Professorentitel: Wer ihn führen darf, behält und verliert
„Professor“ ist kein akademischer Grad wie der Doktor, sondern je nach Weg eine Amts- oder Berufsbezeichnung oder eine verliehene Würde. Deshalb steht er nicht im Personalausweis: Dort ist nur der Doktorgrad vorgesehen. Wer in den Ruhestand geht, behält die Bezeichnung in aller Regel. Wer eine staatliche Hochschule früher verlässt, braucht je nach Land drei bis sechs Dienstjahre, eine Genehmigung oder eine unbefristete Stelle; Bremen erlaubt die Weiterführung nur nach dem Ruhestand. Und unbefugtes Führen kann strafbar sein. Hier lesen Sie, wer den Titel wie bekommt, was in Ihrem Land beim Weggang gilt und warum ein gekaufter Titel zu nichts berechtigt.
Die Regel in Ihrem LandZum InhaltKurz gesagt
- „Professor“ ist kein akademischer Grad – darum steht im Personalausweis nur der Doktorgrad (§ 5 Abs. 2 PAuswG).
- Im Ruhestand bleibt der Titel in aller Regel; wer eine staatliche Hochschule früher verlässt, braucht je Land 3 bis 6 Dienstjahre, eine Genehmigung oder eine unbefristete Stelle.
- Unbefugtes Führen kann strafbar sein (§ 132a StGB) – ein gekaufter Titel berechtigt zu nichts.
Für Ihre Situation
- Ihr Land in der Tabelle nachschlagen – Norm und Bedingung je Land.
- Vor dem Ausscheiden: Zustimmung zur Weiterführung beantragen.
- Tenure Track: Zusicherung in die Berufungsverhandlung aufnehmen.
- apl. oder Honorarprofessur: Die Bestellung ist Voraussetzung.
- Titelkauf-Angebote meiden – unbefugtes Führen kann strafbar sein.
Inhalt
Ist „Professor“ ein Titel?
Im Alltag ja – aber kein akademischer Grad wie der Doktor, den man mit der Promotion erwirbt. „Professor“ hängt am Weg dorthin: Wer auf eine Professur berufen und zur Beamtin oder zum Beamten ernannt wird, führt die Bezeichnung als Amtsbezeichnung; wer angestellt ist, führt sie in Bayern etwa als Berufsbezeichnung, solange das Dienstverhältnis dauert (Art. 62 Abs. 2 BayHIG); apl.- und Honorarprofessuren verleiht die Hochschule. Nach dem Ausscheiden wird daraus je nach Land eine akademische Bezeichnung, eine akademische Würde, ein akademischer Titel – so heißt es in Niedersachsen und im Saarland – oder die weitergeführte Amtsbezeichnung.
Das klingt nach Juristenfeinheit, hat aber drei handfeste Folgen. Erstens: Weil „Professor“ kein Grad ist, steht er nicht im Personalausweis. Zweitens: Weil die Bezeichnung an ein Amt oder an eine Bestellung geknüpft ist, kann man sie verlieren – durch Ausscheiden ohne Weiterführungsrecht, durch Widerruf der Bestellung oder durch Untersagung. Drittens: Wer die Bezeichnung unbefugt führt, kann sich strafbar machen; § 132a des Strafgesetzbuchs nennt Amts- und Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel und öffentliche Würden ausdrücklich nebeneinander.
Fünf Begriffe, die oft verwechselt werden
| Begriff | Was er bedeutet | Beispiel |
|---|---|---|
| Akademischer Grad | durch Promotion oder Studienabschluss erworben | Doktorgrad („Dr.“) |
| Amtsbezeichnung | Bezeichnung des übertragenen Amts im Beamtenverhältnis | „Professor“ in W 2 oder W 3 |
| Akademische Bezeichnung | vom Hochschulgesetz verliehene Bezeichnung, auch nach dem Ausscheiden | Weiterführung in Berlin oder Thüringen |
| Akademische Würde | verliehene Bezeichnung ohne Dienstverhältnis | apl.- und Honorarprofessur in Bayern |
| Lehrbefugnis | Recht zu lehren (venia legendi), kein Titel | Privatdozentin, Privatdozent |
Ob ein Land die Bezeichnung nach dem Ausscheiden als Würde, als akademische Bezeichnung oder als Amtsbezeichnung führen lässt, entscheidet auch über den Zusatz „a. D.“. Nordrhein-Westfalen etwa lässt Ruhestandsbeamte ihre Amtsbezeichnung mit dem Zusatz „außer Dienst (a. D.)“ führen, Professorinnen und Professoren aber „ohne Zusatz“ (§ 77 Abs. 3, § 123 Abs. 4 Landesbeamtengesetz). Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt regeln den Verzicht auf „a. D.“ im Hochschulgesetz. Für Leserinnen und Leser heißt das: Ein emeritierter oder pensionierter Professor schreibt in aller Regel einfach „Prof.“, nicht „Prof. a. D.“.
Tipp: Einen Überblick über akademische Grade, Bezeichnungen und Qualifikationen gibt der Artikel Akademische Titel.
Wer darf „Professor“ führen – und wie wird man es?
„Professor“ führen darf nur, wem das Gesetz oder eine Hochschule die Bezeichnung zuweist. Es gibt vier typische Wege, und jeder hat eigene Regeln.
- Berufung auf eine Professur. Wer nach einem Berufungsverfahren auf eine W2- oder W3-Professur ernannt oder angestellt wird, führt „Professorin“ oder „Professor“ – im Beamtenverhältnis als Amtsbezeichnung, im Angestelltenverhältnis in Bayern als Berufsbezeichnung –, an Universitäten wie an Hochschulen. Die Bezeichnung entsteht mit der Stelle, nicht mit einer Urkunde über einen Grad. Wie man dorthin kommt, beschreibt Wie werde ich Professor?.
- Juniorprofessur. Wer auf eine W1-Stelle berufen wird, führt die Bezeichnung, die das jeweilige Landesgesetz vorsieht – etwa „Juniorprofessorin“ oder „Juniorprofessor“. Einzelheiten unter Juniorprofessur.
- Außerplanmäßige Professur. Habilitierte, die längere Zeit erfolgreich lehren, kann die Hochschule zur apl.-Professorin oder zum apl.-Professor bestellen. In Nordrhein-Westfalen setzt das „eine in der Regel fünfjährige erfolgreiche selbständige Lehrtätigkeit“ voraus (§ 41 Abs. 3 Hochschulgesetz). Mit der Bestellung darf man „Professor“ führen, ohne dass ein Dienstverhältnis entsteht.
- Honorarprofessur. Wer aus Wissenschaft, Kunst oder Berufspraxis kommt und neben dem Hauptberuf lehrt, kann zur Honorarprofessorin oder zum Honorarprofessor bestellt werden. Auch hier folgt die Bezeichnung aus der Bestellung, nicht aus einer Stelle.
Was nicht genügt: die Habilitation allein. Sie weist die Lehrbefähigung nach und kann zur Bezeichnung „Privatdozentin“ oder „Privatdozent“ führen (siehe Privatdozent), aber nicht zum Professor. Auch eine Vertretungs- oder Gastprofessur oder eine Tätigkeit als Lehrkraft für besondere Aufgaben bringt die Bezeichnung nicht von selbst; Ausnahmen regelt das Landesrecht (siehe Sonderfälle). Und an privaten Hochschulen hängt die Bezeichnung an der staatlichen Anerkennung und am Landesrecht: In Bayern etwa dürfen hauptberufliche Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer nichtstaatlicher Hochschulen „Professor“ als Berufsbezeichnung „für die Dauer ihrer Beschäftigung“ führen (Art. 107 Abs. 1 Satz 5 BayHIG).
Kann man ohne Doktortitel Professor werden? Die Einstellungsvoraussetzungen nennt jedes Landeshochschulgesetz; was an Hochschulen gilt, wo neben der wissenschaftlichen Befähigung mehrjährige Berufspraxis zählt, erklärt Professor an Hochschulen. Unsere Einordnung: Wer ohne Promotion auf eine Professur zielt, findet die Chancen fast nur in künstlerischen und gestalterischen Fächern.
Für ausschreibende Hochschulen. Unsere Einordnung: Nennen Sie in der Ausschreibung die Bezeichnung, die mit der Stelle tatsächlich verbunden ist. Eine Vertretung heißt „Vertretung der Professur“, nicht „Professur (befristet)“; eine Gastprofessur heißt „Gastprofessur“. Bewerberinnen und Bewerber lesen aus der Bezeichnung, ob sie nach dem Ende der Stelle „Professor“ führen dürfen – eine missverständliche Ausschreibung führt später zu Rückfragen und im schlimmsten Fall zu einer unbefugten Titelführung, die niemand wollte.
Für Bewerberinnen und Bewerber. Wer sich auf eine Professur bewirbt, führt in den Unterlagen nur die Bezeichnungen, die er heute führen darf. Eine laufende Vertretung schreiben Sie als „Vertretung der Professur für … an der Universität …“ in den Lebenslauf; eine apl.- oder Honorarprofessur mit dem Datum der Bestellung. Die Kommission prüft das nach unserer Erfahrung genau.
Tipp: Wer „Professor“ werden will, plant nicht den Titel, sondern die Berufung. Die Stellen, auf die Sie sich bewerben können, finden Sie unten im Überblick der aktuellen Professuren.
Titel behalten: Ruhestand, früheres Ausscheiden, Entzug
Wer in den Ruhestand geht, behält die Bezeichnung in aller Regel. Wer vorher ausscheidet, etwa weil er in die Wirtschaft wechselt oder ins Ausland geht, darf sie in den meisten Ländern erst nach einer Mindestdienstzeit weiterführen: in Rheinland-Pfalz nach drei Jahren, in acht Ländern nach fünf, in Baden-Württemberg nach sechs. Bremen sieht die Weiterführung nur nach dem Ruhestand vor.
Nach dem Ruhestand
Alle Länder sehen die Weiterführung nach dem Ruhestand vor, einige mit Bedingungen. In Bayern führen Professorinnen und Professoren im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit die Bezeichnung nach dem Ausscheiden wegen Eintritts in den Ruhestand „als akademische Würde“ (Art. 62 Abs. 1 Satz 1 BayHIG). In Nordrhein-Westfalen führen sie die Amtsbezeichnung ohne den Zusatz „a. D.“ weiter. Einige Länder verlangen auch beim Ruhestand eine Mindestzeit, weil ihre Norm für jedes Ausscheiden gilt: Rheinland-Pfalz drei Jahre (§ 52 Abs. 4 HochSchG), Berlin, Hessen und Sachsen fünf Jahre (§ 103 Abs. 2 BerlHG, § 67 Abs. 4 HessHG, § 71 Abs. 5 SächsHSG), Baden-Württemberg sechs Jahre an der Hochschule (§ 49 Abs. 6 LHG). Niedersachsen und das Saarland knüpfen die Weiterführung an eine unbefristete Beschäftigung (§ 27 Abs. 7 NHG, § 40 Abs. 7 SHSG).
Was „Prof. em.“ und „Prof. i. R.“ unterscheidet und wer im Ruhestand noch lehren und prüfen darf, erklärt Emeritierung und Professor im Ruhestand mit einer Karte für alle 16 Länder.
Vor dem Ruhestand ausscheiden
Hier liegen die Unterschiede. Acht Länder rechnen mit fünf Jahren: Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen; in Bayern gelten für Professuren auf Zeit sechs Jahre tatsächlich ausgeübter Tätigkeit. Mehrere Länder verlangen zusätzlich eine Zustimmung: In Mecklenburg-Vorpommern stimmt die Hochschule zu, in Sachsen-Anhalt die Hochschulleitung auf Vorschlag des Fachbereichs, in Thüringen entscheidet der Präsident auf Antrag, und in Brandenburg kann die Hochschule im Einvernehmen mit dem Ministerium auch vor Ablauf der fünf Jahre zustimmen. In Bayern unterscheidet Art. 62 Abs. 1 BayHIG drei Fälle: Wer auf Lebenszeit ernannt war und aus anderen Gründen als dem Ruhestand ausscheidet, braucht die Zustimmung der Hochschulleitung; sie kann versagt werden, wenn die Führung „insbesondere im Hinblick auf die Dauer der Tätigkeit oder der zum Ausscheiden führenden Gründe, nicht angemessen ist“ (Satz 2). Professorinnen und Professoren auf Zeit haben das Recht nach sechs Jahren tatsächlich ausgeübter Dienstzeit (Satz 3). Tenure-Track-Professuren haben es unter denselben Voraussetzungen nur mit schriftlicher Zusicherung bei der Berufung (Satz 4).
Ohne feste Jahreszahl arbeiten Hamburg und Nordrhein-Westfalen: In Hamburg ist die Weiterführung nach früherem Ausscheiden nur erlaubt, wenn die Hochschule sie auf Antrag genehmigt hat (§ 17 Abs. 3 HmbHG). In Nordrhein-Westfalen kann entlassenen Beamtinnen und Beamten „die Erlaubnis erteilt werden“, die Amtsbezeichnung weiterzuführen (§ 77 Abs. 4 LBG NRW). In Niedersachsen und im Saarland zählt nicht die Dauer, sondern ob Sie unbefristet beschäftigt waren. Bremen kennt die Weiterführung nach einem früheren Ausscheiden nicht.
Beispiel (fiktiv): Eine W2-Professorin in Hessen wechselt nach vier Jahren in die Industrie. Nach § 67 Abs. 4 HessHG darf sie die Bezeichnung nicht weiterführen, weil die Dienstzeit unter fünf Jahren liegt. Wäre sie ein Jahr länger geblieben, dürfte sie es. Wer einen Wechsel plant, rechnet deshalb die Dienstjahre vorher nach.
Weiterführung beantragen: fünf Schritte
Wo das Landesrecht eine Zustimmung, Genehmigung oder Erlaubnis verlangt, entscheidet die Hochschule oder die Dienstbehörde über einen Antrag. Unsere Einordnung: So gehen Sie vor, damit der Antrag nicht an Formalien scheitert.
- Norm lesen. Suchen Sie Ihr Land in der Tabelle unten und lesen Sie die genannte Vorschrift im Wortlaut: Wer entscheidet, welche Frist gilt, zählen frühere Professuren mit?
- Dienstzeit nachrechnen. Zählen Sie die Jahre ab der Ernennung bis zum geplanten letzten Arbeitstag. Fehlen nur wenige Monate, kann ein späterer Wechseltermin den Unterschied machen.
- Antrag schriftlich stellen. Richten Sie ihn an die Stelle, die das Gesetz nennt – meist Präsidium oder Rektorat –, und zwar vor dem Ausscheiden. Nennen Sie Dienstzeit, Grund des Ausscheidens und Ihre künftige Tätigkeit.
- Bescheid aufbewahren. Die Zustimmung ist Ihr Nachweis, falls später jemand die Befugnis bezweifelt, etwa ein neuer Arbeitgeber oder eine Hochschule, an der Sie lehren wollen.
- Bezeichnung richtig führen. Führen Sie die Bezeichnung in der Form, die der Bescheid oder das Gesetz nennt, mit oder ohne Zusatz „a. D.“.
Die Regel in Ihrem Land
Die Tabelle zeigt für jedes Land die Norm und die Bedingung für die Weiterführung nach einem früheren Ausscheiden. Sie gilt für staatliche Hochschulen. Den Wortlaut haben wir am jeweiligen Landesportal gelesen; die Fundstellen mit Abrufdatum stehen auf der Seite Emeritierung.
| Land | Norm | Früheres Ausscheiden |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | § 49 Abs. 6 LHG | mindestens sechs Jahre an der Hochschule (gilt auch beim Ruhestand) |
| Bayern | Art. 62 BayHIG | Lebenszeit: Zustimmung der Hochschulleitung; auf Zeit: sechs Jahre; Tenure Track: zusätzlich schriftliche Zusicherung |
| Berlin | § 103 Abs. 2 BerlHG | mindestens fünf Jahre, frühere Professuren zählen mit |
| Brandenburg | § 51 BbgHG | fünf Jahre oder Zustimmung mit dem Ministerium |
| Bremen | § 17 Abs. 2 BremHG | nur nach dem Ruhestand |
| Hamburg | § 17 Abs. 3 HmbHG | Genehmigung der Hochschule auf Antrag |
| Hessen | § 67 Abs. 4 HessHG | mindestens fünf Jahre |
| Mecklenburg-Vorpommern | § 63 Abs. 1 LHG M-V | frühestens nach fünf Jahren, mit Zustimmung |
| Niedersachsen | § 27 Abs. 7 NHG | bei unbefristeter Beschäftigung |
| Nordrhein-Westfalen | § 77 Abs. 4, § 123 Abs. 4 LBG | Erlaubnis kann erteilt werden |
| Rheinland-Pfalz | § 52 Abs. 4 HochSchG | Dienstverhältnis mindestens drei Jahre |
| Saarland | § 40 Abs. 7 SHSG | bei unbefristeter Beschäftigung |
| Sachsen | § 71 Abs. 5 SächsHSG | mindestens fünf Jahre |
| Sachsen-Anhalt | § 38 Abs. 3 HSG LSA | fünf Jahre, Zustimmung der Hochschulleitung |
| Schleswig-Holstein | § 63 Abs. 3 HSG | mindestens fünf Jahre |
| Thüringen | § 88 Abs. 2 ThürHG | Antrag; soll ab fünf Jahren gewährt werden |
Für nichtstaatliche Hochschulen gelten eigene Regeln. In Bayern führen hauptberufliche Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer dort „Professor“ als Berufsbezeichnung für die Dauer der Beschäftigung; nach Altersgrenze oder Dienstunfähigkeit mit dem Zusatz „a.D.“, nach einem Ausscheiden aus sonstigen Gründen nur, wenn sie die Tätigkeit mindestens zehn Jahre ausgeübt haben, und mit Zustimmung der Hochschule (Art. 107 Abs. 1 Satz 5 bis 8 BayHIG).
Außerhalb Bayerns regeln die Länder das unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen kann eine staatlich anerkannte Hochschule hauptberuflich Lehrenden, die die Einstellungsvoraussetzungen einer Professur erfüllen, mit Zustimmung des Ministeriums das Recht verleihen, „Professorin“ oder „Professor“ für die Dauer der Tätigkeit zu führen; das Weiterführen nach dem Ende der Tätigkeit braucht eine eigene Verleihung, wieder mit Zustimmung des Ministeriums (§ 75 Abs. 4 und 5 HG NRW, früher § 73a). In Niedersachsen kann, wer an einer anerkannten Hochschule unbefristet hauptberuflich als Professorin oder Professor beschäftigt wird, die Bezeichnung „Professorin“ oder „Professor“ zugleich als akademischen Titel führen; § 27 Abs. 7 Satz 2 und 3 NHG gilt entsprechend (§ 66 Abs. 1 Satz 2 und 3 NHG). In Schleswig-Holstein verleiht das Ministerium das Recht auf Antrag des Trägers für die Dauer der Verwendung, und § 63 Abs. 3 HSG gilt entsprechend (§ 77 Abs. 1 HSG mit § 63 Abs. 3 HSG). Nach dieser Norm darf die Bezeichnung nach dem Ausscheiden „ohne Zusatz“ weitergeführt werden, bei einem Ausscheiden vor Erreichen der Altersgrenze „nur nach einer mindestens fünfjährigen Tätigkeit als Professorin oder Professor“; das Präsidium kann die Weiterführung nach Anhörung des Senats untersagen, wenn Gründe vorliegen, die bei Beamten zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis führen. Unsere Einordnung: Wer an eine private Hochschule wechselt, lässt sich vor der Unterschrift bestätigen, dass die Bezeichnung beantragt oder verliehen ist.
Bayern: Tenure Track nur mit schriftlicher Zusicherung
Ein Satz im bayerischen Gesetz wird leicht überlesen. Tenure-Track-Professorinnen und -Professoren haben das Recht zur Weiterführung nur, „wenn die Hochschule dies im Zeitpunkt der Berufung der oder dem zu Berufenden gegenüber schriftlich zusichert“ (Art. 62 Abs. 1 Satz 4 BayHIG). Die Zusicherung lässt sich also nicht nachholen: Sie gehört in die Berufungsverhandlung, zusammen mit Ausstattung und Leistungsbezügen. An staatlichen Hochschulen in Bayern gilt für Professorinnen und Professoren in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis Abs. 2: Sie führen die Amtsbezeichnung als Berufsbezeichnung, „solange das Dienstverhältnis dauert“; unbefristet Beschäftigte behalten sie bei Altersgrenze oder Dienstunfähigkeit als akademische Würde.
Den Titel verlieren
Die Bezeichnung kann entzogen werden. In Bayern kann der Senat die Führung „wegen Unwürdigkeit“ untersagen (Art. 62 Abs. 1 Satz 5 BayHIG); in Baden-Württemberg kann der Senat die Befugnis widerrufen, in Sachsen soll sie entzogen werden, wenn sich die Person ihrer als nicht würdig erweist. Andere Länder verweisen auf die beamtenrechtlichen Regeln über die Amtsbezeichnung, etwa Hessen, das Saarland und Thüringen. In Bayern endet bei apl.- und Honorarprofessuren die Befugnis mit dem Widerruf der Bestellung (Art. 70 Abs. 3 Satz 1 BayHIG).
Tipp: Bevor Sie kündigen oder eine Entlassung beantragen, fragen Sie die Personalabteilung schriftlich, ob und unter welchen Bedingungen Sie die Bezeichnung weiterführen dürfen, und stellen Sie einen nötigen Antrag noch vor dem letzten Arbeitstag.
Sonderfälle: apl., Honorar, Vertretung, Junior, Gast
Bei apl.- und Honorarprofessuren ist die Bestellung die Voraussetzung, bei Vertretungs- und Gastprofessuren entsteht eine Befugnis nur, wo Landesrecht und Hochschule sie vorsehen.
apl.- und Honorarprofessur
Beide Bezeichnungen werden verliehen, ohne dass ein Dienstverhältnis entsteht. In Nordrhein-Westfalen begründen sie „weder ein Dienstverhältnis noch den Anspruch auf Übertragung eines Amtes“, die Bestellten sind aber „befugt, die Bezeichnung ‚Professorin‘ oder ‚Professor‘ zu führen“ (§ 41 Abs. 3 HG NRW); das Recht ruht, solange die Bezeichnung aus einem anderen Grund geführt werden kann (Abs. 4). Bayern regelt dasselbe verteilt: Honorarprofessorinnen und -professoren führen die Bezeichnung „als akademische Würde“ (Art. 68 Abs. 2 Satz 4 BayHIG), außerplanmäßige Professorinnen und Professoren ebenso (Art. 69 Abs. 4 Satz 2). Die Bestellung begründet „keinen Anspruch auf Dienst- und Versorgungsbezüge“ (Art. 68 Abs. 2 Satz 3). Unsere Einordnung: Die Bezeichnung ist eine Anerkennung, keine Stelle. Wer sie trägt, sollte die Lehrpflichten der Bestellung ernst nehmen, denn ein Widerruf kostet den Titel. Mehr unter apl.-Professur und Honorarprofessur.
Vertretungsprofessur
Wer eine Professur vertritt, wird nicht berufen und nicht ernannt; eine Befugnis, „Professor“ zu führen, folgt daraus nicht von selbst. In Nordrhein-Westfalen begründet die Vertretung ausdrücklich kein Dienstverhältnis (§ 39 Abs. 2 HG NRW); korrekt ist dort „Professurvertreterin“ oder „Professurvertreter“. Ausdrücklich geregelt ist sie etwa in Sachsen-Anhalt: Mit Zustimmung darf die Bezeichnung für die Dauer der Vertretung geführt werden (§ 49a HSG LSA). Einzelheiten je Land stehen unter Vertretungsprofessur.
Juniorprofessur
Welche Bezeichnung Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren führen, regelt das Landesrecht; für nichtstaatliche Hochschulen in Bayern nennt Art. 107 Abs. 1 Satz 5 BayHIG „Juniorprofessorin“ oder „Juniorprofessor“. Für die Weiterführung nach einem Ausscheiden gilt: In Brandenburg zählen Zeiten als Juniorprofessur bei der Fünfjahresfrist ausdrücklich nicht mit. Wer über eine Tenure-Track-Stelle auf eine W2- oder W3-Professur kommt, führt danach die Bezeichnung dieser Professur.
Gastprofessur
Eine Gastprofessur ist eine befristete Lehr- oder Forschungstätigkeit an einer fremden Hochschule. Ob Sie während der Gasttätigkeit „Professor“ führen dürfen, hängt an einer gesetzlichen oder wirksam verliehenen Befugnis; eine bereits bestehende Berechtigung bleibt unberührt. Unsere Einordnung: Ohne eine solche Befugnis schreiben Sie in Lebenslauf und Signatur „Gastprofessur an der Universität X (Zeitraum)“ und nicht „Prof.“ vor den Namen. Siehe Gastprofessur.
Tipp: Wenn Ihnen eine Hochschule eine apl.- oder Honorarprofessur anbietet, lassen Sie sich die Bestellungsurkunde geben – sie ist Ihr Nachweis für die Befugnis.
Ausweis, Briefkopf, Kauf: was erlaubt ist
In den Personalausweis kommt „Professor“ nicht, auf den Briefkopf schon, wenn Sie befugt sind, und ein gekaufter Titel berechtigt zu nichts.
Professor im Personalausweis?
Das Personalausweisgesetz zählt abschließend auf, was im Ausweis sichtbar stehen darf: Der Ausweis enthält „ausschließlich“ unter anderem Familienname, Vornamen und „Doktorgrad“ (§ 5 Abs. 2 Nr. 3 PAuswG). Eine Amtsbezeichnung oder akademische Würde ist dort nicht vorgesehen. Wer im Bürgeramt nach „Prof.“ fragt, bekommt deshalb eine Absage; der Doktorgrad dagegen wird eingetragen.
Briefkopf, Visitenkarte, Klingelschild
Wer befugt ist, darf die Bezeichnung auch außerhalb des Dienstes führen – so ausdrücklich § 77 Abs. 2 Satz 2 LBG NRW –, also auf Briefkopf und Visitenkarte, in der E-Mail-Signatur, am Klingelschild. Dasselbe Gesetz sagt aber auch, die Beamtin oder der Beamte habe „keinen Anspruch auf Anrede mit der Amtsbezeichnung“ (§ 77 Abs. 2 Satz 3 LBG NRW). Unsere Einordnung: Im beruflichen Kontext ist die Anrede mit „Professor“ üblich und höflich, im privaten Umfeld entscheiden Sie selbst.
Professorentitel kaufen?
Ein Professorentitel lässt sich nicht kaufen. Wer im Internet Angebote für „Professorentitel“ oder „Ehrenprofessuren“ gegen Geld findet, kauft bestenfalls eine Urkunde ohne Wirkung. Die Bezeichnung entsteht nur durch Ernennung oder Bestellung nach Landesrecht. Wer sie trotzdem führt, führt sie unbefugt – und das kann strafbar sein: Nach § 132a Abs. 1 Nr. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer unbefugt „inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt“; Bezeichnungen, die zum Verwechseln ähnlich sind, stehen gleich (§ 132a Abs. 2 StGB). Unsere Position ist klar: Ein gekaufter Titel berechtigt zu nichts. Unsere Einordnung: In einem Berufungsverfahren schadet er der Bewerbung mehr, als er je nützen könnte.
Woran Sie unseriöse Angebote erkennen: Sie versprechen einen Titel gegen Zahlung, ohne Lehre an einer staatlich anerkannten Hochschule; sie verweisen auf „Akademien“ oder „Stiftungen“ im Ausland; sie werben mit dem Eintrag in Ausweis oder Briefkopf. Unsere Einordnung: Jedes dieser Merkmale reicht, um die Finger davon zu lassen. Fragen Sie im Zweifel die Hochschule, die angeblich verleiht, nach der Rechtsgrundlage für die Bestellung.
Tipp: Wenn Sie eine Honorarprofessur anstreben, ist der seriöse Weg die Lehre: Bieten Sie einer Hochschule über mehrere Jahre Lehrveranstaltungen an. Die Bestellung folgt aus der Leistung, nicht aus einer Zahlung.
Anrede, Abkürzung und Ausland
Unsere Einordnung: Abgekürzt wird „Prof.“; wer zugleich promoviert ist, schreibt üblicherweise „Prof. Dr.“, zuerst der Professor, dann der Grad.
Unsere Einordnung für die Anrede: Im beruflichen Schreiben nennen Sie die Bezeichnung: „Sehr geehrte Frau Professorin Müller“ oder „Sehr geehrter Herr Professor Müller“; den Doktorgrad lassen Sie dann in der Anrede weg. In der Anschrift steht „Frau Prof. Dr. Anna Müller“. Mehrere Doktorgrade („Dr. Dr.“) gehören in die Anschrift, nicht in die Anrede.
Unsere Einordnung für das Ausland: Im Englischen entspricht die Anrede „Professor Müller“; die Bezeichnungen „Assistant“, „Associate“ und „Full Professor“ beschreiben Karrierestufen im Ausland und lassen sich nicht eins zu eins auf W1, W2 und W3 übertragen. Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln für die Verleihung und Führung; die deutschen Landesgesetze gelten dort nicht.
Unsere Einordnung für die E-Mail-Signatur: dieselbe Ordnung wie im Briefkopf – Name mit „Prof. Dr.“, darunter die Funktion („Professur für Mikrobiologie“ oder „Lehrstuhl für Mikrobiologie“), dann Fakultät, Hochschule und Kontakt. Wer im Ruhestand ist, folgt seiner Landesnorm – an staatlichen Hochschulen meist ohne „a. D.“, an nichtstaatlichen in Bayern mit „a.D.“; der Zusatz „em.“ oder „i. R.“ ist üblich. Wer apl.- oder Honorarprofessor ist, kann die Art der Professur in der Funktionszeile nennen; das schafft Klarheit und vermeidet Nachfragen.
Tipp: Wenn Sie an eine Berufungskommission schreiben, reden Sie die Vorsitzende oder den Vorsitzenden mit Funktion und Bezeichnung an – „Sehr geehrte Frau Professorin Müller“ – und nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“.
Häufige Fragen zum Professorentitel
Ist Professor ein akademischer Titel?
Kein akademischer Grad. Je nach Weg ist „Professor“ eine Amts- oder Berufsbezeichnung oder eine von der Hochschule verliehene Bezeichnung; nach dem Ausscheiden führen ihn die Länder als akademische Bezeichnung, akademische Würde, akademischen Titel oder Amtsbezeichnung weiter.
Kommt der Professor in den Personalausweis?
Nein. Der Personalausweis enthält ausschließlich die im Gesetz aufgezählten Angaben, darunter den Doktorgrad, aber keine Amtsbezeichnung (§ 5 Abs. 2 PAuswG).
Darf man den Professorentitel nach dem Ruhestand behalten?
In aller Regel ja. Einige Länder verlangen auch dann eine Mindestzeit: Rheinland-Pfalz drei Jahre, Berlin, Hessen und Sachsen fünf, Baden-Württemberg sechs Jahre an der Hochschule; Niedersachsen und das Saarland knüpfen an eine unbefristete Beschäftigung an.
Darf ich den Titel behalten, wenn ich vor dem Ruhestand ausscheide?
An staatlichen Hochschulen hängt das an der Landesnorm: Rheinland-Pfalz verlangt drei Jahre, acht Länder fünf, Baden-Württemberg sechs. In Bayern brauchen Professuren auf Lebenszeit die Zustimmung der Hochschulleitung, Professuren auf Zeit sechs Jahre. Hamburg und Nordrhein-Westfalen entscheiden auf Antrag, Niedersachsen und das Saarland verlangen eine unbefristete Beschäftigung, Bremen sieht die Weiterführung nicht vor. Für nichtstaatliche Hochschulen gelten eigene Regeln, in Bayern zehn Jahre Tätigkeit und die Zustimmung der Hochschule (Art. 107 Abs. 1 Satz 7 und 8 BayHIG).
Was gilt für Tenure-Track-Professuren in Bayern?
Sie dürfen die Bezeichnung nur weiterführen, wenn die Hochschule das bei der Berufung schriftlich zugesichert hat (Art. 62 Abs. 1 Satz 4 BayHIG).
Darf eine Vertretungsprofessorin „Professorin“ führen?
Nicht von selbst. Ausdrücklich erlaubt ist es etwa in Sachsen-Anhalt mit Zustimmung für die Dauer der Vertretung (§ 49a HSG LSA); in Nordrhein-Westfalen begründet die Vertretung kein Dienstverhältnis (§ 39 Abs. 2 HG).
Kann man einen Professorentitel kaufen?
Nein. Die Bezeichnung entsteht nur durch Ernennung, Anstellung oder Bestellung nach Landesrecht. Wer eine geschützte Bezeichnung unbefugt führt, kann sich strafbar machen; § 132a StGB droht Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe an.
Kann das Titelrecht wieder erlöschen?
Ja. In Bayern erlischt es bei apl.- und Honorarprofessuren mit dem Widerruf der Bestellung (Art. 70 Abs. 3 BayHIG), und der Senat kann die Führung wegen Unwürdigkeit untersagen (Art. 62 Abs. 1 Satz 5 BayHIG).
Quellen
Gesetzestexte am amtlichen Portal; die Länderwerte der Tabelle mit Fundstelle und Abrufdatum auf der Seite Emeritierung.
- § 5 Personalausweisgesetz (PAuswG), Absatz 2, abgerufen am 7. Oktober 2026
- § 132a Strafgesetzbuch (StGB), Absätze 1 und 2, abgerufen am 7. Oktober 2026
- Bayerisches Hochschulinnovationsgesetz: Art. 62, Art. 68, Art. 69, Art. 70 und Art. 107, abgerufen am 7. Oktober 2026
- Landesbeamtengesetz Nordrhein-Westfalen (LBG NRW), § 77 Abs. 2 bis 4 und § 123 Abs. 4, Fassung ab 4. August 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026
- Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalen (HG NRW), § 39 Abs. 2 und § 41 Abs. 3 und 4, Fassung ab 4. August 2026
- Nichtstaatliche Hochschulen: § 75 Abs. 4 und 5 HG NRW (Fassung ab 4. August 2026), § 66 Abs. 1 NHG (Fassung ab 2. Februar 2022), § 77 Abs. 1 HSG Schleswig-Holstein und § 63 Abs. 3 HSG Schleswig-Holstein (jeweils Fassung vom 3. Februar 2022, gültig ab 18. Februar 2022), abgerufen am 7. Oktober 2026
- Landeshochschulgesetze der übrigen Länder (Normen in der Tabelle), Wortlaut am jeweiligen amtlichen Portal geprüft am 27. September 2026; Einzelnachweise auf der Seite Emeritierung