Gehalt von Professorinnen und Professoren in Schleswig-Holstein: Solides Mittelfeld mit überdurchschnittlichen Leistungsbezügen
Schleswig-Holstein positioniert sich bei der Professorenbesoldung im soliden Mittelfeld der Bundesländer. Die Grundgehälter liegen leicht unter dem Bundesdurchschnitt, werden aber durch überdurchschnittlich hohe Leistungsbezüge und eine Sonderzahlung von 30 % des Dezember-Bruttos ergänzt. Das nördlichste Flächenland Deutschlands bietet mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Universität zu Lübeck und der Europa-Universität Flensburg drei Universitäten sowie mehrere leistungsstarke Fachhochschulen. Im Folgenden finden Sie alle Gehaltsbestandteile im Detail.
Das W2-Professur-Gehalt in Schleswig-Holstein und das W3-Professur-Gehalt in Schleswig-Holstein bestehen aus Grundgehalt, möglichen Leistungsbezügen sowie familien- oder ortsbezogenen Zuschlägen. Netto hängt die Besoldung stark von Steuerklasse, Beihilfe, Krankenversicherung und Familienstand ab.
W2-Netto für Schleswig-Holstein berechnen →Wie ist die Besoldung in Schleswig-Holstein aufgebaut?
Das Schleswig-Holsteinische Besoldungsgesetz (SHBesG) regelt die Professorenvergütung. Wie in der Mehrheit der Bundesländer gibt es bei W1, W2 und W3 jeweils nur eine Gehaltsstufe — Erfahrungsstufen, wie sie etwa Sachsen, Bayern oder Hessen kennen, existieren nicht. Gehaltssteigerungen über das Grundgehalt hinaus sind daher ausschließlich über Leistungsbezüge und Bleibeverhandlungen möglich.
Was Schleswig-Holstein besonders auszeichnet, sind die vergleichsweise hohen durchschnittlichen Leistungsbezüge: Mit 900 € bei W2 und 1.400 € bei W3 liegt das Land deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dies dürfte auch mit dem Wettbewerb um Spitzenkräfte zusammenhängen, da Hamburg als benachbarter Hochschulstandort eine starke Konkurrenz darstellt.
Wie hoch ist das Grundgehalt für W1, W2 und W3 in Schleswig-Holstein?
| Besoldungsgruppe | Grundgehalt / Monat | Erfahrungsstufen |
|---|---|---|
| W1 (Juniorprofessur) | 5.363 € | 1 Stufe |
| W2 | 6.965 € | 1 Stufe |
| W3 | 7.859 € | 1 Stufe |
Das W1-Grundgehalt von 5.363 € für Juniorprofessoren ist das niedrigste der drei Besoldungsgruppen und liegt im unteren Mittelfeld der Bundesländer. Bei W2 beträgt das Grundgehalt 6.965 € — etwas unter dem Median, aber nicht weit davon entfernt. Das W3-Grundgehalt von 7.859 € ist dagegen durchaus respektabel und übertrifft Bundesländer wie Sachsen (7.690 €) oder Sachsen-Anhalt (7.777 €).
Wie hoch sind die Leistungsbezüge in Schleswig-Holstein?
Neben dem Grundgehalt erhalten Professorinnen und Professoren in Schleswig-Holstein variable Leistungsbezüge, die bei der Berufungsverhandlung individuell ausgehandelt werden. Sie setzen sich typischerweise zusammen aus:
- Berufungs- und Bleibeleistungsbezüge: Verhandelt bei Erstberufung oder bei einem Gegenruf (Bleibeverhandlung)
- Besondere Leistungsbezüge: Für herausragende Forschungs- oder Lehrleistungen
- Funktionsleistungsbezüge: Für Ämter wie Dekan, Studiendekan oder Prorektor
Wie hoch ist der Familienzuschlag in Schleswig-Holstein?
Der Familienzuschlag in Schleswig-Holstein bewegt sich im Bundesdurchschnitt. Der Ehegattenzuschlag liegt bei 164,21 €, die Kinderzuschläge bei 186,20 € für das erste und zweite Kind sowie 481,22 € ab dem dritten Kind.
| Komponente | Betrag / Monat |
|---|---|
| Verheiratete / eingetragene Lebenspartnerschaft | 164,21 € |
| 1. Kind | 186,20 € |
| 2. Kind | 186,20 € |
| 3. und jedes weitere Kind | 481,22 € |
Ein verheirateter Professor mit zwei Kindern erhält in Schleswig-Holstein einen Familienzuschlag von insgesamt 536,61 € monatlich. Das ist weniger als in Sachsen (815,70 €), aber höher als in Ländern, die den Ehegattenzuschlag abgeschafft haben (z. B. Brandenburg). Der Kinderzuschlag von 186,20 € liegt über dem in vielen Ländern üblichen Satz von rund 125 €, erreicht aber nicht die Spitzenwerte von Sachsen-Anhalt (344,25 €) oder Brandenburg (377,16 €).
Wie hoch ist die Sonderzahlung in Schleswig-Holstein?
Schleswig-Holstein gewährt eine jährliche Sonderzahlung in Höhe von 30 % des Dezember-Bruttos. Das liegt im Mittelfeld der Bundesländer — Bayern zahlt 65 %, Sachsen und Bremen je 50 %, während Länder wie Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg oder Hamburg gar keine separate Sonderzahlung kennen.
| Berechnungsgrundlage | Sonderzahlung |
|---|---|
| Dezember-Brutto (inkl. Zulagen) | 30 % |
Für einen W3-Professor mit 1.400 € Leistungsbezügen und einem Familienzuschlag von 536,61 € ergibt sich ein Dezember-Brutto von rund 9.796 €. Die Sonderzahlung beträgt dann etwa 2.939 €. Im Jahresvergleich bringt die Sonderzahlung damit ein zusätzliches knappes Monatsgehalt.
Welche Steuern und Abzüge fallen an?
Die Kirchensteuer in Schleswig-Holstein beträgt 9 % der Einkommensteuer. Verbeamtete Professoren zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge und erhalten stattdessen Beihilfe (50–70 % der Krankheitskosten). Die verbleibenden Kosten werden über eine private Restkostenversicherung abgedeckt, die typischerweise 250–500 € monatlich kostet.
Da Schleswig-Holstein keine eigene Landessteuer erhebt und die Kirchensteuer dem Standardsatz entspricht, ergeben sich keine steuerlichen Besonderheiten gegenüber den meisten anderen Bundesländern (nur Bayern und Baden-Württemberg erheben mit 8 % eine niedrigere Kirchensteuer).
Was bleibt netto? Beispielrechnungen für Schleswig-Holstein
Profil 1: W2-Professor, verheiratet, 2 Kinder, CAU Kiel
| Gehaltsbestandteil | Betrag / Monat |
|---|---|
| W2-Grundgehalt | 6.965 € |
| Leistungsbezüge (Ø) | 900 € |
| Familienzuschlag Ehegatte | 164,21 € |
| Familienzuschlag 1. Kind | 186,20 € |
| Familienzuschlag 2. Kind | 186,20 € |
| Monats-Brutto | 8.402 € |
| Sonderzahlung (30 % Dez.) | 2.521 € |
| Jahres-Brutto | ~103.345 € |
Profil 2: W3-Professorin, ledig, keine Kinder, Uni Lübeck
| Gehaltsbestandteil | Betrag / Monat |
|---|---|
| W3-Grundgehalt | 7.859 € |
| Leistungsbezüge (Ø) | 1.400 € |
| Familienzuschlag | 0 € |
| Monats-Brutto | 9.259 € |
| Sonderzahlung (30 % Dez.) | 2.778 € |
| Jahres-Brutto | ~113.886 € |
An welchen Hochschulen in Schleswig-Holstein gibt es Professuren?
Schleswig-Holstein bietet trotz seiner überschaubaren Größe eine vielfältige Hochschullandschaft:
- Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) — Volluniversität mit rund 27.000 Studierenden, stark in Meereswissenschaften, Medizin, Nanowissenschaften und Agrarwissenschaften
- Universität zu Lübeck — spezialisierte Universität mit Schwerpunkten in Medizin, Informatik und Lebenswissenschaften
- Europa-Universität Flensburg — Lehrerbildung, Bildungswissenschaften, europäische Studien und Nachhaltigkeitsforschung
- FH Kiel — größte Fachhochschule des Landes mit breitem Angebot von Maschinenbau bis Soziale Arbeit
- TH Lübeck — technische Hochschule mit Schwerpunkten in Bauwesen, Maschinenbau und angewandter Informatik
- FH Wedel — private Fachhochschule, stark in Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen
- FH Westküste (Heide) — Wirtschaft und Technik mit regionalem Fokus auf die Westküste
An den drei Universitäten werden überwiegend W3-Professuren vergeben, an den Fachhochschulen W2-Professuren. Das Lehrdeputat liegt an Universitäten bei 8–9 SWS, an Fachhochschulen bei 18 SWS. Die Nähe zu Hamburg ist für viele Professoren ein zusätzlicher Standortvorteil — Kiel und Lübeck sind innerhalb einer Stunde erreichbar.
Wie schneidet Schleswig-Holstein im Bundesvergleich ab?
Im Gesamtbild ordnet sich Schleswig-Holstein wie folgt ein:
- Grundgehalt: Unteres Mittelfeld bei W2 (6.965 €), oberes Mittelfeld bei W3 (7.859 €).
- Leistungsbezüge: Überdurchschnittlich — 900 € bei W2 und 1.400 € bei W3 liegen klar über dem Bundesdurchschnitt.
- Familienzuschlag: Durchschnittlich — weder besonders hoch noch besonders niedrig.
- Sonderzahlung: Mit 30 % im Mittelfeld, aber deutlich besser als Länder ohne Sonderzahlung.
- Lebenshaltungskosten: Moderat. Kiel und Lübeck sind günstiger als Hamburg oder München, aber teurer als ostdeutsche Universitätsstädte. Die hohe Lebensqualität (Meeresnähe, Natur) ist ein nicht-monetärer Standortfaktor.
Worauf kommt es in der Berufungsverhandlung in Schleswig-Holstein an?
Die Berufungsverhandlung ist in Schleswig-Holstein besonders wichtig, da es keine Erfahrungsstufen gibt und das Grundgehalt daher über die gesamte Dienstzeit konstant bleibt. Folgende Strategien empfehlen sich:
- Leistungsbezüge maximieren: Die Bereitschaft der schleswig-holsteinischen Hochschulen, hohe Leistungsbezüge zu gewähren, ist überdurchschnittlich. Scheuen Sie sich nicht, ambitioniert zu verhandeln.
- Ruhegehaltfähigkeit sichern: Vereinbaren Sie die Leistungsbezüge als ruhegehaltfähig — das erhöht Ihre spätere Pension erheblich.
- Hamburg als Verhandlungsargument: Wenn Sie einen parallelen Ruf nach Hamburg oder in ein anderes Bundesland haben, nutzen Sie diesen als Verhandlungshebel.
- Dynamisierungsklausel: Versuchen Sie, eine Anpassung der Leistungsbezüge an die allgemeine Besoldungsentwicklung zu vereinbaren.
- Ausstattung verhandeln: Neben dem Gehalt sind Mitarbeiterstellen, Sachmittel und Laborausstattung wichtige Verhandlungspunkte — sie lassen sich oft leichter durchsetzen als höhere Leistungsbezüge.
- W-Grundgehalt (Stufe 1): Anlage 5 SHBesG Nr. 3 W-Grundgehaltssätze — Schleswig-Holsteinischer Landtag, Unterrichtung 20/140 (gültig ab 01.11.2024) — Landtagsdrucksache; maßgeblich ist die im Gesetz- und Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein verkündete Fassung der Anlage 5 SHBesG, die betragsgleich ist.
Wie unterscheidet sich das Professorengehalt vom Mittelbau in Schleswig-Holstein?
Das W-Grundgehalt lässt sich nur im Vergleich mit den beiden Mittelbau-Welten einordnen:
- Angestellter Mittelbau (TV-L): Entgeltgruppe statt Besoldungsgruppe, mit automatischem Stufenaufstieg — Tabelle im Eintrag Gehalt wissenschaftliche Mitarbeiter, Laufzeiten unter TV-L Erfahrungsstufen.
- Verbeamteter Mittelbau (A-Besoldung): Die Akademische Rätin / der Akademische Rat (A13/A14) teilt den Beamtenstatus der Professur, nicht aber die W-Besoldung und die Leistungsbezüge.
- Professur (W-Besoldung): kein automatischer Stufenaufstieg, dafür ein großer individuell verhandelter Anteil aus Leistungsbezügen.
Aktuelle Professuren in Schleswig-Holstein
Ausgeschriebene Professuren an den Hochschulen des Landes finden Sie in der Professuren-Übersicht; Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau unter wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Fazit: Wie steht Schleswig-Holstein finanziell da?
Beim Grundgehalt liegt Schleswig-Holstein im Mittelfeld (W2 6.965 €, W3 7.859 €) — die W3-Gruppe ist dabei vergleichsweise stärker gestellt als die W2-Gruppe. Weil die Sonderzahlung mit 30 % begrenzt ist, entscheidet der verhandelte Leistungsbezugsanteil über das tatsächliche Einkommen; die Berufungsverhandlung ist damit der wichtigste Hebel.
Häufige Fragen zur W-Besoldung in Schleswig-Holstein
Was verdient eine W2-Professur in Schleswig-Holstein?
Das W2-Grundgehalt in Schleswig-Holstein beträgt 6.965 € brutto pro Monat – ein fester Betrag ohne Erfahrungsstufen. Hinzu kommen individuell verhandelte Leistungsbezüge sowie – je nach Familienstand – der Familienzuschlag.
Was verdient eine W3-Professur in Schleswig-Holstein?
Das W3-Grundgehalt in Schleswig-Holstein liegt bei 7.859 € brutto pro Monat, ebenfalls als fester Betrag ohne Erfahrungsstufen. Leistungsbezüge und Familienzuschlag erhöhen das Gehalt zusätzlich.
Gibt es in Schleswig-Holstein Erfahrungsstufen in der W-Besoldung?
Nein. Schleswig-Holstein zahlt das W-Grundgehalt als festen Betrag ohne Erfahrungsstufen – W2 und W3 steigen nicht mit den Dienstjahren. Die Juniorprofessur W1 beträgt 5.363 € brutto pro Monat.
Zahlt Schleswig-Holstein Weihnachtsgeld an Beamte und Professoren?
Ja. Schleswig-Holstein zahlt Landesbeamtinnen und Landesbeamten eine jährliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) von 30 % des Dezember-Bruttogehalts. Für verbeamtete Professorinnen und Professoren in W2/W3 gilt dieselbe Systematik. Angestellte fallen nicht darunter, sondern unter die Jahressonderzahlung des TV-L.
Wie hoch ist das Professorengehalt in Schleswig-Holstein netto?
Das Netto hängt von Steuerklasse, Beihilfe, PKV-Tarif, Kirchensteuer und Familienstand ab und lässt sich nicht pauschal angeben. Einen individuellen Wert liefert der Gehaltsrechner.