Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw): Stipendium, Voraussetzungen und Promotionsförderung

Karriere Gehalt Von Aktualisiert: 3. September 2026

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist mit ihrem Studienförderwerk Klaus Murmann das wirtschaftsnahe unter den 13 Begabtenförderungswerken. Sie fördert rund 2.000 Menschen, darunter etwa 200 Promovierende. Und sie leidet an einem Missverständnis, das viele Bewerbungen verhindert: Die sdw fördert nicht nur Wirtschaftswissenschaftler. Sie fördert ausdrücklich alle Fachrichtungen und alle Hochschularten — mit eigenen Programmen für Lehramt, Kindheitspädagogik und Journalismus.

Fördert die sdw nur BWL?

Nein — und die Stiftung sagt das an vier Stellen selbst. Im gemeinsamen Portal der Werke: „Aktuell fördern wir rund 2.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten aller Fachrichtungen und Hochschularten." Und für die Promotion: „Wir fördern jährlich rund 200 leistungsstarke Promovierende aller Fachrichtungen, die soziale Verantwortung übernehmen und aktiv Lösungen für die Gesellschaft erarbeiten."

Die Gegenprobe liefert das eigene Programm. Die sdw unterhält Zusatzangebote für Studierende des Lehramts (Studienkolleg), für kindheitspädagogische Fächer (Nachwuchsinitiative chancengerechte Kitas), für angehende Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten und für MINT-Studierende in Nordrhein-Westfalen. Mit Betriebswirtschaftslehre hat davon nichts zu tun.

Was die sdw wirklich verlangtNicht ein Fach, sondern eine Haltung. Die eigene Vergaberichtlinie formuliert den Zweck so: „unternehmerisches Denken und Handeln in gesellschaftlicher Verantwortung" fördern und Geförderte dabei unterstützen, „ihren Gemeinsinn und ihre unternehmerische Grundhaltung weiterzuentwickeln". Einschätzung der Redaktion: „Unternehmerisch" heißt hier gestalten wollen und Verantwortung übernehmen — nicht Bilanzen lesen. Wer sich wegen des Namens nicht bewirbt, verschenkt eine Chance.

Ehrlich dazugehört: Eine thematische Vorliebe gibt es. Bei Promotionsprojekten heißt es: „besonders freuen wir uns über Promotionsprojekte aus den Themenbereichen Gründung und Unternehmertum, Nachhaltigkeit, Transformation und Bildung." Das ist eine Präferenz, kein Ausschluss.

Was ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft?

Das Studienförderwerk Klaus Murmann mit Sitz in Berlin, benannt nach dem Familienunternehmer und früheren Arbeitgeberpräsidenten, der die Stiftung gegründet hat. Sie ist das einzige der geprüften Werke, das seine Vergaberichtlinie zur Promotionsförderung als Dokument veröffentlicht — mit ausformulierten Auswahlkriterien, Formalvoraussetzungen und Verfahrensbeschreibung. Wer eine Bewerbung plant, sollte sie lesen.

Kennzahl (Selbstauskunft)Wert
Geförderte insgesamtrund 2.000
Geförderte Promovierende je Jahrrund 200
Regionalgruppen46

Damit stellt die sdw rund 5 % aller Promotionsstipendien der Begabtenförderung (eigene Berechnung). Den Vergleich aller 13 Werke gibt es unter Stipendien in Deutschland.

Die fünf Auswahlkriterien — mit einem, das es sonst nicht gibt

Die Vergaberichtlinie nennt fünf Kriterien und erklärt jedes:

KriteriumWas die Stiftung darunter versteht
ZielstrebigkeitPersönliche und berufliche Ziele benennen und erreichen wollen; „die Wahl des Promotionsfachs und ggf. Neuorientierungen werden überzeugend begründet und gut geplant"
Gesellschaftliches Engagement„Das Engagement wird im Kontext des Lebensalters und der jeweiligen Biographie eingeschätzt." Gemeint ist eine gestaltende Rolle: „Konkrete Aktivitäten sind entscheidend."
Soziale KompetenzSich in andere hineindenken; „Erfahrungen in Team- und Gruppensituationen werden benannt und die eigene Rolle darin reflektiert"
AllgemeinwissenInteresse an Themen „außerhalb des jeweiligen eigenen Fachbereichs"; zu den Interessengebieten wird „eine eigene Meinung vertreten und begründet", dazu Problembewusstsein für gesellschaftspolitische Entwicklungen
Vernetztes Denken„komplexe Zusammenhänge erkennen und benennen", klar und abgewogen argumentieren, Themen miteinander in Beziehung setzen
„Allgemeinwissen" als eigenes Kriterium — und warum das ein echter Unterschied istKein anderes der geprüften Werke führt Allgemeinwissen als eigenständiges Auswahlkriterium. Die Studienstiftung sagt für ihr Auswahlseminar sogar ausdrücklich das Gegenteil: Die Gespräche „testen kein Allgemeinwissen". Einschätzung der Redaktion: Man bereitet sich auf die sdw deshalb anders vor — nicht mit Faktenwissen, sondern indem man zu zwei, drei Themen außerhalb des eigenen Fachs eine eigene, begründete Position hat. Genau das steht im Wortlaut der Richtlinie.

Zum Engagement: Die sdw nennt in ihrer Beispielliste ausdrücklich auch das Engagement „in einer Partei" — neben Fachschaft, Verein, religiöser Gemeinschaft, sozialer Einrichtung, Nachhilfe und Jugendarbeit. Sie ist selbst keinem politischen Lager zugeordnet; parteipolitisches Engagement zählt also nicht nur bei den parteinahen Stiftungen.

Ausdrücklich ermutigt die Stiftung Menschen, „die Hürden auf ihrem bisherigen Bildungsweg überwinden mussten, zum Beispiel Erstakademikerinnen und Erstakademiker, Careleaver oder Geflüchtete". Careleaver — also Menschen, die in Pflegefamilien oder Heimen aufgewachsen sind — nennt unter den geprüften Werken nur die sdw.

Wer kann sich bewerben?

  • Zulassung zur Promotion muss vorliegen, an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland. Die Bewerbungsseite nennt daneben die Schweiz, Großbritannien und das EU-Ausland; die Vergaberichtlinie ist enger und nennt als zusätzliche Standorte St. Gallen/Zürich, Wien, Paris und London — „Promotionen in allen anderen Regionen im Ausland werden nicht gefördert". Wer im Ausland promovieren will, sollte das vorab klären.
  • Keine Altersgrenze — aber der promotionsbefähigende Abschluss soll nicht mehr als fünf Jahre zurückliegen. Das ist großzügiger als bei der Studienstiftung, die vier Jahre und drei Monate setzt.
  • Der Bewerbungszeitpunkt liegt zu Beginn des Promotionsvorhabens; Abschlussförderungen sind nicht möglich.
  • Eine kumulative Promotion kann gefördert werden — das sagt die sdw ausdrücklich, und bei keinem anderen der geprüften Werke haben wir eine entsprechende Aussage gefunden. Was das ist, steht unter Kumulative Dissertation vs. Monographie.

In der Studienförderung ist eine Bewerbung einmal jährlich im ersten Quartal möglich; wer schon studiert, muss noch mindestens vier Semester Regelstudienzeit vor sich haben.

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Wie läuft die Bewerbung ab?

Für die Promotion gibt es zwei Runden im Jahr mit veröffentlichten Terminen — zuletzt vom 9. Dezember bis 13. Januar für einen Förderbeginn am 1. April und vom 8. Juni bis 7. Juli für einen Förderbeginn am 1. Oktober, jeweils mit Auswahlgesprächen rund zwei Monate später. Die Fristen enden mittags um 12 Uhr; nach dem Absenden sind Änderungen und Nachreichungen ausgeschlossen.

Das Verfahren hat drei Schritte: Bewerbung im Portal, Prüfung durch die Geschäftsstelle — „ob du eingeladen wirst oder nicht, erfährst du circa vier Wochen nach Bewerbungsschluss" — und das Auswahlgespräch, nach dem die Entscheidung rund zwei Wochen dauert.

Was in der Vorauswahl tatsächlich geprüft wird

Auch das steht in der Vergaberichtlinie, und es ist konkreter als bei den anderen Werken: geprüft werden „Noten, Begründung für die Bewerbung, Gutachten der Erst- und Zweitgutachterinnen und -gutachter, Stärke des Engagements sowie besondere Kompetenzen". Und beim Exposé ausdrücklich drei Dinge: „a) Präsentation der Fragestellung, b) Darstellung der Methoden und c) Diskussion der wissenschaftlichen Relevanz". Verlangt werden ein kurzes und ein ausführliches Exposé; einen Umfang nennt die Stiftung nicht.

Wer schon gefördert war, wird auch an seiner Mitarbeit gemessen„Bei den internen Bewerberinnen und Bewerbern spielt darüber hinaus ihre vorherige Mitwirkung am Förderprogramm und ihre Teilnahme an den sdw-Veranstaltungen eine wichtige Rolle." Einschätzung der Redaktion: Das steht so bei keinem anderen Werk. Wer die Studienförderung der sdw nur finanziell mitgenommen und sich am Programm nicht beteiligt hat, hat es bei der Promotionsbewerbung schwerer — und weiß das vorher meist nicht.

Das Auswahlgespräch ist ein 60-minütiges strukturiertes Interview mit integrierter Vorstellung des Promotionsvorhabens, geführt von ehrenamtlichen Kommissionsmitgliedern „aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, Verbänden und Stiftungen", die in der Regel selbst promoviert sind oder eine Professur innehaben.

Das Feedbackgespräch — und die fehlende zweite Chance

Alle Interviewten bekommen eine Rückmeldung„Nach Abschluss der Gespräche erhalten die Teilnehmenden ein 10-minütiges Feedbackgespräch, in dem über das beobachtete Verhalten wertschätzend reflektiert wird und Lernfelder benannt werden." Das ist unter den geprüften Werken einzigartig: Studienstiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung schließen ein individuelles Feedback ausdrücklich aus.
Aber es gibt keinen zweiten Versuch„Alle anderen Bewerbende erhalten per Email eine Absage. Eine erneute Bewerbung ist nicht möglich." Die Stiftung setzt das technisch durch und sagt es auch: Sie speichert Stammdaten „für drei Jahre […], um eine erneute Bewerbung auszuschließen". Einschätzung der Redaktion: Beides gehört zusammengelesen. Das Feedbackgespräch macht die sdw zum lehrreichsten ersten Auswahlgespräch im ganzen Feld — nur ist dieser erste Versuch hier zugleich der einzige. Wer noch kein tragfähiges Exposé hat, sollte eine Runde später antreten.

Wie viel Geld gibt es, und wie lange?

Die sdw nennt einen Höchstsatz von 1.650 € im Monat, dazu einkommensunabhängig eine Forschungskostenpauschale von 100 € und unter bestimmten Voraussetzungen eine Kinderzulage von 155 € für das erste und 50 € für jedes weitere Kind. Das entspricht den bundeseinheitlichen Sätzen.

Zur Formulierung „abhängig von deiner Einkommenssituation", die auf der Werk-Seite über der Betragsangabe steht: Die Bundesregelung kennt für die Promotionsförderung keine Bedürftigkeitsprüfung, sondern nur eine Anrechnung sonstiger Einkünfte oberhalb von 3.070 € im Jahr. Wir stellen hier die Bundesregel dar, weil sie belegt ist; eine Anrechnung eigener Einkünfte ist damit gemeint, nicht eine Prüfung des Elterneinkommens.

Förderdauer: mindestens 18 Monate, in der Regel höchstens 36 Monate, auf Antrag um bis zu weitere sechs Monate verlängerbar — zusammen also 42 Monate, wie bei der Studienstiftung. Die Förderung endet mit Ablauf der Höchstdauer oder mit Ablauf des Monats der mündlichen Doktorprüfung. Nebentätigkeiten sind „in begrenztem Umfang möglich"; es gelten die bundeseinheitlichen Grenzen. Wie sich das gegen eine bezahlte Stelle rechnet, steht unter Stipendium vs. Stelle, die Zahlen der Stelle unter Doktorandengehalt.

Was die sdw außer Geld bietet — und was sie erwartet

46 Regionalgruppen mit ehrenamtlichen Vertrauenspersonen, bundesweite Online- und Präsenzveranstaltungen, vielfach gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden, dazu speziell für Promovierende Promovierendenforen, Schreibwochen, Workshops und Webtalks. Die Themen des Bildungsprogramms reichen von werteorientiertem Wirtschaften über Führung und Selbstführung bis zur Teilnahme am National Model United Nations. Es gibt einen großen Alumniverein und einen Stipendiatischen Rat.

Teilnahme ist hier keine Option, sondern Erwartung„Von unseren Geförderten erwarten wir eine aktive Beteiligung und Mitgestaltung der ideellen und inhaltlichen Förderung. Dazu gehört Engagement in der Regionalgruppe und die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen." Die Stiftung spricht von „Mindesterwartungen" an den Umfang der Teilnahme. Konkrete Zahlen dazu haben wir auf der Website nicht gefunden und nennen deshalb keine. Einschätzung der Redaktion: Wer ortsfern oder mit starker Einbindung promoviert, sollte diesen Aufwand vorher einplanen — er ist bei der sdw größer als bei den meisten anderen Werken.

Für wen passt die sdw — und für wen nicht?

Position der RedaktionAlles oben ist belegt; das hier ist unsere Einschätzung. Die wichtigste Botschaft dieser Seite ist die einfachste: Wer sich wegen des Namens nicht bewirbt, verschenkt eine Chance. Gerade für Lehramt, Kindheitspädagogik und Journalismus gibt es hier eigene Programme, die wir bei keinem der zwölf anderen Werke gefunden haben. Die sdw ist außerdem das Werk mit der größten Transparenz über das eigene Verfahren — die veröffentlichte Vergaberichtlinie nennt Kriterien, Prüfschritte und sogar die drei Punkte, auf die das Exposé geprüft wird. Und sie ist das einzige Werk, das jedem Interviewten sagt, woran es lag. Nicht der richtige Adressat ist sie für Abschlussförderungen, für Promotionen im Ausland außerhalb ihrer wenigen Standorte — und für alle, die ein Stipendium ohne Programm suchen: Die erwartete Präsenz in Regionalgruppe und Veranstaltungen ist real. Weil eine zweite Bewerbung ausgeschlossen ist, ist der Zeitpunkt auch hier die wichtigste Entscheidung. Bewerberzahlen und eine Aufnahmequote veröffentlicht die sdw nicht; eine Erfolgschance lässt sich deshalb nicht angeben.

Häufige Fragen

Muss ich für ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft Wirtschaftswissenschaften studieren?

Nein. Die Stiftung fördert nach eigener Angabe alle Fachrichtungen und alle Hochschularten und unterhält eigene Programme für Lehramt, Kindheitspädagogik, Wirtschaftsjournalismus und MINT.

Wie alt darf ich bei der Bewerbung sein?

Eine Altersgrenze gibt es nicht. Der promotionsbefähigende Abschluss soll allerdings nicht mehr als fünf Jahre zurückliegen.

Wird eine kumulative Dissertation gefördert?

Ja, das sagt die Vergaberichtlinie ausdrücklich.

Bekomme ich eine Rückmeldung, wenn es nicht klappt?

Ja, sofern Sie zum Auswahlgespräch eingeladen waren: Alle Interviewten erhalten ein zehnminütiges Feedbackgespräch, in dem Lernfelder benannt werden.

Kann ich mich nach einer Absage bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft noch einmal bewerben?

Nein. Die Stiftung schließt eine erneute Bewerbung aus und speichert dafür die Stammdaten drei Jahre lang.

Kann ich mit einem sdw-Stipendium im Ausland promovieren?

Nur eingeschränkt. Die Vergaberichtlinie nennt neben Deutschland die Standorte St. Gallen/Zürich, Wien, Paris und London; Promotionen in allen anderen Regionen im Ausland werden danach nicht gefördert.

Quellen und Stand
  • Zweckbestimmung, die fünf Auswahlkriterien im Wortlaut, Formalvoraussetzungen, Auslandsstandorte, Förderdauer, Prüfschritte der Vorauswahl, Interview und Feedbackgespräch, Ausschluss der erneuten Bewerbung: Stiftung der Deutschen Wirtschaft, „Vergaberichtlinie des Studienförderwerks Klaus Murmann zur Promotionsförderung" (PDF), im Volltext geprüft am 3. September 2026.
  • Beträge, Förderzeiträume, Bewerbungstermine, Verfahrensschritte, erwartete Mitwirkung: Stiftung der Deutschen Wirtschaft, Seiten „Stipendien für Promovierende" und „Bewerbung", abgerufen am 3. September 2026.
  • Fächer- und Hochschulartenoffenheit, Engagement-Beispiele, Zielgruppen, Zusatzprogramme, Kennzahlen: Profil der Stiftung der Deutschen Wirtschaft auf Stipendium Plus, dem gemeinsamen Portal der 13 Begabtenförderungswerke, abgerufen am 3. September 2026.
  • Bundeseinheitliche Beträge, Einkommensanrechnung und Nebentätigkeitsgrenzen: „Zusätzliche Nebenbestimmungen" des Bundes, Fassung ab 1. Oktober 2024, Abschnitt II; Gesamtzahl der Promotionsstipendien: Deutscher Bundestag, Drucksache 21/3534 vom 8. Januar 2026.
Stand: 3. September 2026. Termine und Beträge ändern sich; sie sind vor einer Bewerbung beim Werk zu prüfen. Maßgeblich ist im Einzelfall der Förderbescheid bzw. die geltende Richtlinie des Werks, nicht diese Seite.