Gehalt Professoren Baden-Württemberg: W-Besoldung ohne Stufen, ohne Sonderzahlung – alle Daten 2026
Baden-Württemberg ist das Bundesland mit der zweitgrößten Hochschullandschaft Deutschlands und verfügt über eine besondere Besoldungsstruktur, die sich deutlich von den meisten anderen Ländern unterscheidet. Die auffälligsten Merkmale: keine Erfahrungsstufen bei W2 und W3, keine separate Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) und ein außergewöhnlich hoher Kinderzuschlag ab dem dritten Kind. Diese Seite liefert alle relevanten Gehaltsdaten für Professorinnen und Professoren in Baden-Württemberg – von den Grundgehältern über den Familienzuschlag bis zur Netto-Beispielrechnung.
Das W2-Professur-Gehalt in Baden-Württemberg und das W3-Professur-Gehalt in Baden-Württemberg bestehen aus Grundgehalt, möglichen Leistungsbezügen sowie familien- oder ortsbezogenen Zuschlägen. Netto hängt die Besoldung stark von Steuerklasse, Beihilfe, Krankenversicherung und Familienstand ab. Sonderzahlung (Weihnachtsgeld): keine separate (in die Besoldung integriert).
Netto im Gehaltsrechner berechnen →W-Besoldung Baden-Württemberg: Grundgehalt nach Besoldungsgruppe
Anders als in vielen anderen Bundesländern kennt Baden-Württemberg bei den Besoldungsgruppen W2 und W3 keine Erfahrungsstufen. Das Grundgehalt bleibt über die gesamte Dienstzeit konstant – eine Steigerung ist nur über zusätzliche Leistungsbezüge möglich. Diese Struktur ist bewusst gewählt: Baden-Württemberg hat die frühere Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) vollständig in das Grundgehalt integriert, weshalb die monatlichen Grundgehälter im Vergleich relativ hoch erscheinen.
| Besoldungsgruppe | Grundgehalt (brutto/Monat) | Erfahrungsstufen |
|---|---|---|
| W1 (Juniorprofessur) | 5.961 € | Keine |
| W2 | 7.451 € | Keine (nur 1 Stufe) |
| W3 | 8.430 € | Keine (nur 1 Stufe) |
Keine Erfahrungsstufen – Vor- und Nachteile
Das Fehlen von Erfahrungsstufen hat für Professoren in Baden-Württemberg sowohl Vor- als auch Nachteile:
- Vorteil bei Erstberufung: Neuberufene starten sofort mit dem vollen Grundgehalt. In Ländern mit Erfahrungsstufen beginnt man hingegen in der niedrigsten Stufe und muss mehrere Jahre auf die volle Grundbesoldung warten.
- Nachteil bei langer Dienstzeit: Während Kollegen in Bayern nach sechs Jahren automatisch 675 € mehr im Monat verdienen (W2), bleibt das Grundgehalt in BW unverändert. Gehaltserhöhungen sind nur über Leistungsbezüge oder Bleibeverhandlungen möglich.
- Planbarkeit: Die fehlende automatische Steigerung zwingt Professoren dazu, aktiv über Leistungsbezüge zu verhandeln – was nicht jedem liegt.
Leistungsbezüge in Baden-Württemberg
Neben dem Grundgehalt erhalten Professorinnen und Professoren in Baden-Württemberg variable Leistungsbezüge, die bei der Berufungsverhandlung individuell ausgehandelt werden. Sie setzen sich typischerweise zusammen aus:
- Berufungs- und Bleibeleistungsbezüge: Verhandelt bei Erstberufung oder bei einem Gegenruf (Bleibeverhandlung)
- Besondere Leistungsbezüge: Für herausragende Forschungs- oder Lehrleistungen
- Funktionsleistungsbezüge: Für Ämter wie Dekan, Studiendekan oder Prorektor
Reale Durchschnittsbesoldung in Baden-Württemberg (06/2022)
Belegbar ist die tatsächlich gezahlte Gesamtbesoldung. Eine Spezialauswertung des Statistischen Bundesamts im Auftrag des DHV zeigt für Baden-Württemberg (Datenstand 06/2022):
| Besoldungsgruppe | Baden-Württemberg (06/2022) | Gewichteter Bundesdurchschnitt |
|---|---|---|
| W2 | 7.520 € | 7.400 € |
| W3 | 9.280 € | 9.530 € |
Brutto monatlich. Werte enthalten neben dem Grundgehalt auch Erfahrungsstufen, Grundleistungsbezug, diverse Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, Familienzuschlag sowie zum Teil anteilige Sonderzuwendungen – sie sind kein reiner Leistungsbezugswert. Quelle: Statistisches Bundesamt, Spezialauswertung im Auftrag des DHV, in: Forschung & Lehre 11/2023.
Familienzuschlag Baden-Württemberg
Der Familienzuschlag in Baden-Württemberg hat eine auffallige Besonderheit: Der Zuschlag ab dem dritten Kind ist mit 989,17 € außergewöhnlich hoch – er liegt damit um ein Vielfaches über den Werten der meisten anderen Bundesländer.
| Stufe | Voraussetzung | Betrag (mtl.) |
|---|---|---|
| Stufe 1 | Verheiratet / eingetragene Lebenspartnerschaft | 175,51 € |
| Kind 1 | Erstes kindergeldberechtigtes Kind | 153,45 € |
| Kind 2 | Zweites kindergeldberechtigtes Kind | 153,45 € |
| Kind 3+ | Drittes und jedes weitere Kind | 989,17 € |
Die Gesamtsumme des Familienzuschlags für eine verheiratete Professorin mit drei Kindern beträgt somit:
175,51 € Ehegattenanteil + 2 × 153,45 € Kinderzuschlag (1. u. 2. Kind) + 989,17 € Kinderzuschlag (ab 3. Kind) = 1.471,58 € monatlich.
Sonderzahlung / Weihnachtsgeld für Beamte und Professoren in Baden-Württemberg
Wer bekommt was? Baden-Württemberg zahlt Landesbeamtinnen und Landesbeamten keine separate Sonderzahlung – das frühere Weihnachtsgeld wurde in die laufende Besoldung integriert (die hohen Grundgehälter enthalten es anteilig); das gilt auch für verbeamtete Professorinnen und Professoren in W2/W3. Angestellte Professuren sowie wissenschaftliche Mitarbeitende erhalten die Jahressonderzahlung nach TV-L. Rechtsgrundlage: Landesbesoldungsgesetz Baden-Württemberg (LBesGBW).
Baden-Württemberg gewährt keine separate Sonderzahlung. Die frühere Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) wurde vollständig in das monatliche Grundgehalt integriert. Das bedeutet, dass Professoren in BW 12 identische Monatsgehaltszahlungen erhalten – ohne ein „13. Gehalt“ oder eine Bonuszahlung im Dezember.
Für die Vergleichbarkeit mit anderen Bundesländern ist dies ein wichtiger Faktor: Das scheinbar höhere Grundgehalt in BW relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass Bayern 65 % des Dezember-Bruttos als Sonderzahlung gewährt und Brandenburg zumindest einen kleinen monatlichen Zuschlag eingebaut hat.
Vergleich der Jahresbruttobesoldung (W2, ohne Leistungsbezüge, ledig)
| Bundesland | Monatsbrutto | Sonderzahlung | Jahresbrutto |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 7.451 € | 0 € | 89.412 € |
| Bayern (Stufe 1) | 6.824 € | ~4.436 € | 86.324 € |
| Berlin | 7.117 € | 1.350 € | 86.754 € |
| Brandenburg (Stufe 1) | 7.115 € | ~252 € | 85.632 € |
Kirchensteuer in Baden-Württemberg
Wie in Bayern gilt auch in Baden-Württemberg ein Kirchensteuersatz von 8 % der Einkommensteuer. In allen übrigen 14 Bundesländern beträgt der Satz 9 %. Für kirchensteuerpflichtige Professorinnen und Professoren ergibt sich daraus je nach Einkommenshöhe eine monatliche Ersparnis von rund 20–30 € gegenüber Ländern mit 9 %.
Altersgrenze für die Verbeamtung
Die Verbeamtungsgrenze liegt in Baden-Württemberg bei 50 Jahren – das ist eine der niedrigsten Grenzen in Deutschland. Zum Vergleich: Bayern setzt die Grenze bei 52 Jahren an, einige andere Länder sogar noch höher.
Für Spätberufene, insbesondere für HAW-Professuren, bei denen eine mehrjährige Berufspraxis außerhalb der Hochschule gefordert wird, kann die niedrige Altersgrenze ein erheblicher Nachteil sein. Wer mit 50 oder älter berufen wird, wird als Angestellter beschäftigt und muss Sozialversicherungsbeiträge (Renten-, Arbeitslosen-, Krankenversicherung) zahlen. Das kann den Nettounterschied gegenüber einer verbeamteten Professur auf über 1.000 € monatlich anwachsen lassen.
Gesamtgehalt-Beispielrechnung: W2-Professur in BW
Die folgende Rechnung zeigt das monatliche Bruttogehalt eines W2-Professors in Baden-Württemberg, verheiratet, mit zwei Kindern und durchschnittlichen Leistungsbezügen:
| Gehaltsbestandteil | Betrag (mtl.) |
|---|---|
| Grundgehalt W2 | 7.451 € |
| Familienzuschlag (verheiratet) | +175,51 € |
| Familienzuschlag Kind 1 | +153,45 € |
| Familienzuschlag Kind 2 | +153,45 € |
| Leistungsbezüge (Durchschnitt W2) | +1.500 € |
| Brutto gesamt | 9.433 € |
Das Jahresbrutto liegt somit bei 113.196 €. Zum Vergleich: Die gleiche Konstellation in Bayern (München, Stufe 1) ergibt ein Monatsbrutto von ca. 10.143 €, zuzüglich der bayerischen Sonderzahlung. Auf das Jahr gerechnet liegen die beiden Länder damit relativ nah beieinander.
Besonderheiten der Hochschullandschaft in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg verfügt über neun Universitäten (darunter die Exzellenzuniversitäten Heidelberg, Konstanz und Tübingen sowie das KIT), 21 Hochschulen für angewandte Wissenschaften und sechs Pädagogische Hochschulen. Eine Besonderheit ist, dass BW als eines der ersten Länder W3-Professuren auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften ermöglicht hat – insbesondere für forschungsstarke Professuren.
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist eine weitere Besonderheit: Ihre Professuren werden nach W2 besoldet, haben aber ein anderes Lehrdeputat als klassische HAW-Professuren.
Baden-Württemberg im Ländervergleich – Zusammenfassung
| Merkmal | Baden-Württemberg | Bewertung |
|---|---|---|
| W2 Grundgehalt | 7.451 € | Hoch (keine Sonderzahlung!) |
| Erfahrungsstufen | Keine | Nachteil bei langer Dienstzeit |
| Leistungsbezüge (W2) | ~1.500 € | Mittelfeld |
| Familienzuschlag Kind 3+ | 989,17 € | Bundesweit Spitze |
| Sonderzahlung | Keine | In Grundgehalt integriert |
| Kirchensteuer | 8 % | Vorteil ggü. 9 %-Ländern |
| Verbeamtungsgrenze | 50 Jahre | Eine der niedrigsten |
- W-Grundgehalt (Stufe 1): LBesO B und W (LBV Baden-Württemberg, Stand 01.02.2025) — Anlage 4 LBesG BW.
- Reale Durchschnittsbesoldung: Statistisches Bundesamt im Auftrag des DHV, Forschung & Lehre 11/2023 (Datenstand 06/2022).
Häufige Fragen zur W-Besoldung in Baden-Württemberg
Was verdient eine W2-Professur in Baden-Württemberg?
Das W2 Professur Gehalt in Baden-Württemberg liegt beim Grundgehalt bei 7.451 € brutto/Monat – einer der höchsten W2-Werte bundesweit (einstufig, ohne Erfahrungsstufen). Dazu kommen individuell verhandelte Leistungsbezüge (DHV-Orientierung rund 850 € in W2).
Was verdient eine W3-Professur in Baden-Württemberg?
Das W3 Professur Gehalt in Baden-Württemberg beträgt beim Grundgehalt 8.430 € brutto/Monat – der höchste W3-Grundgehaltswert bundesweit. Leistungsbezüge (DHV-Orientierung rund 1.600 € in W3) erhöhen das Gehalt zusätzlich.
Zahlt Baden-Württemberg Weihnachtsgeld an Beamte und Professoren?
Baden-Württemberg zahlt keine separate jährliche Sonderzahlung – das frühere Weihnachtsgeld wurde in die laufende Besoldung integriert (die vergleichsweise hohen Grundgehälter enthalten es anteilig). Das gilt auch für verbeamtete Professorinnen und Professoren in W2/W3. Angestellte fallen nicht unter diese Beamtenregel, sondern erhalten die Jahressonderzahlung des TV-L.
Gibt es in Baden-Württemberg Erfahrungsstufen in der W-Besoldung?
Nein. Baden-Württemberg verwendet ein einstufiges System ohne automatische Erfahrungsstufen. Das Grundgehalt bleibt über die Dienstjahre konstant; Steigerungen ergeben sich vor allem über individuell verhandelte Leistungsbezüge.
Wie hoch ist das Professorengehalt in Baden-Württemberg netto?
Das Netto hängt von Steuerklasse, Beihilfe, PKV-Tarif, Kirchensteuer und Familienstand ab. Für belastbare Werte den Gehaltsrechner nutzen.