgt das Lehrdeputat 18 SWS (rund neun Veranstaltungen pro Woche), an Universitäten 8 bis 9 SWS (rund vier bis fünf Veranstaltungen); das HAW-Deputat ist damit mehr als doppelt so hoch.

Wie ist das Promotionsrecht an HAW und Universität geregelt?

Universitäten verfügen klassisch über das Promotionsrecht und führen Promotionsverfahren in ihren Fakultäten unmittelbar; HAWs promovieren je nach Bundesland kooperativ mit Universitäten oder bauen eigene Promotionszentren auf.

Wie unterscheidet sich das Gehalt zwischen HAW und Uni?

HAW-Professuren werden in der Regel nach W2 besoldet, Universitätsprofessuren nach W3; der Unterschied beim Grundgehalt beträgt rund 1.000 bis 1.200 Euro monatlich, hinzu kommen unterschiedlich hohe Leistungsbezüge.

Welche Rolle spielt die Berufspraxis bei der HAW-Professur?

Viele HAW-Professuren verlangen mehrjährige einschlägige Berufspraxis, die zur Denomination passt und regelmäßig zu einem erheblichen Teil außerhalb des Hochschulbereichs erbracht wurde; reine Projektarbeit innerhalb der Universität ersetzt sie nicht automatisch.