Die Berufungsverhandlung: Was wird verhandelt und wie?

Gehalt Karriere Aktualisiert: 28. Juni 2026

Die Berufungsverhandlung findet nach der Ruferteilung statt und ist die entscheidende Phase, in der die konkreten Bedingungen einer Professur ausgehandelt werden. Für viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es die erste wirkliche Gehaltsverhandlung ihres Lebens – entsprechend wichtig ist eine gute Vorbereitung.

Was wird verhandelt?

1. Gehalt (Leistungsbezüge)

Das Grundgehalt der W-Besoldung ist gesetzlich festgelegt und nicht verhandelbar. Verhandelt werden die Leistungsbezüge, die das Grundgehalt erheblich aufstocken können:

  • Berufungsleistungsbezüge: Der Kernbestandteil der Verhandlung. Typisch sind 300–2.000 € monatlich.
  • Befristet vs. unbefristet: Bestehen Sie auf unbefristete Leistungsbezüge – befristete müssen nach Ablauf neu verhandelt werden.
  • Ruhegehaltfähigkeit: Klären Sie, ob die Leistungsbezüge in die Pension einfließen.

2. Sachmittel und Erstausstattung

Besonders in den Natur- und Ingenieurwissenschaften ist die Erstausstattung ein zentraler Verhandlungspunkt:

  • Laborgeräte und technische Infrastruktur
  • IT-Ausstattung (Server, Software-Lizenzen)
  • Bücher und Datenbankzugänge
  • Einmalige Sachmittel für den Aufbau der Forschung

3. Personalausstattung

  • Wissenschaftliche Mitarbeiterstellen (Doktoranden, Postdocs)
  • Technische Mitarbeiterstellen (Laboringenieure, IT)
  • Sekretariat (oft geteilt mit anderen Professuren)
  • Studentische Hilfskräfte (Budget)

4. Räumlichkeiten

  • Büro (Größe, Lage)
  • Labor- oder Werkstattflächen
  • Seminarräume
  • Räume für Mitarbeiter

5. Weitere Punkte

  • Lehrermäßigung: Reduktion des Lehrdeputats in den ersten 1–2 Semestern zum Aufbau der Forschung
  • Reisemittel: Jährliches Budget für Konferenzen und Forschungsreisen
  • Dual Career: Unterstützung bei der Stellensuche für den Partner / die Partnerin
  • Startdatum: Flexibilität beim Dienstantritt
  • Erfahrungsstufe: Anerkennung von Vordienstzeiten für eine höhere Erfahrungsstufe

Typische Ausstattungspakete nach Fachgruppe

FachgruppeSachmittelStellenLeistungsbezüge
Naturwissenschaften (Uni W3)200.000–500.000 €2–41.000–2.000 €
Ingenieurwissenschaften (Uni W3)150.000–400.000 €2–31.000–2.000 €
Medizin (Uni W3)300.000–800.000 €3–51.500–3.000 €
Wirtschaftswiss. (Uni W3)30.000–80.000 €1–2800–1.800 €
Geisteswiss. (Uni W3)10.000–30.000 €1–2500–1.200 €
Informatik (Uni W3)50.000–150.000 €2–31.200–2.500 €
HAW (W2, fachübergreifend)5.000–50.000 €0–1300–1.000 €
Hinweis: Die Werte sind Orientierungsgrößen. Exzellenzuniversitäten und wohlhabende Bundesländer bieten tendenziell mehr, kleinere Hochschulen und finanzschwächere Länder weniger. Auch die individuelle Verhandlungsposition spielt eine große Rolle.

Verhandlungstipps

  1. Informieren Sie sich gründlich: Sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen, die kürzlich berufen wurden. Der DHV (Deutscher Hochschulverband) bietet Beratung an.
  2. Kennen Sie Ihren Marktwert: In Fächern mit wenigen Bewerbern (Informatik, Ingenieurwesen, Medizin) ist Ihre Verhandlungsposition besonders stark.
  3. Verhandeln Sie das Gesamtpaket: Wenn beim Gehalt wenig Spielraum ist, können oft Ausstattung, Stellen oder Lehrermäßigungen verbessert werden.
  4. Seien Sie konkret: Erstellen Sie eine detaillierte Ausstattungsliste mit Begründung. Zeigen Sie, warum Sie bestimmte Geräte oder Stellen brauchen.
  5. Nutzen Sie parallele Rufe: Mehrere Rufe gleichzeitig sind die stärkste Verhandlungsposition. Kommunizieren Sie dies offen.
  6. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen: Bitten Sie um Bedenkzeit. Eine gute Verhandlung braucht mehrere Runden.
  7. Alles schriftlich: Lassen Sie alle Zusagen im Berufungsschreiben fixieren. Mündliche Versprechen sind im Zweifelsfall wertlos.
DHV-Beratung: Mitglieder des Deutschen Hochschulverbands können eine kostenlose Berufungsberatung in Anspruch nehmen. Dies ist eine der wertvollsten Leistungen der Mitgliedschaft und wird von erfahrenen Berufungsprofis durchgeführt.
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Die Bleibeverhandlung als Hebel

Wenn Sie bereits eine Professur innehaben und einen externen Ruf erhalten, können Sie parallel eine Bleibeverhandlung an Ihrer aktuellen Hochschule führen. Dies ist einer der wenigen Wege, die eigene Besoldung und Ausstattung nachträglich signifikant zu verbessern.

Typische Ergebnisse einer erfolgreichen Bleibeverhandlung:

  • Erhöhung der Leistungsbezüge um 500–1.500 € monatlich
  • Zusätzliche Mitarbeiterstellen
  • Räumliche Verbesserungen
  • Einmalige Sachmittelzuweisungen
Risiko: Wenn Sie bleiben, aber die Zusagen nicht eingehalten werden, haben Sie den externen Ruf aufgegeben. Bestehen Sie daher auf schriftliche Festlegung aller Zusagen und klare Fristen für deren Umsetzung.

Häufige Fehler bei der Berufungsverhandlung

  • Zu früh zusagen: Nehmen Sie den Ruf nicht an, bevor die Verhandlung abgeschlossen ist. Nach Annahme gibt es keinen Verhandlungsspielraum mehr.
  • Nur aufs Gehalt schauen: Ausstattung und Stellen können für die Karriere wichtiger sein als ein paar hundert Euro mehr Gehalt.
  • Unvorbereitet verhandeln: Ohne konkrete Vorstellungen und Zahlen gehen Sie als Amateur in die Verhandlung.
  • Zu bescheiden sein: Die Erstberufung ist Ihr stärkster Moment. Was Sie jetzt nicht verhandeln, bekommen Sie später kaum noch.
  • Nichts schriftlich haben: Mündliche Zusagen des Dekans oder Rektors können bei Personalwechseln vergessen werden.
  • Die Perspektive vergessen: Verhandeln Sie nicht nur für den Ist-Zustand, sondern auch für Ihre mittelfristigen Forschungspläne.

Ablauf der Verhandlung

Typischerweise verläuft die Berufungsverhandlung in mehreren Runden:

  1. Erstgespräch: Kennenlernen der Hochschulleitung, Darstellung Ihrer Pläne und Bedarfe
  2. Schriftliches Angebot: Die Hochschule unterbreitet ein erstes Angebot
  3. Gegenangebot: Sie formulieren Ihre Wünsche (idealerweise mit Begründung)
  4. Finale Verhandlung: Kompromissfindung, oft am Telefon oder in einem zweiten persönlichen Gespräch
  5. Berufungsschreiben: Alle vereinbarten Konditionen werden schriftlich fixiert

Das Konzeptionspapier als Verhandlungsgrundlage

Eine gute Berufungsverhandlung beginnt nicht mit einer Wunschliste, sondern mit einem Konzept. Das Konzeptionspapier erklärt, wie die Professur in Forschung, Lehre, Transfer und Selbstverwaltung aufgebaut wird und welche Ressourcen dafür nötig sind. Daraus ergeben sich Personal, Räume, Geräte, Labor, Bibliothek, IT, Anschubmittel, Reisemittel und ggf. Dual-Career- oder Umzugsthemen.

Je besser der Ressourcenbedarf aus der Denomination und dem Entwicklungsplan der Fakultät abgeleitet ist, desto stärker ist die Verhandlungsposition. Reine Maximalforderungen ohne fachliche Begründung sind schwächer als ein priorisierter Aufbauplan.

Schriftliche Berufungszusage prüfen

Am Ende zählt nicht, was im Gespräch sympathisch klang, sondern was schriftlich zugesagt wird. Die Berufungszusage sollte Personal, Sachmittel, Räume, Geräte, Laufzeiten, Verstetigung, Besoldungsbestandteile, Leistungsbezüge und ggf. Evaluations- oder Rückfallregelungen klar erfassen. Unklare Formulierungen sollten vor Annahme des Rufes geklärt werden.

Prioritäten setzen

  • Was ist unverzichtbar, damit die Professur arbeitsfähig ist?
  • Was ist wichtig, aber verhandelbar?
  • Was kann über Drittmittel oder spätere Fakultätsentscheidungen wachsen?
  • Welche Zusagen müssen schriftlich und langfristig abgesichert sein?
  • Welche persönlichen Punkte gehören in das Besoldungs- oder Dienstrechtsgespräch?

Quellen und Einordnung

Häufige Fragen

Wann findet die Berufungsverhandlung statt?

Die Berufungsverhandlung findet nach der Ruferteilung statt. Sie ist die entscheidende Phase, in der die konkreten Bedingungen einer Professur ausgehandelt werden — für viele Berufene ist es die erste wirkliche Gehaltsverhandlung ihres Lebens.

Was wird in der Berufungsverhandlung verhandelt?

Das Grundgehalt der W-Besoldung ist gesetzlich festgelegt und nicht verhandelbar; verhandelt werden die Leistungsbezüge. Hinzu kommen Sachmittel und Erstausstattung, Personal- und Raumausstattung sowie weitere Punkte wie Lehrermäßigung, Reisemittel, Dual-Career-Unterstützung, Startdatum und die Anerkennung von Vordienstzeiten für die Erfahrungsstufe.

Was ist eine Bleibeverhandlung?

Wer bereits eine Professur innehat und einen externen Ruf erhält, kann parallel eine Bleibeverhandlung an der aktuellen Hochschule führen. Sie ist einer der wenigen Wege, die eigene Besoldung und Ausstattung nachträglich signifikant zu verbessern.

Wie läuft die Verhandlung ab?

Typischerweise verläuft sie in mehreren Runden: Erstgespräch mit der Hochschulleitung, ein schriftliches Angebot der Hochschule, ein Gegenangebot, eine finale Verhandlung und schließlich das Berufungsschreiben, in dem alle vereinbarten Konditionen schriftlich fixiert werden.

Welche Rolle spielt das Konzeptionspapier?

Das Konzeptionspapier erklärt, wie die Professur in Forschung, Lehre, Transfer und Selbstverwaltung aufgebaut wird und welche Ressourcen dafür nötig sind. Je besser der Ressourcenbedarf aus der Denomination und dem Entwicklungsplan der Fakultät abgeleitet ist, desto stärker ist die Verhandlungsposition.

Warum ist die schriftliche Berufungszusage wichtig?

Am Ende zählt, was schriftlich zugesagt wird. Die Berufungszusage sollte Personal, Sachmittel, Räume, Geräte, Laufzeiten, Besoldungsbestandteile und Leistungsbezüge klar erfassen; unklare Formulierungen sollten vor Annahme des Rufes geklärt werden.