Probelehrveranstaltung und Probevortrag: Vorbereitung, Ablauf und Tipps

Karriere Professur Stand: März 2026

Die Probelehrveranstaltung (an HAWs) bzw. der Probevortrag (an Universitäten) ist ein zentraler Bestandteil des Berufungsverfahrens. Hier zeigen Bewerberinnen und Bewerber ihre didaktischen und fachlichen Fähigkeiten vor der Berufungskommission – und häufig auch vor Studierenden und Fachkollegen. Für viele Kandidaten ist dieser Termin der entscheidende Moment im gesamten Verfahren.

Was wird erwartet?

Die Erwartungen unterscheiden sich je nach Hochschultyp, aber grundsätzlich geht es darum:

  • Fachliche Kompetenz: Beherrschen Sie das Thema souverän und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft?
  • Didaktische Fähigkeit: Können Sie komplexe Inhalte verständlich und strukturiert vermitteln?
  • Persönlichkeit: Passen Sie zur Fakultät? Sind Sie kommunikativ, kollegial, engagiert?
  • Forschungsvision: Wohin wollen Sie wissenschaftlich? (v. a. an Universitäten)

Ablauf im Detail

An Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW)

An HAWs steht die Probelehrveranstaltung im Mittelpunkt. Der typische Ablauf:

  1. Begrüßung durch den Kommissionsvorsitzenden (5 Min.)
  2. Probelehrveranstaltung zu einem vorgegebenen Thema (30–45 Min.)
  3. Diskussion / Fragen der Kommission und ggf. der Studierenden (15–20 Min.)
  4. Kurzvorstellung der Forschung und Pläne für die Hochschule (10–15 Min.)
  5. Persönliches Gespräch mit der Kommission (15–30 Min.)
Besonderheit HAW: Die Probelehrveranstaltung findet häufig vor echten Studierenden statt. Das Thema wird von der Kommission vorgegeben und stammt aus dem Curriculum des Studiengangs. Es soll gezeigt werden, dass Sie eine reguläre Lehrveranstaltung auf Bachelor-Niveau halten können.

An Universitäten

An Universitäten liegt der Fokus stärker auf dem wissenschaftlichen Probevortrag:

  1. Wissenschaftlicher Vortrag über die eigene Forschung (30–45 Min.)
  2. Fachliche Diskussion mit der Kommission und dem Auditorium (20–30 Min.)
  3. Ggf. Lehrprobe zu einem vorgegebenen Thema (20–30 Min.)
  4. Persönliches Gespräch mit der Kommission über Forschungspläne, Lehre und Kooperationsmöglichkeiten (20–40 Min.)

Der Gesamtzeitrahmen beträgt typischerweise 1,5–3 Stunden pro Kandidat. An manchen Universitäten werden alle Kandidaten an einem Tag eingeladen, an anderen verteilt sich das Verfahren über mehrere Termine.

Typische Themen

HAW-Probelehrveranstaltung

Das Thema wird von der Berufungskommission vorgegeben und stammt aus dem Lehrplan des Studiengangs. Beispiele:

  • BWL: „Einführung in die Investitionsrechnung – Kapitalwertmethode"
  • Informatik: „Grundlagen der objektorientierten Programmierung"
  • Maschinenbau: „Werkstoffprüfung – Zugversuch und Härteprüfung"
  • Soziale Arbeit: „Systemische Beratungsansätze in der Jugendhilfe"

Uni-Probevortrag

Das Thema wird entweder frei gewählt (eigene Forschung) oder von der Kommission aus einer Shortlist vorgegeben:

  • Eigene Forschungsergebnisse und deren Einordnung
  • Zukunftsvision: „Mein Forschungsprogramm für die nächsten 5 Jahre"
  • Überblicksvortrag zu einem Fachgebiet
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Vorbereitung

Inhaltliche Vorbereitung

  1. Thema gründlich durchdringen: Auch wenn es ein Grundlagenthema ist – bereiten Sie sich so vor, als wären Sie Experte. Kennen Sie aktuelle Entwicklungen und können Sie Querverbindungen herstellen.
  2. Zielgruppe kennen: An der HAW: Bachelor-Studierende im 2.–4. Semester. An der Uni: Fachkollegen und Kommissionsmitglieder.
  3. Hochschule recherchieren: Kennen Sie den Studiengang, die Forschungsschwerpunkte und die Kollegen. Zeigen Sie, wie Sie zur Fakultät passen.
  4. Prüfungsordnung lesen: Wo ist das Thema im Curriculum verortet? Welche Vorkenntnisse haben die Studierenden?

Didaktische Vorbereitung (v.a. HAW)

  • Klare Struktur: Einleitung, Lernziele, Hauptteil, Zusammenfassung
  • Aktivierung: Binden Sie das Publikum ein (Fragen, kurze Übungen, Beispiele)
  • Praxisbezug: Verwenden Sie Beispiele aus der Berufspraxis
  • Zeitmanagement: Üben Sie die Veranstaltung mit Stoppuhr. Puffer einplanen.
  • Medieneinsatz: Folien sollten klar und nicht überladen sein. Tafelanschrieb wird an HAWs geschätzt.

Praktische Vorbereitung

  • Technik vorab testen (eigener Laptop, Adapter, Fernbedienung)
  • Backup der Präsentation auf USB-Stick
  • Angemessene Kleidung (Business Casual bis formell)
  • Anreise mit Zeitpuffer planen
Probeübung: Halten Sie Ihre Lehrprobe oder Ihren Vortrag mindestens einmal vor einem Testpublikum (Kolleginnen, Freunde, ggf. Studierende). Bitten Sie um ehrliches Feedback zu Inhalt, Verständlichkeit und Zeitmanagement.

Bewertungskriterien

Die Berufungskommission bewertet die Probelehrveranstaltung bzw. den Probevortrag anhand verschiedener Kriterien:

KriteriumGewicht HAWGewicht Uni
Fachliche Korrektheit und TiefeHochSehr hoch
Didaktische QualitätSehr hochMittel
Strukturierung und KlarheitSehr hochHoch
PraxisbezugSehr hochGering-Mittel
Originalität der ForschungMittelSehr hoch
DiskussionsfähigkeitHochSehr hoch
Persönlichkeit und AuftretenHochHoch
Interaktion mit dem PublikumSehr hochMittel
Passung zur DenominationHochHoch

Unterschied HAW vs. Uni im Überblick

AspektHAWUniversität
FormatLehrveranstaltung (Vorlesung/Seminar)Wissenschaftlicher Vortrag
ThemaVorgegeben (aus dem Curriculum)Oft frei wählbar (eigene Forschung)
ZielgruppeStudierende + KommissionFachkollegen + Kommission
Dauer30–45 Min.30–45 Min.
FokusDidaktik und PraxisbezugForschungstiefe und Vision
ErwartungLehre auf Bachelor-NiveauForschung auf internationalem Niveau

Häufige Fehler

  • Thema verfehlt: An der HAW: zu wissenschaftlich, über die Köpfe der Studierenden hinweg. An der Uni: zu oberflächlich, ohne eigenen Beitrag.
  • Keine Interaktion: Besonders an HAWs wird erwartet, dass Sie die Studierenden einbeziehen – nicht nur dozieren.
  • Zeitüberschreitung: Wer die vorgegebene Zeit deutlich überschreitet, zeigt mangelnde Vorbereitung.
  • Nervosität nicht im Griff: Nervosität ist normal, aber monotones Ablesen oder Hektik sind ein Problem. Üben Sie!
  • Hochschule nicht kennen: Wenn Sie im Gespräch nicht wissen, welche Studiengänge die Fakultät anbietet, hinterlässt das einen schlechten Eindruck.
  • Keine Vision: Die Kommission möchte wissen, was Sie an der Hochschule vorhaben – sowohl in der Lehre als auch in der Forschung.
Erfolgsfaktor: Die besten Kandidaten zeigen nicht nur fachliche und didaktische Kompetenz, sondern auch echte Begeisterung für das Thema und die Hochschule. Authentizität und Engagement sind oft ausschlaggebend bei knappen Entscheidungen.

Häufige Fragen

Was wird in einer Probelehrveranstaltung erwartet?

Erwartet werden fachliche Kompetenz auf aktuellem Stand der Wissenschaft, didaktische Fähigkeit zur verständlichen und strukturierten Vermittlung, Persönlichkeit und Passung zur Fakultät sowie – vor allem an Universitäten – eine Forschungsvision.

Wie läuft eine Probelehrveranstaltung an einer HAW ab?

Auf eine Begrüßung folgen eine Probelehrveranstaltung zu einem vorgegebenen Thema (30 bis 45 Minuten), Diskussion und Fragen, eine Kurzvorstellung der Forschung und ein persönliches Gespräch mit der Kommission. Sie findet häufig vor echten Studierenden statt.

Worin unterscheiden sich HAW und Universität?

An der HAW steht eine Lehrveranstaltung zu einem vorgegebenen Curriculum-Thema mit Fokus auf Didaktik und Praxisbezug im Mittelpunkt; an der Universität ein wissenschaftlicher Vortrag, oft zur eigenen Forschung, mit Fokus auf Forschungstiefe und Vision.

Wie bereitet man sich auf die Probelehrveranstaltung vor?

Zur Vorbereitung gehören das gründliche Durchdringen des Themas, das Kennen der Zielgruppe, Recherche zur Hochschule und ein Blick in die Prüfungsordnung. Didaktisch zählen klare Struktur, Aktivierung des Publikums, Praxisbezug und geübtes Zeitmanagement mit Stoppuhr.

Welche Fehler sind häufig?

Das Thema verfehlen (zu wissenschaftlich an der HAW, zu oberflächlich an der Uni), fehlende Interaktion, Zeitüberschreitung, unkontrollierte Nervosität, die Hochschule nicht zu kennen und keine Vision für Lehre und Forschung zu zeigen.