Predatory Journals erkennen: Warnsignale und Prüfliste
Als Predatory Journals werden Zeitschriften bezeichnet, die gegen Gebühr scheinbar wissenschaftlich publizieren, dabei aber auf ernsthafte Qualitätssicherung verzichten und primär auf Publikationsgebühren als Geschäftsmodell setzen. Für Promovierende und Postdocs ist das kein Randthema: Eine Publikation in einem solchen Organ kann die eigene Publikationsliste dauerhaft belasten.
Was sind Predatory Journals?
Das Phänomen hat mit dem Wachstum des Open-Access-Publizierens zugenommen — dort finanziert eine Gebühr die Veröffentlichung statt eines Abonnements. Wichtig ist die Unterscheidung, die dabei oft verlorengeht:
Die Grenze ist dabei fließend: Zwischen offensichtlich betrügerischen Angeboten und etablierten Zeitschriften liegt ein Graubereich aus jungen, schlecht organisierten oder überambitionierten Publikationen. Deshalb hilft keine einzelne Regel, sondern nur ein Bündel von Signalen.
Woran erkennt man ein Predatory Journal?
Die folgenden Merkmale werden in der Fachdiskussion wiederkehrend genannt. Keines ist für sich allein ein Beweis — mehrere zusammen sind ein deutliches Warnzeichen:
- Auffällig kurze Begutachtungszeiten. Eine Annahme binnen weniger Tage ist mit einem ernsthaften Peer Review praktisch nicht vereinbar.
- Aggressive Einladungs-E-Mails, oft mit unpassendem Fachbezug oder übertriebener Schmeichelei.
- Nicht überprüfbares Herausgebergremium — oder Namen, die der Mitgliedschaft nie zugestimmt haben.
- Fehlende oder unklare Angaben zu Verlagssitz und Impressum.
- Titel-Mimikry: ein Zeitschriftenname, der einer etablierten Publikation bewusst ähnelt.
- Intransparente Gebühren, die erst nach der Annahme offengelegt werden.
- Behauptete, aber nicht vorhandene Indexierung in anerkannten Fachdatenbanken.
Wie prüft man eine Zeitschrift vor der Einreichung?
Ein mehrstufiger Check kostet eine halbe Stunde und verhindert einen dauerhaften Eintrag in der eigenen Publikationsliste:
- Die Fachcommunity fragen. Kennt die Betreuungsperson oder eine Kollegin die Zeitschrift aus eigener Lektüre — nicht nur dem Titel nach? Das ist der schnellste und aussagekräftigste Test.
- Indexierung und Ranking prüfen. Ist die Zeitschrift in den etablierten Fachdatenbanken der eigenen Disziplin geführt, und taucht sie im einschlägigen Fach-Ranking auf (siehe Journal-Ranking und Peer Review)?
- Das Herausgebergremium stichprobenartig gegenprüfen. Existieren die genannten Personen, forschen sie im angegebenen Feld, führen sie die Mitgliedschaft selbst auf ihrer Institutsseite?
- Bisherige Ausgaben lesen. Passen Themen, Sprachqualität und Umfang zu einem begutachteten Organ?
- Etablierte Prüfhilfen nutzen. Die international getragene Initiative „Think. Check. Submit.“ stellt eine Checkliste zur Zeitschriftenprüfung vor der Einreichung bereit; viele Hochschulbibliotheken bieten zusätzlich eigene Beratung dazu an.
Die Universitätsbibliothek ist dabei die naheliegendste und am häufigsten übersehene Anlaufstelle — Publikationsberatung gehört an den meisten Hochschulen zu ihrem Aufgabenbereich.
Was tun, wenn man bereits publiziert hat?
Zuerst: Das ist kein Karriereende und passiert erfahrenen Forschenden ebenso. Sinnvoll ist ein offener Umgang:
- Ansprechen. Betreuungsperson und gegebenenfalls Graduiertenakademie informieren. Die DFG-Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis sind auf Beratung angelegt, nicht auf automatische Sanktion — zumal die Täuschung in diesen Fällen von der Zeitschrift ausgeht.
- Rückzug prüfen. Ein Rückzug ist mitunter möglich, häufig aber schwierig; viele dieser Verlage reagieren nicht oder verlangen Gebühren.
- Doppelpublikation vermeiden. Denselben Text ohne Klärung erneut einzureichen, schafft ein zweites, eigenes Problem.
- Publikationsliste ehrlich führen. Entscheidend für Bewerbungen ist, den Beitrag nicht unkommentiert gleichwertig neben regulär begutachtete Artikel zu stellen.
Für künftige Einreichungen gilt der einfache Grundsatz: Eine Zeitschrift, die man vor der Einreichung nicht aus der eigenen Lektüre kennt, gehört geprüft — unabhängig davon, wie professionell ihre Website wirkt.
Häufige Fragen
Was sind Predatory Journals?
Zeitschriften, die gegen Gebühr scheinbar wissenschaftlich publizieren, dabei aber auf eine ernsthafte Qualitätssicherung verzichten und primär auf Publikationsgebühren als Geschäftsmodell setzen.
Sind alle Open-Access-Zeitschriften unseriös?
Nein. Das Gebührenmodell ist nicht das Problem; seriöse Open-Access-Zeitschriften mit echtem Peer Review gibt es in großer Zahl. Problematisch ist der Gebühreneinzug ohne Qualitätssicherung.
Woran erkenne ich ein unseriöses Journal?
An mehreren Signalen zusammen: sehr kurze Begutachtungszeiten, aggressive Einladungsmails mit unpassendem Fachbezug, ein nicht überprüfbares Herausgebergremium, unklares Impressum, Titel-Mimikry, intransparente Gebühren und behauptete, aber fehlende Indexierung.
Was tun, wenn ich schon in einem Predatory Journal publiziert habe?
Betreuungsperson und gegebenenfalls Graduiertenakademie ansprechen, einen Rückzug prüfen, keine unabgestimmte Doppelpublikation vornehmen und den Beitrag in der Publikationsliste nicht unkommentiert neben regulär begutachtete Artikel stellen.
- Qualitätssicherung und Umgang mit Verstößen: DFG-Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis.
- Prüfliste vor der Einreichung: Initiative „Think. Check. Submit.“; ergänzend die Publikationsberatung der eigenen Hochschulbibliothek.
- Einordnung von Rankings und Peer Review: Journal-Ranking, Peer Review und Impact Factor.