Venia legendi: Bedeutung, Lehrbefugnis und Lehrbefähigung

Venia legendi bedeutet Lehrbefugnis: das Recht, ein bestimmtes Fach an der verleihenden Hochschule selbstständig zu lehren. Das bedeutet mehr, als viele denken: Wer sie besitzt, darf nicht nur Vorlesungen halten, sondern in der Regel auch Doktorarbeiten betreuen und als Erst- oder Zweitgutachter bewerten. Erteilt wird sie mit der Habilitation oder auf Antrag im Anschluss daran. Hier erfahren Sie, wie Sie die Venia legendi erhalten, welche Lehrpflichten damit verbunden sind und wie eine Umhabilitation funktioniert.

Von Aktualisiert: 22. Oktober 2026 · Quellenstand 10/2026
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Eine Dozentin im weißen Kittel spricht mit einem Tablet in der Hand im Hörsaal zu Studierenden in ansteigenden Reihen

Kurz gesagt

  • Bedeutung: Die venia legendi erlaubt die selbstständige Lehre in einem bestimmten Fach. Sie begründet keine Anstellung und kein Gehalt.
  • Habilitation und PD: Die Habilitation weist die Qualifikation nach. Lehrbefugnis und Privatdozentenbezeichnung werden je nach Land zugleich oder in gesonderten Schritten erteilt.
  • Doktorvater und Erstgutachter: Privatdozenten können Doktoranden betreuen und die Promotion begutachten, wenn die Promotionsordnung der Fakultät sie dazu berechtigt.
  • Hochschulwechsel: Die Lehrbefugnis gilt an der verleihenden Hochschule. Wer die Privatdozentur andernorts fortsetzen möchte, kann dafür eine Umhabilitation beantragen.
  • Lehrpflicht: Zum Erhalt der Lehrbefugnis oder PD-Bezeichnung wird regelmäßig Lehre verlangt, häufig ohne gesonderte Vergütung. Diese Lehre heißt Titellehre.

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Was ist die Venia legendi?

Die venia legendi ist die Lehrbefugnis für ein bestimmtes Fach an einer Hochschule. Wörtlich bedeutet der lateinische Ausdruck „Erlaubnis zu lesen“; gemeint ist das Halten von Vorlesungen. Heute gehören ebenso Seminare und andere Lehrformen dazu.

Die Lehrbefugnis ist an diese Hochschule gebunden. Die zuständige Fakultät verantwortet das Lehrangebot und die Promotionsverfahren. Wer an einer anderen Hochschule lehren oder Doktoranden betreuen möchte, braucht dort die entsprechende Berechtigung. Die eigene venia legendi gilt dort nicht automatisch.

Das Fachgebiet wird bei der Verleihung festgelegt, beispielsweise Innere Medizin. Die venia legendi selbst ist kein akademischer Grad und begründet keine bezahlte Stelle.

Was ist der Unterschied zwischen Lehrbefähigung und Lehrbefugnis?

Die Lehrbefähigung bestätigt die Qualifikation für Forschung und Lehre; die Lehrbefugnis erlaubt die selbstständige Lehre in einem bestimmten Fach an einer bestimmten Hochschule.

Mit der Habilitation wird die Lehrbefähigung, lateinisch facultas docendi, nachgewiesen. Die Lehrbefugnis, venia legendi, wird je nach Landesregelung zugleich oder anschließend auf Antrag erteilt. Beide Schritte können also zusammenfallen. In Bayern wird die Lehrbefugnis nach der Habilitation auf Antrag erteilt; in Sachsen entsteht sie bereits mit der Habilitation, die PD-Bezeichnung wird dort gesondert beantragt. Der Unterschied bleibt: Die wissenschaftliche Qualifikation nehmen Sie bei einem Wechsel mit; das Lehrrecht an der neuen Hochschule entsteht dadurch noch nicht.

So formulieren es die Landesgesetze
  • Nordrhein-Westfalen trennt die Schritte: „Mit der Habilitation wird die Lehrbefähigung zuerkannt.“ Über die Befugnis, „in ihrem oder seinem Fach an der Hochschule Lehrveranstaltungen selbständig durchzuführen“, entscheidet die Hochschule auf Antrag; damit ist die Bezeichnung Privatdozentin oder Privatdozent verbunden, ein Dienstverhältnis wird nicht begründet (§ 68 Abs. 2 Satz 1 bis 4 HG NRW).
  • Bayern: Die Habilitation stellt die Lehrbefähigung fest. Die Lehrbefugnis erteilt die Universität „auf Antrag der habilitierten Person“; mit ihr ist das Recht verbunden, die Bezeichnung „Privatdozentin“ oder „Privatdozent“ zu führen (Art. 98 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 10 Satz 1 und 6 BayHIG).
  • Sachsen: „Mit der Habilitation wird die Lehrbefugnis zuerkannt“. Die Bezeichnung „Privatdozentin“ oder „Privatdozent“ verleiht der Fakultätsrat auf Antrag, wenn sich die Habilitierten zu mindestens zwei Semesterwochenstunden Lehre in ihrem Fachgebiet verpflichten (§ 42 Abs. 3 und 4 SächsHSG).
  • Niedersachsen: Das Gesetz beschreibt die Lehrbefugnis als „Befugnis zur selbständigen Lehre an der Hochschule für ein bestimmtes wissenschaftliches Fach oder Fachgebiet“; sie wird mit der Habilitation erteilt und berechtigt zur Bezeichnung Privatdozentin oder Privatdozent (§ 9a Abs. 2 NHG).

Wie erhält man die venia legendi?

Der übliche Weg führt über Promotion und Habilitation zur Lehrbefugnis. Dabei sind drei Schritte zu unterscheiden:

  1. Promovieren: Die abgeschlossene Promotion bildet die Grundlage für die weitere wissenschaftliche Qualifikation.
  2. Habilitieren: Mit eigener Forschung, einer Habilitationsschrift oder zusammengehörigen Fachaufsätzen sowie Lehrleistungen weisen Sie die Lehrbefähigung nach. Zum Verfahren können auch ein Vortrag oder ein Kolloquium gehören.
  3. Lehrbefugnis und PD-Bezeichnung erhalten: Die Hochschule legt das Fachgebiet fest und erteilt die Lehrbefugnis mit der Habilitation oder auf gesonderten Antrag. Auch für die Bezeichnung Privatdozent (PD Dr.) kann ein eigener Antrag nötig sein.

Das Dekanat informiert über Unterlagen, Antrag und eine mögliche Antrittsvorlesung. Den ausführlichen Ablauf erklärt der Artikel Habilitation.

Kann man die venia legendi ohne Habilitation erhalten?

Ja, einzelne Landesregelungen eröffnen andere Zugänge. In Bayern kommen beispielsweise Personen infrage, die sich an der betreffenden Hochschule als Juniorprofessor oder Nachwuchsgruppenleiter bewährt haben. Welche Nachweise dafür erforderlich sind, klärt die zuständige Fakultät.

Landesregeln zum Erwerb: Beispiele
  • Mit der Habilitation: In Niedersachsen wird die Lehrbefugnis „mit der Habilitation“ erteilt (§ 9a Abs. 2 NHG), in Sachsen ebenso (§ 42 Abs. 3 SächsHSG); die PD-Bezeichnung wird in Sachsen gesondert beantragt (§ 42 Abs. 4 SächsHSG).
  • Auf Antrag: In Bayern erteilt die Universität die Lehrbefugnis auf Antrag der habilitierten Person (Art. 98 Abs. 10 Satz 1 BayHIG). In Berlin „ist“ sie auf Antrag zu verleihen, wenn die Lehrtätigkeit das Angebot der Hochschule sinnvoll ergänzt und keine gesetzlichen Ausschlussgründe entgegenstehen (§ 118 Abs. 1 BerlHG). In Nordrhein-Westfalen entscheidet die Hochschule auf Antrag (§ 68 Abs. 2 Satz 2 HG NRW).
  • Bezeichnung getrennt: In Hessen entsteht die Lehrbefugnis mit der Habilitation; die Bezeichnung „Privatdozentin“ oder „Privatdozent“ verleiht der Fachbereich erst auf Antrag (§ 30 HHG).
  • Ohne Habilitation in Bayern: Die Lehrbefugnis soll im Einvernehmen mit der Fakultät auch Personen erteilt werden, die sich an der betreffenden Hochschule als Juniorprofessorin oder Juniorprofessor oder als Nachwuchsgruppenleiterin oder Nachwuchsgruppenleiter bewährt haben (Art. 98 Abs. 10 Satz 3 und 5 BayHIG).

Welches Modell in welchem Land gilt, steht mit Norm und Link für alle 16 Länder im Länderteil des Artikels Privatdozent.

Darf man mit der venia legendi Doktorvater und Erstgutachter sein?

Ja, Privatdozenten können Doktoranden betreuen sowie die Promotion als Erst- oder Zweitgutachter bewerten, wenn die Promotionsordnung der Fakultät sie dazu berechtigt. Die Betreuung begleitet das Forschungsprojekt; das Gutachten bewertet die eingereichte Arbeit. Den Doktorgrad verleiht die Hochschule im Promotionsverfahren.

Für die Auswahl einer Betreuung sind drei Fragen wichtig:

  • Berechtigung: Darf die Person an der Fakultät betreuen, an der Sie promovieren möchten?
  • Gutachten: Darf sie dort auch das vorgesehene Erst- oder Zweitgutachten übernehmen?
  • Wechsel: Wie können Betreuung und Begutachtung fortgeführt werden, falls die Person die Hochschule verlässt?

Eine Lehrbefugnis an einer anderen Universität schließt eine Betreuung nicht grundsätzlich aus. Entscheidend sind die Regeln der promotionsführenden Fakultät. Mehr zur Auswahl eines Doktorvaters oder einer Doktormutter.

Belege: wer betreuen und begutachten darf

Der Wissenschaftsrat zählt zum üblichen Kreis der Betreuenden neben den Professorinnen und Professoren ausdrücklich auch habilitierte Fakultätsmitglieder. In Bayern stehen Privatdozentinnen und Privatdozenten bei Hochschulprüfungen im Gesetz in einer Reihe mit den Professoren (Art. 85 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BayHIG). Sachsen-Anhalt nennt die Betreuung von Promotionen ausdrücklich: Wer an eine Hochschule ohne Promotionsrecht berufen wird, kann sich die Berechtigung feststellen lassen, an der Universität weiterhin Lehrveranstaltungen durchzuführen und Promotionen zu betreuen (§ 48 Abs. 2 Satz 2 HSG LSA).

Die Einzelheiten regelt die Promotionsordnung der Fakultät. In Erlangen-Nürnberg können Privatdozenten Betreuer und Gutachter sein, wenn sie an der Universität hauptberuflich tätig sind (RPromO FAU § 5 Abs. 2 und 4). Ob die betreuende Person auch das Erstgutachten erstellt, regelt die jeweilige Promotionsordnung (RPromO FAU § 5 Abs. 1). Mehr unter Privatdozent: Rechte und Pflichten und Doktorvater: Wer darf eine Promotion betreuen?

Was ist eine Umhabilitation?

Eine Umhabilitation ist das Verfahren, mit dem eine bereits habilitierte Person die Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule erhalten kann. Die aufnehmende Fakultät prüft die bisherige Qualifikation und die Voraussetzungen für die dortige Lehrbefugnis. Ein Hochschulwechsel allein überträgt die bisherige venia legendi nicht.

Wie läuft eine Umhabilitation ab?

Bei einer Umhabilitation werden bereits erbrachte Habilitationsleistungen anerkannt; die neue Fakultät legt fest, welche zusätzlichen Leistungen erforderlich sind. Das Verfahren lässt sich in vier Schritte gliedern:

  1. Antrag vorbereiten: Klären Sie mit dem Dekanat, ob das bisherige Fachgebiet zur Fakultät passt und welche Unterlagen verlangt werden, etwa Urkunden sowie Publikations- und Lehrnachweise.
  2. Bisherige Leistungen prüfen lassen: Die Fakultät entscheidet, welche Leistungen sie anerkennt und welche Anforderungen damit erfüllt sind. Eine vollständige Wiederholung der Habilitation ist dafür nicht grundsätzlich erforderlich.
  3. Ergänzende Anforderungen erfüllen: Je nach Ordnung können weitere Nachweise oder eine mündliche Leistung, etwa ein Vortrag, hinzukommen.
  4. Lehrbefugnis erhalten: Nach erfolgreichem Verfahren wird die Lehrbefugnis an der neuen Hochschule erteilt. Zugleich ist zu klären, was mit der bisherigen Lehrbefugnis, den Lehrpflichten und laufenden Promotionsbetreuungen geschieht.

Ein neuer Arbeitgeber allein macht keine Umhabilitation nötig: Sie können Ihre Privatdozentur auch an der bisherigen Hochschule fortführen. Bei einer Berufung auf eine Professur oder einem Lehrauftrag beruht das Lehrrecht auf der jeweiligen Funktion.

Umhabilitation: was Gesetze und Ordnungen regeln

Rheinland-Pfalz bindet die Lehre an die Universität, „an der er oder sie sich habilitiert hat“ (§ 61 Abs. 1 Satz 1 HochSchG). Bayern sieht vor: „Auf Antrag der zuständigen Fakultät kann die Lehrbefugnis auch erhalten, wer die entsprechende Lehrbefähigung oder Lehrbefugnis an einer anderen Universität … des In- oder Auslandes besitzt“ (Art. 98 Abs. 10 Satz 4 BayHIG).

Die Habilitationsordnungen der LMU München regeln die Umhabilitation in einem eigenen Paragrafen, wortgleich für die Sozialwissenschaftliche (§ 10) und die Medizinische Fakultät (§ 16): Das Gremium „kann die Lehrbefähigung bei Personen, die die entsprechende Lehrbefähigung oder Lehrbefugnis an einer anderen Universität … besessen haben, unter Befreiung von einzelnen oder allen Habilitationsleistungen feststellen“. Die Befreiung ist eine Kann-Entscheidung. An der Universität Zürich kann die Fakultät die Habilitationsschrift erlassen, wenn sich jemand andernorts unter vergleichbaren Bedingungen habilitiert hat, bei mehrjähriger erfolgreicher Lehre auch die mündliche Leistung (§ 19 der Rahmenverordnung über die Habilitation).

Was mit der bisherigen Lehrbefugnis geschieht, regeln einige Länder ausdrücklich:

  • Berlin und Brandenburg: Sie erlischt mit der Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule, es sei denn, die bisherige Hochschule beschließt die Fortdauer (§ 118 Abs. 2 BerlHG, § 62 Abs. 3 BbgHG).
  • Sachsen-Anhalt: Die Erlangung einer Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule ist ein Erlöschensgrund; wer an eine Hochschule ohne Promotionsrecht im Fachgebiet wechselt, kann die Lehrbefugnis mit Zustimmung des Fachbereichsrats behalten (§ 48 Abs. 2 HSG LSA).
  • Bayern: Bei Privatdozentinnen und Privatdozenten ist die an einer anderen Hochschule erlangte Lehrbefugnis ein Widerrufsgrund (Art. 70 Abs. 2 BayHIG).
  • Mecklenburg-Vorpommern: Sie erlischt mit der Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule (§ 72 Abs. 2 LHG M-V).

Was bedeutet Titellehre?

Titellehre bezeichnet die regelmäßige Lehre, die zum Erhalt der Lehrbefugnis oder PD-Bezeichnung verlangt wird. Dazu gehören beispielsweise Vorlesungen oder Seminare; häufig wird diese Lehre nicht gesondert vergütet.

Den Umfang und mögliche Befreiungen bestimmen Land und Hochschule. Für Ihre Planung zählt auch der Aufwand für Vorbereitung, Nachbereitung und Sprechstunden. Wer hauptberuflich in einer Klinik oder einem Unternehmen arbeitet, muss die Lehrtermine damit vereinbaren.

Prüfungsaufgaben und die Betreuung von Abschlussarbeiten richten sich nach den jeweiligen Hochschulordnungen. Ob Mitwirkungsrechte in Hochschulgremien bestehen, ist ebenfalls örtlich geregelt. Ausführlicher: Aufgaben und Pflichten von Privatdozenten.

Lehre, Bezeichnung und Titellehre im Landesrecht
  • Lehre an der eigenen Hochschule: Wer sich habilitiert hat, kann „an der Universität, an der er oder sie sich habilitiert hat, selbstständig lehren“ (§ 61 Abs. 1 Satz 1 HochSchG Rheinland-Pfalz).
  • Bezeichnung: In Niedersachsen berechtigt die Lehrbefugnis unmittelbar zur Bezeichnung Privatdozentin oder Privatdozent (§ 9a Abs. 2 NHG); in Hessen verleiht sie der Fachbereich auf Antrag gesondert (§ 30 Abs. 2 HHG).
  • Titellehre in Bayern: Widerrufen werden kann, wenn jemand „vor Vollendung des 62. Lebensjahres aus Gründen, die sie oder er zu vertreten hat, die Obliegenheit zur unentgeltlichen Lehrtätigkeit im Umfang von mindestens zwei Lehrveranstaltungsstunden nicht erfüllt“ (Art. 70 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 BayHIG).
  • Umfang in anderen Ländern: Sachsen knüpft die PD-Bezeichnung an die Verpflichtung zu mindestens zwei Semesterwochenstunden (§ 42 Abs. 4 SächsHSG), das Saarland nennt eine Semesterwochenstunde (§ 51 Abs. 1 SHSG), Nordrhein-Westfalen überlässt das Nähere der Hochschule (§ 68 Abs. 2 Satz 5 HG NRW).
  • Einkommen: Bezahlt wird die Haupttätigkeit, im Mittelbau etwa nach TV-L (Rechner für E13), verbeamtet als Akademischer Rat nach A 13, nach einer Berufung nach W-Besoldung (Rechner für W2).

Wann erlischt die venia legendi?

Die Lehrbefugnis kann verloren gehen, wenn vorgeschriebene Lehre ohne anerkannten Grund ausbleibt oder auf sie verzichtet wird. Auch eine neue Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule kann Folgen für die bisherige haben. Ob sie automatisch erlischt oder eine Entscheidung der Hochschule nötig ist, hängt von den geltenden Regeln ab.

Klären Sie vor einer längeren Unterbrechung oder dem Ruhestand, ob eine Befreiung von der Lehre möglich ist und wie Sie den Status fortführen können. Ein Arbeitsplatzwechsel beendet die bisherigen Lehrpflichten nicht automatisch.

Der Verlust der Lehrbefugnis entzieht nicht zugleich den Doktorgrad. Welche Folgen er für die PD-Bezeichnung hat, zeigt die Länderübersicht zur Privatdozentur.

Länderregeln zum Verlust der Lehrbefugnis

Wo die Landesgesetze Gründe nennen, kehren vier wieder: Verzicht, nicht erbrachte Titellehre, eine Lehrbefugnis oder Berufung an einer anderen Hochschule und schwere Pflichtverletzungen. Mehrere Länder überlassen das Ende der Habilitationsordnung oder einer Satzung der Hochschule, und manche regeln nur das Ende der Bezeichnung „Privatdozent“. Die Tabelle trennt beides.

Ende der Lehrbefugnis und der Bezeichnung „Privatdozent“ nach Bundesland
LandLehrbefugnis: was das Landesgesetz regeltBezeichnung „PD“
Baden-WürttembergErlöschen, Ruhen und Widerruf delegiert an Grundordnung oder Habilitationsordnung (§ 39 Abs. 5 Satz 3 LHG)führen darf sie, wer mindestens zwei Semesterwochenstunden tatsächlich lehrt (§ 39 Abs. 3 Satz 2 LHG)
BayernWiderruf bei Ernennung zur Professur, nicht erbrachter Titellehre vor dem 62. Lebensjahr, schriftlichem Verzicht, Strafurteil mit Verlust der Beamtenrechte; bei Privatdozenten auch bei einer Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule (Art. 70 Abs. 1 und 2 BayHIG)erlischt mit dem Widerruf der Lehrbefugnis (Art. 70 Abs. 3 Satz 2 BayHIG)
Berlinerlischt mit Wegfall der Lehrbefähigung und mit einer Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule, sofern nicht die Fortdauer beschlossen wird (§ 118 Abs. 2 BerlHG)—
Brandenburgwie Berlin (§ 62 Abs. 3 BbgHG)Weiterführen nach mindestens fünf Jahren erfüllter Lehre mit Zustimmung der Hochschule (§ 62 Abs. 2 Satz 3 BbgHG)
BremenVerzicht, Rücknahme, zwingender Widerruf bei beamtenrechtlich schweren Gründen, möglicher Widerruf bei Pflichtverletzung vor dem 65. Lebensjahr (§ 66 Abs. 2 Satz 3 i. V. m. § 25 Abs. 4 BremHG)besteht nur, solange die Lehrbefugnis besteht (§ 66 Abs. 2 Satz 2 BremHG)
Hamburgdie Hochschulsatzungen müssen die Entziehung vorsehen, wenn sich jemand vor dem Ruhestand länger nicht mehr angemessen an der Lehre beteiligt (§ 17 Abs. 5 Satz 2 HmbHG)—
HessenLehrbefugnis mit der Habilitation (§ 30 Abs. 1 Satz 3 HHG); geregelt ist der Verlust der Bezeichnung (rechte Spalte)Verlust von Gesetzes wegen nach zwei Semestern ohne Lehre (ohne Zustimmung oder wichtigen Grund); Entzug bei Täuschung (§ 30 Abs. 2 Satz 4, § 32 HHG)
Mecklenburg-Vorpommernkann widerrufen werden, wenn jemand vor der Regelaltersgrenze ohne wichtigen Grund zwei Jahre nicht selbstständig lehrt oder Gründe vorliegen, die bei Beamtinnen und Beamten zur Entfernung aus dem Dienst führen; erlischt mit einer Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule oder mit der Ernennung zur Professur oder Juniorprofessur, bei befristeter Ernennung ruht sie (§ 72 Abs. 2 LHG M-V)entsteht mit der Verleihung der Lehrbefugnis (§ 72 Abs. 1 LHG M-V)
Niedersachsenkeine ausdrückliche Verlustnorm im NHG; die Habilitationsordnungen regeln es (§ 9a NHG)—
Nordrhein-Westfalenkeine Tatbestände im Gesetz; „das Nähere … regelt die Hochschule“ (§ 68 Abs. 2 Satz 5 HG)—
Rheinland-Pfalzkeine ausdrückliche Verlustnorm; Hochschulsatzungen (§ 61 HochSchG)—
Saarlandkeine eigene Widerrufsnorm; Hochschulsatzung (§ 51 SHSG)—
Sachsenkeine eigenen Tatbestände; Habilitationsordnungen (§ 42 SächsHSG)—
Sachsen-Anhalterlischt bei Verzicht, Ernennung zur Professur an einer anderen Hochschule, Lehrbefugnis an einer anderen Hochschule, Strafurteil; Widerruf bei nicht nachgewiesener Lehre (§ 48 Abs. 2 HSG LSA)—
Schleswig-HolsteinWiderruf möglich, das Nähere regelt die Satzung (§ 65 Abs. 4 Satz 7 HSG)—
Thüringenverweist für Erlöschen und Widerruf auf die Habilitationsordnung (§ 62 Abs. 5 Satz 4 ThürHG)mit der Lehrbefugnis verbunden (§ 62 Abs. 5 Satz 5 ThürHG)

Bayern formuliert die Folge für die Bezeichnung ausdrücklich: „Bei einem Widerruf der Lehrbefugnis erlischt zugleich die Befugnis zur Führung der Bezeichnung ‚Privatdozentin‘ oder ‚Privatdozent‘“ (Art. 70 Abs. 3 Satz 2 BayHIG). Der zuvor erworbene Doktorgrad bleibt davon unberührt; einen akademischen Grad zu entziehen, ist ein eigenes Verfahren mit eigenen Gründen (etwa Art. 101 BayHIG, „Entziehung“).

Kurzfassung der Länderblöcke im Artikel Privatdozent, dort mit Wortlaut und Link auf den amtlichen Volltext je Land.

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Braucht man die venia legendi für eine Professur?

Nein, eine vorherige Lehrbefugnis oder Privatdozentur ist keine allgemeine Voraussetzung für eine Professur. Die Habilitation ist ein klassischer Qualifikationsweg; daneben kommen andere wissenschaftliche Leistungen infrage. Für die Bewerbung zählen die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle.

Unsere Stellenanalyse: Keine von 667 W2-/W3-Universitätsausschreibungen, die wissenschaftsstellen.de zwischen dem 25. März und dem 12. Oktober 2026 erfasst hat, setzte ausdrücklich einen bestehenden PD-Status voraus. Der Befund beschreibt die Anzeigentexte, nicht sämtliche gesetzlichen Einstellungsvoraussetzungen. Datengrundlage und Quellen

Eine außerplanmäßige Professur kann nach weiterer Bewährung hinzukommen. Sie ist keine notwendige Zwischenstation auf dem Weg zur Professorenstelle. Mehr dazu: Wie wird man Professor? und aktuelle Professuren.

Privatdozentur, apl. Professur, Honorarprofessur und W-Professur
  • Privatdozent (PD): die akademische Bezeichnung, deren Erwerb mit der Lehrbefugnis verbunden ist, in Bayern etwa nach Art. 98 Abs. 10 Satz 6 BayHIG.
  • Apl. Professur: eine eigene Bestellung durch die Hochschule. In Bayern können bei Privatdozenten unter denselben Voraussetzungen die Lehrbefugnis und die Bestellung zur außerplanmäßigen Professur widerrufen werden (Art. 70 Abs. 2 BayHIG).
  • Honorarprofessur: ebenfalls eine eigene Bestellung; Bayern regelt ihren Widerruf neben dem der apl. Professur (Art. 70 Abs. 1 BayHIG).
  • W-Professur: ein Amt mit Stelle und Besoldung, erreicht über ein Berufungsverfahren. In Bayern kann die Lehrbefugnis widerrufen werden, wenn jemand zur Professorin oder zum Professor ernannt wird (Art. 70 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2 BayHIG).

Begriffe rund um die Professur, ohne feste Reihenfolge:

Wie Grade und Bezeichnungen zusammenhängen, ordnet der Artikel akademische Titel ein, die Weiterführung von Bezeichnungen nach dem Ausscheiden Professorentitel führen.

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Was bedeutet venia docendi?

Venia docendi bedeutet „Erlaubnis zu lehren“ und bezeichnet ebenfalls eine Lehrbefugnis. Der Ausdruck ist insbesondere in Österreich gebräuchlich. Die Regeln richten sich nach dem jeweiligen Hochschulsystem.

Was gilt für die venia docendi in Österreich?

An öffentlichen Universitäten wird die venia docendi im Habilitationsverfahren auf Antrag für ein wissenschaftliches oder künstlerisches Fach erteilt. Sie berechtigt an dieser Universität zur freien Lehre und zur Betreuung und Beurteilung wissenschaftlicher oder künstlerischer Arbeiten. Durch ihre Erteilung entsteht kein Arbeitsverhältnis.

§§ 102 und 103 UG 2002 im Einzelnen
  • Wer verleiht: Nach § 103 Abs. 1 UG 2002 erteilt das Rektorat die Lehrbefugnis (venia docendi) auf Antrag „für ein ganzes wissenschaftliches oder künstlerisches Fach“. Voraussetzung ist „der Nachweis einer hervorragenden wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifikation und der mehrmaligen Lehrtätigkeit an anerkannten postsekundären Bildungseinrichtungen“ (§ 103 Abs. 2).
  • Ein Bescheid mit Rechtsweg: Die Habilitationskommission fasst den Beschluss; das Rektorat erlässt daraufhin den Bescheid über den Antrag, gegen den nach § 103 Abs. 9 UG 2002 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig ist.
  • Kein Arbeitsverhältnis: § 102 UG 2002 stellt klar, dass Privatdozentinnen und Privatdozenten „in dieser Funktion in keinem Arbeitsverhältnis zur Universität“ stehen; nach § 103 Abs. 11 wird durch die Erteilung „weder ein Arbeitsverhältnis begründet, noch ein bestehendes Arbeitsverhältnis zur Universität verändert“.
  • Erlöschen: Eine allgemeine Erlöschensregel für die venia docendi von Privatdozentinnen und Privatdozenten enthält das UG 2002 nicht; es kennt nur den Sonderfall befristet angestellter Universitätsprofessorinnen und -professoren (§ 98 Abs. 13).

Was gilt in der Schweiz?

Die Schweizer Hochschulen regeln Voraussetzungen, Geltungsdauer und Lehrpflichten selbst. Prüfen Sie deshalb die Habilitationsordnung der jeweiligen Universität; deutsche Vorgaben lassen sich nicht einfach übertragen.

Universität Zürich und ETH Zürich
  • Universität Zürich, auf Dauer: „Mit der Habilitation werden wissenschaftlich ausgewiesene Personen zu Privatdozentinnen oder Privatdozenten ernannt und erhalten eine Lehrbefugnis (Venia Legendi)“, und: „Die Venia Legendi wird auf Dauer erteilt“ (§ 2 Abs. 3 und § 3 Abs. 1 der Rahmenverordnung über die Habilitation, LS 415.23, aktuelle Fassung Nachtrag 128). Voraussetzungen sind ein Doktorat, wissenschaftliche Publikationen, Lehrtätigkeit und pädagogisch-didaktische Fähigkeiten (§ 5). Entzogen werden kann die Venia Legendi, wenn sie durch wissenschaftliches Fehlverhalten erlangt wurde oder die Interessen der Universität auf andere Weise ernsthaft verletzt werden (§ 21).
  • ETH-Verordnung, veröffentlichter Stand 1. August 2008: Die verlinkte Fassung der Habilitationsverordnung definiert die Venia Legendi als „zeitlich befristete Befugnis“ zu freien Vorlesungen (Art. 2); sie „wird für acht Semester erteilt“ und kann jeweils erneuert werden, längstens bis zum Ende des Semesters, in dem das 65. Altersjahr vollendet wird (Art. 9). Wer sie hat, muss „in jedem akademischen Jahr mindestens eine Lehrveranstaltung anzukündigen und durchzuführen“ (Art. 11); bei schuldhafter Verletzung dieser Pflicht kann sie entzogen werden (Art. 14). Quelle: Habilitationsverordnung ETH Zürich, SR 414.110.373.1, in der von der ETH veröffentlichten Fassung (Stand 1. August 2008).

Häufige Fragen zur venia legendi

Was bedeutet facultas docendi?

Facultas docendi bedeutet Lehrbefähigung: die nachgewiesene Qualifikation, ein Fach selbstständig in Forschung und Lehre zu vertreten. Sie wird üblicherweise durch die Habilitation nachgewiesen. Die venia legendi bezeichnet dagegen die Lehrbefugnis an einer bestimmten Hochschule.

Ist venia legendi ein Titel?

Nein. Venia legendi bezeichnet die Lehrbefugnis. Privatdozent, abgekürzt PD oder Priv.-Doz., ist die damit verbundene akademische Bezeichnung. In „PD Dr.“ steht sie vor dem Doktorgrad. Für ihre Verleihung kann ein gesonderter Antrag nötig sein.

Was bedeutet die venia legendi in der Medizin?

Sie berechtigt zur selbstständigen Lehre in einem medizinischen Fach. Bei „PD Dr. med.“ bezeichnet PD den Privatdozentenstatus, Dr. med. den medizinischen Doktorgrad. Daraus folgen weder eine Facharztanerkennung noch eine bestimmte Klinikposition. Mehr zur Habilitation in der Medizin.

Zahlen und ein Beispiel aus Leipzig

Die Medizin ist der häufigste Fall: Nach einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 22. Juli 2026 entfielen 911 der 1.571 Habilitationen des Jahres 2025 auf die Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (Destatis, Pressemitteilung Nr. 261/2026). Rechtlich gilt für die Lehrbefugnis dasselbe Landesrecht wie in jedem anderen Fach.

Wie eng Lehrbefugnis und „habil.“ an einer Medizinischen Fakultät zusammenhängen können, zeigt die Habilitationsordnung der Universität Leipzig (Fassung vom 23. Juni 2017): „Mit der Habilitation wird die Lehrbefugnis zuerkannt und der Doktorgrad um den Zusatz ‚habil.‘ ergänzt“ (§ 3 Abs. 4). Für die Gebiete Medizin und Zahnmedizin setzt sie den Dr. med. bzw. Dr. med. dent. und die „Facharztanerkennung ihres Fachgebiets“ voraus; über Ausnahmen entscheidet der Fakultätsrat, und für Bewerber ohne Medizinstudium gibt es einen eigenen Weg (§ 1 Abs. 2 und 3 der Ordnung). Aus „Dr. med. habil.“ kann mit der Bezeichnung Privatdozent „PD Dr. med.“ werden; in Bayern werden beide nicht zugleich geführt (Art. 98 Abs. 1 Satz 5 BayHIG).

Was bedeutet „venia docendi des Betreuers“?

Gemeint ist die Lehrbefugnis der betreuenden Person, häufig einschließlich ihres Fachgebiets. Wird diese Angabe in einem Promotionsformular verlangt, ist die entsprechende verliehene Lehrbefugnis anzugeben. Das Promotionsbüro kann klären, welcher Nachweis benötigt wird.

Gilt die venia legendi lebenslang?

Nicht uneingeschränkt. Ihre Fortführung hängt von den Regeln zu Lehre, Unterbrechungen und Ruhestand ab. Eine Befreiung von der Lehrpflicht bedeutet nicht automatisch, dass auch die Lehrbefugnis endet.

Quellen und Methodik

Amtliche Primärquellen: Landesrecht, das österreichische Universitätsgesetz, Erlasse der Zürcher Hochschulen und Habilitationsordnungen einzelner Fakultäten. Die Widerrufsgründe werden je Land genannt und nicht auf andere Länder übertragen.

Methodik der Stellenanalyse: 667 eindeutige W2-/W3-Universitätsausschreibungen mit Volltext aus 107 Einrichtungen, die wissenschaftsstellen.de vom 25. März bis 12. Oktober 2026 erstmals erfasst hat (Volltextstand 18. Oktober 2026; Deutschland; Dubletten und Sprachfassungen zusammengeführt). Gezählt wurde, ob eine Anzeige ausdrücklich einen bestehenden Privatdozentenstatus voraussetzt. Die Zahl beschreibt die untersuchten Anzeigentexte, keine gesetzlichen Einstellungsvoraussetzungen und keine Berufungsentscheidungen.

Quellenstand: 18. Oktober 2026. Maßgeblich sind stets das Landesrecht und die Habilitationsordnung der verleihenden Fakultät.