Journal-Ranking: A-, B-, C-Journal, Peer Review und Impact Factor
Für die wissenschaftliche Karriere zählt nicht nur, dass publiziert wird, sondern wo. Berufungs- und Förderentscheidungen orientieren sich häufig an der wahrgenommenen Qualität der Publikationsorgane — gemessen über fachspezifische Rankings, die weniger einheitlich sind, als ihre Namen vermuten lassen.
Warum ist die Zeitschriftenwahl karriererelevant?
Publikationen sind die Währung wissenschaftlicher Karrieren. Bei einer kumulativen Promotion sind sie sogar Bestandteil der Dissertation selbst, und spätestens im Berufungsverfahren wird die Publikationsliste systematisch bewertet.
Bewertet wird dabei selten die einzelne Arbeit im Detail — dafür fehlt in Auswahlverfahren die Zeit. Stattdessen dient das Publikationsorgan als Näherung für Qualität. Genau darin liegt die Chance und das Problem dieser Rankings.
Was bedeuten A-, B- und C-Journal?
In mehreren Disziplinen — am stärksten institutionalisiert in den Wirtschaftswissenschaften — existieren mehrstufige Qualitätsrankings von Fachzeitschriften, die von Fachverbänden erstellt und regelmäßig überarbeitet werden. Bekannte Beispiele:
- VHB-JOURQUAL, das Ranking des Verbands der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft, das Zeitschriften der Betriebswirtschaftslehre in Klassen einteilt;
- die ABDC Journal Quality List des Australian Business Deans Council als international verbreitetes Gegenstück.
Wie funktioniert Peer Review?
Vor der Veröffentlichung durchläuft ein eingereichter Fachartikel bei seriösen Zeitschriften ein Begutachtungsverfahren durch unabhängige Fachkolleginnen und -kollegen. Der typische Ablauf:
- Desk Review. Die Redaktion prüft, ob der Beitrag thematisch und formal passt — ein erheblicher Teil der Einreichungen endet hier.
- Begutachtung. Meist zwei bis drei Gutachtende bewerten Fragestellung, Methode, Ergebnisse und Einordnung.
- Entscheidung. Ablehnung, Überarbeitung („revise and resubmit“) oder Annahme. Eine Annahme ohne Überarbeitung ist die Ausnahme.
Verbreitet ist das Double-blind-Verfahren, bei dem weder Autorinnen und Autoren noch Gutachtende die jeweils andere Identität kennen; daneben existieren Single-blind- und offene Verfahren. Die DFG benennt Peer Review in ihren Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis als zentrales Element der Qualitätssicherung wissenschaftlichen Publizierens.
Für die Zeitplanung relevant: Vom Einreichen bis zur Veröffentlichung vergehen in vielen Fächern Monate bis Jahre. Wer eine kumulative Promotion plant, muss das einkalkulieren.
Was sagt der Impact Factor aus?
Der Journal Impact Factor misst, wie oft Artikel einer Zeitschrift im Schnitt über einen definierten Zeitraum zitiert werden. Entscheidend ist, was er damit ist und was nicht:
- Er ist ein Zitationsmaß auf Zeitschriftenebene — eine Eigenschaft des Publikationsorgans.
- Er ist keine Aussage über einen einzelnen Artikel und erst recht keine über eine einzelne Person. Innerhalb einer Zeitschrift verteilen sich Zitationen sehr ungleich; wenige Artikel tragen den Wert.
- Er ist zwischen Fächern nicht vergleichbar, weil Zitationskulturen und Publikationsgeschwindigkeiten stark variieren.
Fachgesellschaften diskutieren deshalb seit Jahren artikelbezogene Metriken als aussagekräftiger für die Bewertung von Einzelpersonen als den zeitschriftenweiten Impact Factor.
Warum sind Rankings fachspezifisch?
Anders als der Name suggeriert, gibt es kein einheitliches „A-Journal“-Register für alle Wissenschaften — und zwar aus einem inhaltlichen Grund: Publikationskulturen unterscheiden sich fundamental.
In den Geistes- und vielen Sozialwissenschaften spielen Monographien und Herausgeberbände neben Zeitschriftenartikeln eine deutlich größere Rolle als in den Naturwissenschaften; eine Liste, die nur Zeitschriften bewertet, bildet dort einen erheblichen Teil der Forschungsleistung schlicht nicht ab. Die Frage „A-, B- oder C-Journal?“ ist deshalb zuerst eine Frage an die eigene Fachcommunity und deren anerkannte Rankings, nicht an eine allgemeine Regel.
Und noch eine Abgrenzung gehört dazu: Nicht jede Zeitschrift, die schnell annimmt und Gebühren erhebt, ist deshalb seriös. Woran sich unseriöse Zeitschriften erkennen lassen, behandelt der Eintrag Predatory Journals erkennen.
Häufige Fragen
Was ist ein A-Journal?
Eine Zeitschrift, die in einem fachspezifischen Ranking der höchsten Kategorie zugeordnet ist. Es gibt kein fachübergreifendes A-Journal-Register; dieselbe Zeitschrift kann in verschiedenen Rankings unterschiedlich eingestuft sein.
Wie funktioniert Peer Review?
Ein eingereichter Artikel wird von unabhängigen Fachkolleginnen und -kollegen begutachtet, die über Ablehnung, Überarbeitung oder Annahme entscheiden. Verbreitet ist das Double-blind-Verfahren, bei dem beide Seiten anonym bleiben.
Was sagt der Impact Factor über einen Artikel aus?
Nichts Unmittelbares. Der Impact Factor ist ein Zitationsmaß auf Zeitschriftenebene und keine Aussage über die Qualität eines einzelnen Artikels oder einer einzelnen Person. Zwischen Fächern ist er nicht vergleichbar.
Gibt es ein einheitliches Journal-Ranking für alle Fächer?
Nein. Rankings werden von Fachverbänden für ihr jeweiliges Fach erstellt. In Fächern, in denen Monographien eine große Rolle spielen, bilden Zeitschriftenrankings die Forschungsleistung ohnehin nur teilweise ab.
- Peer Review als Element der Qualitätssicherung: DFG-Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis.
- Fachspezifische Rankings: VHB-JOURQUAL (Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft) und ABDC Journal Quality List (Australian Business Deans Council) — jeweils in der aktuell gültigen Fassung des Herausgebers.
- Zitationsmaße auf Zeitschriftenebene: Journal Citation Reports.
- Publikationsbasierte Promotion: Kumulative Dissertation vs. Monographie.